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Analyse zum Inselstreit China lässt die Muskeln spielen

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Deutsche sollten mit Kritik vorsichtig sein
Da beide Staaten das Seegebiet um die Inseln für sich beanspruchen, wollen sie das Wasser auch absichern – so kommen sich die Schiffe der japanischen (rechts) und chinesischen Küstenwache bedrohlich nahe. Quelle: ap

Da beide Staaten das Seegebiet um die Inseln für sich beanspruchen, wollen sie das Wasser auch absichern – so kommen sich die Schiffe der japanischen (rechts) und chinesischen Küstenwache bedrohlich nahe.

(Foto: ap)

Wie nachhaltig Japans Geschichtsamnesie die Beziehungen zu seinen Nachbarn zerrüttet, zeigen Reaktionen von aufgeschlossenen und extrem moderaten jungen Koreanern. „Persönlich komme ich mit Japanern wunderbar aus. Doch wenn das Thema auf Geschichte und Gebietskonflikte kommt, bricht die Kommunikation schnell zusammen“, sagt eine koreanische Studentin auf einem Seminar für internationale Völkerverständigung in Tokio.

Deutsche sollten zwar vorsichtig sein, die Japaner dafür allzu harsch zu kritisieren. Zu leicht wird heute vergessen, wie schmerzhaft und schwierig die Vergangenheitsbewältigung auch in Europa war. Sie wurde quasi erzwungen, denn Deutschland als Land in der Mitte Europas musste sich mit den Nachbarn aussöhnen. Die Unfassbarkeit des Holocaust gab noch mehr Schub. Zudem hatten zwei Jahrhunderte immer brutalerer Völkerschlachten allen Beteiligten den Blutdurst ausgetrieben.

Japan hingegen musste sich nach dem Krieg fast 30 Jahre lang nicht mit der eigenen Geschichte und den Nachbarn arrangieren. Nicht nur ließen die USA den Kaiser im Amt, was die Vergangenheitsbewältigung sehr erschwerte. Zudem waren China nach der kommunistischen Revolution abgeschottet und bettelarm und das heute neureiche Südkorea ein armer wie bedeutungsloser Bauernstaat.

Das Versäumte nachzuholen und die Konflikte „europäisch“ durch Ausgleich zu lösen, würde von den Beteiligten ein hohes Maß an Einsicht verlangen. Leider ist bei den Streithähnen keine Bereitschaft zu Erkennen, den Schwelbrand in Ostasien zu löschen.

Abe sagt den Nachbarn unverhohlen: Schluss jetzt mit der Geschichte! Gleichzeitig haben sich seine Berater anscheinend damit abgefunden, dass es um die umstrittenen Insel-Gruppe zu einem mehr oder weniger begrenzten Waffengang mit China kommen könnte. Japan beginnt, für den Ernstfall zu planen, zu proben und aufzurüsten. Das Horrorszenario ist Japans Griff nach der Atombombe. Das Land könnte, wenn es wollte, binnen Monaten zur Atommacht werden. Über präzise Raketentechnik verfügt das Land zur Genüge.

Chinas Führung wiederum hat sich mit der Ausdehnung der Flugsicherheitszone über die umstrittene Inselgruppe in eine Position manövriert, aus der es kaum ein Zurück gibt. Selbst eine Rückkehr zur bisher 40 Jahre lang geübten Praxis scheint unmöglich, die Gebietskonflikte einfach nicht zu erörtern. Denn Chinas neuer Präsident Xi Jinping würde vor Volk und Soldaten als Weichei dastehen. Und Japan wird freiwillig so schnell kein Territorium hergeben, dass es als mehr als hundert Jahren als sein eigenes betrachtet.

Nicht von ungefähr machen inzwischen geschichtliche Vergleiche Ostasiens heute mit Europa vor dem ersten Weltkrieg die Runde als sich die Nationen trotz enger wirtschaftlicher Verflechtung in Schützengräben wiederfanden. Damals wie heute stieg eine gedemütigte Macht im Herzen eines Kontinents wirtschaftlich auf und forderte die schwächelnden Imperien in seiner Nachbarschaft militärisch heraus. Nur die Namen sind verschieden.

Das heutige Deutschland ist in dieser Weltsicht China, der Erbfeind ist nicht Frankreich, sondern Japan. Und die Amerikaner spielen gewissermaßen die Rolle der Briten. So sehr historische Vergleiche hinken, in diesem Fall spricht einiges für eine Eskalation.

Brexit 2019
Gemisch aus gedemütigtem Stolz und Großmachtstreben
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6 Kommentare zu "Analyse zum Inselstreit: China lässt die Muskeln spielen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ..............wo sind die erklärenden, einleuchtenden Kommentare zu dem was da in Asien geschieht. Mein Gott wie mager bzw.überhaupt nix (nichts)......
    Nur so viel.....es ist Krieg, kein wirklicher, sondern ein Krieg mit anderen Mitteln. Wieso, warum und wie? Nun, es geht um die psychologische Kriegsführung, also
    der Krieg mit Worten und wenigen Taten. Es geht um die Vorherrschaft in Asien, die die Chinesen für sich in Anspruch nehmen und nehmen wollen. Es ist der alte Traum der Chinesen, die gelbe Rasse, als herrschende, an erster Stelle zu sehen und zu haben. Es wird niemals einen Krieg geben, niemals. Sie haben alle die A-Bombe, also macht man Krieg mit obengenannten Komponenten. Man schauhe nur in eine chinesische Maske (Gesicht). Man kann nichts erkennen, keine Gefühle, keine Regung, was verbirgt sich dahinter? Alles ungewiß. Sie sind ein Meister der psychologischen Kriegsführung, und genau so die Japaner. Also spielen die Chinesen ihre Macht im Gehorchen der gegebenen Vorgaben aus? Ja, so ist es. Es sind Bewegungen in kleinen Schritten, ohne einen Schuß abgeben zu müssen. Wie geht´s weiter? Die Art des Umgangs wird weiter von ihnen betrieben, verfeinert, gedückt, gemahnt, geschoben, um eines Tages sich dort festzusetzen, wo andere auch hinwollten. Also werden sich die Japaner fügen müssen? Vielleicht. Sind diese Inseln im chinesischen Meer weit weg von Japan und schon rein optisch mehr den Chinesen zugehörig sein müssten. Also getöse? Ja, und vor allen Dingen Disziplinierung der anderen beiden Protagonisten, den USA und Japan. Was kann man lernen von den Chinesen? Ausdauer, beharrlichkeit, Zeit zu haben, und zwar ohne Ende..............

  • Wenn deutsche Polit-Banditen sich in Asien einmischen, dann steht Amerika dahinter.
    Amerika möchte Krieg, da sie in Asien hoch verschuldet sind und nicht zahlen möchten. So wie es ein amerikanisches Kind schon zum Ausdruck brachte....wir erinnern uns?

  • Vielleicht sollte man noch einen anderen Aspekt bei den Parallelen hinzuziehen, der in unseren Geschichtsbüchern auch immer gerne vergessen wird.

    Beispiel: Hitler tobte über das Münchner Abkommen, er wollte den Krieg nicht nur, er brauchte ihn, weil er pleite war!

    Jetzt glauben unsere Finanzanalysten ja noch das China super da steht... aber das glauben die immer, selbst wenn die Blase schon platzt. China hat hohe Militärausgaben, eine Immobilienblase und eine Vielzahl von Fehlinvestitionen... da hilft alles was die Nation zusammenschweisst.

    Die USA sind zwar auch pleite, drucken aber ihre Dollars halt einfach nach. Da besteht aktuell kein Handlungsbedarf... aber auch kein Grund nachzugeben.

  • Respekt, Herr Kölling. Das ist der beste Artikel, den ich bisher zum Inselstreit zwischen Japan und China gelesen habe. Vielen Dank für diese unaufgeregte Betrachtung der Fakten.

  • Wehret den Anfaengen !

    Totalitaeren Gesellschaften bitte gleich zeigen, wo es laengsgeht - nur das hilft und beugt vor !

    jos

  • Hab NUN GELESEN GEHABT , dass ES FIRMEN auf der Insel gab . Dann gibt es DOCH BESITZRECHT oder Urkunde das DÜRFEN, wo sind Firmen oder Recht der Firmen hin vererbt , denn . . . .