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Analyse zum Inselstreit China lässt die Muskeln spielen

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Gemisch aus gedemütigtem Stolz und Großmachtstreben

Selbst der US Vize-Präsident kann da nichts bewirken

Zwar gibt es viele Beobachter, die letztlich eine Mäßigung erwarten. Sie merken an, dass ein Konflikt mit seinen wichtigsten Investoren und Absatzmärkten wirtschaftlich nicht in Chinas Interesse sein kann. Andere bringen das kulturalistische Argument vor, dass der Chinese an sich extrem pragmatisch und materialistisch sei und Geld und Wachstum letztlich den Vorzug vor Nationalstolz und anderen Dingen des geistigen Überbaus einräume. Kaufen die Chinesen nach ihrem Boykott japanischer Waren jetzt nicht schon wieder mehr japanische Autos als jemals zuvor?

Aber diese Sichtweisen verkennt: Die Kosten-Nutzen-Rechnung einer Regierung, besonders einer Diktatur, reicht über rein ökonomische Aspekte hinaus. Und das Hauptinteresse der Führung in Peking ist, an der Macht zu bleiben. Viele einflussreiche Gruppen der fragmentierten Führung glauben, dass ein Konflikt mit Japan ihre Nation unter der Fahne einen kann, die unter wachsenden sozialen und politischen Konflikten aufzubrechen droht.

Zudem sucht China auch militärisch nach einem Platz in Asien und der Welt. Einige Fraktionen glauben sogar, dass die USA sich schon nicht in ein Handgemenge mit Japan einmischen werden, wenn China im Machtpoker den Einsatz nur hoch genug treibt. Ja, vielleicht kann man die USA sogar zum Rückzug aus Asien bewegen.

Aber das ist ein gefährliches Kalkül: Nationalismus gepaart mit gedemütigtem Stolz und Großmachtstreben schon andere Kulturnationen gefährlich in die Irre geführt. Deutschland und Japan sind Beispiele dafür.

Die Eskalation zu stoppen, wird daher schwer. Nicht einmal US-Vize-Präsident Joe Biden wird diese Woche bei seinem Besuch in Japan und China die Streithähne an einen Tisch, geschweige denn zur Räson zwingen können. Dabei ist ein Ausweg aus der Krise allen klar. Die USA und Japan haben ihn vorgeschlagen:

Hotlines zwischen den Nachbarn, um einen Konflikt aus Versehen zu stoppen; kontinuierliche Kontakte der Militärs und Regierungen, die nicht bei jedem kleinen oder größeren Konflikt sofort abgebrochen werden; oder wenigstens Benimmregeln für militärische Kontakte in der Luft wie auf See wie sie im Kalten Krieg zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt-Staaten galten.

Derzeit verstoßen vor allem Chinas Militärs gerne gegen das, was andere als die guten Sitten begreifen. So flogen Helikopter in der Vergangenheit in Angriffsformation auf japanische Kriegsschiffe zu, die ein Manöver der chinesischen Marine beobachteten. Man hätte die Japaner auch einfach gewähren lassen können, doch die Militärs reizte, die Japaner zu reizen. Bislang hielten die Soldaten glücklicherweise einen kühlen Kopf.

Das optimistische Szenario in dieser Situation ist schon fast, dass China vielleicht nach einer eigenen Kubakrise zur Besinnung kommt. 1962 brachte die bevorstehende Stationierung von sowjetischen Raketen im Vorhof der Amerikaner die Welt gefährlich nahe an einen Atomkrieg. Doch nach dem Blick in den Abgrund setzten sich beide Seiten an einen Tisch und begannen erste Abrüstungsverhandlungen. Hoffentlich verschaffen sich auch in Asien bedächtige Kräfte auf beiden Seiten Gehör. Noch gibt es sie, aber derzeit sind sie in China, Japan und auch in Korea in der Defensive.

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6 Kommentare zu "Analyse zum Inselstreit: China lässt die Muskeln spielen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ..............wo sind die erklärenden, einleuchtenden Kommentare zu dem was da in Asien geschieht. Mein Gott wie mager bzw.überhaupt nix (nichts)......
    Nur so viel.....es ist Krieg, kein wirklicher, sondern ein Krieg mit anderen Mitteln. Wieso, warum und wie? Nun, es geht um die psychologische Kriegsführung, also
    der Krieg mit Worten und wenigen Taten. Es geht um die Vorherrschaft in Asien, die die Chinesen für sich in Anspruch nehmen und nehmen wollen. Es ist der alte Traum der Chinesen, die gelbe Rasse, als herrschende, an erster Stelle zu sehen und zu haben. Es wird niemals einen Krieg geben, niemals. Sie haben alle die A-Bombe, also macht man Krieg mit obengenannten Komponenten. Man schauhe nur in eine chinesische Maske (Gesicht). Man kann nichts erkennen, keine Gefühle, keine Regung, was verbirgt sich dahinter? Alles ungewiß. Sie sind ein Meister der psychologischen Kriegsführung, und genau so die Japaner. Also spielen die Chinesen ihre Macht im Gehorchen der gegebenen Vorgaben aus? Ja, so ist es. Es sind Bewegungen in kleinen Schritten, ohne einen Schuß abgeben zu müssen. Wie geht´s weiter? Die Art des Umgangs wird weiter von ihnen betrieben, verfeinert, gedückt, gemahnt, geschoben, um eines Tages sich dort festzusetzen, wo andere auch hinwollten. Also werden sich die Japaner fügen müssen? Vielleicht. Sind diese Inseln im chinesischen Meer weit weg von Japan und schon rein optisch mehr den Chinesen zugehörig sein müssten. Also getöse? Ja, und vor allen Dingen Disziplinierung der anderen beiden Protagonisten, den USA und Japan. Was kann man lernen von den Chinesen? Ausdauer, beharrlichkeit, Zeit zu haben, und zwar ohne Ende..............

  • Wenn deutsche Polit-Banditen sich in Asien einmischen, dann steht Amerika dahinter.
    Amerika möchte Krieg, da sie in Asien hoch verschuldet sind und nicht zahlen möchten. So wie es ein amerikanisches Kind schon zum Ausdruck brachte....wir erinnern uns?

  • Vielleicht sollte man noch einen anderen Aspekt bei den Parallelen hinzuziehen, der in unseren Geschichtsbüchern auch immer gerne vergessen wird.

    Beispiel: Hitler tobte über das Münchner Abkommen, er wollte den Krieg nicht nur, er brauchte ihn, weil er pleite war!

    Jetzt glauben unsere Finanzanalysten ja noch das China super da steht... aber das glauben die immer, selbst wenn die Blase schon platzt. China hat hohe Militärausgaben, eine Immobilienblase und eine Vielzahl von Fehlinvestitionen... da hilft alles was die Nation zusammenschweisst.

    Die USA sind zwar auch pleite, drucken aber ihre Dollars halt einfach nach. Da besteht aktuell kein Handlungsbedarf... aber auch kein Grund nachzugeben.

  • Respekt, Herr Kölling. Das ist der beste Artikel, den ich bisher zum Inselstreit zwischen Japan und China gelesen habe. Vielen Dank für diese unaufgeregte Betrachtung der Fakten.

  • Wehret den Anfaengen !

    Totalitaeren Gesellschaften bitte gleich zeigen, wo es laengsgeht - nur das hilft und beugt vor !

    jos

  • Hab NUN GELESEN GEHABT , dass ES FIRMEN auf der Insel gab . Dann gibt es DOCH BESITZRECHT oder Urkunde das DÜRFEN, wo sind Firmen oder Recht der Firmen hin vererbt , denn . . . .