Analyse zum Islam Warum so viel Gewalt?

Immer neue Gewalttaten im Namen des Islam haben die gesamte Religion in eine Legitimationskrise gestürzt. Was genau ist durch den Koran gedeckt – und was nicht? Selbst Experten streiten sich über die Auslegung.
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Zwei muslimische Mädchen halten während einer Demonstration ihrer Gemeinde in Madrid das Plakat „Islam = Peace“ in den Händen: Kein Wunder, dass sich angesichts dieser systematischen Unschärfe zwischen normal und radikal nicht mehr überzeugend darlegen lässt, wie das moralische Fundament des Islam und seine Anthropologie eigentlich aussehen. Quelle: Reuters

Zwei muslimische Mädchen halten während einer Demonstration ihrer Gemeinde in Madrid das Plakat „Islam = Peace“ in den Händen: Kein Wunder, dass sich angesichts dieser systematischen Unschärfe zwischen normal und radikal nicht mehr überzeugend darlegen lässt, wie das moralische Fundament des Islam und seine Anthropologie eigentlich aussehen.

(Foto: Reuters)

KairoSeit Monaten hält eine Welle bestialischer Verbrechen die Welt in Atem - verübt im Namen des Islam, wie die Täter deklamieren. In Syrien enthaupteten die Terroristen westliche Geiseln. In Irak und Syrien massakrierten sie Tausende Opfer. In Pakistan ermordeten sie 132 Schulkinder, in Kanada exekutierten sie einen Soldaten im Zentrum von Ottawa. In Sydney nahmen sie australische Cafébesucher als Geiseln. In Nigeria löschten sie Dutzende Dörfer aus – und in Paris töteten sie jetzt 17 Menschen im Büro von „Charlie Hebdo“ und in einem jüdischen Supermarkt.

Wie ist diese spektakuläre Häufung religiös motivierter Gewalttaten zu erklären? Wie gewalttätig ist der Islam? Und was könnte in den nächsten Jahren an Horror auf die Menschheit zukommen?

Von Lehrfundament und Ethos her ist der Islam nicht gewalttätiger als Christentum und Judentum – so der überwiegende Konsens unter den Fachleuten. Passagen, die von Gewalt oder Krieg reden, sind im Koran ähnlich selten wie in der Bibel. Und trotzdem erfährt der Islam, vor allem der sunnitische Islam, derzeit die schwerste Legitimationskrise seiner modernen Geschichte. Denn so wie er sich heutzutage als religiöse Institutionen organisiert, kann der Islam gegen die Fanatiker in den eigenen Reihen seine Kernbotschaft nicht mehr kohärent formulieren.

Gilt das Tötungsverbot oder gilt es nicht? Sind Selbstmordattentäter Massenmörder oder Aspiranten für das Paradies? Ist das Abschlagen von Kopf und Gliedmaßen, das Auspeitschen bei religiösen Verstößen Lehre des Islam oder nicht?

Und: Warum ist der Eintritt in den Islam frei, der Austritt dagegen nach der Scharia mit dem Tode bedroht? Warum werden Frauen im islamischen Personenstandsrecht bis heute diskriminiert? Warum dürfen Nicht-Muslime nicht nach Mekka und Medina? Warum dürfen Christen auf dem Boden von Saudi-Arabien, dem Ursprungsland des Islam, keine Kirchen bauen und noch nicht einmal Gottesdienst feiern? Und wie hält es die islamische Doktrin mit der modernen Toleranz gegenüber Andersgläubigen oder Nichtgläubigen?

Attentäter bekennt sich zur Bluttat

„Die Islamisten haben im Prinzip nichts Neues erfunden. Sie haben schlicht die Inhalte des gängigen Islamverständnisses überspitzt und radikalisiert“, urteilt der Palästinenser Ahmad Mansour, Mitglied der Islamkonferenz in Deutschland. Ihre Haltung zum Umgang mit „Ungläubigen“, zur religiösen Gemeinschaft der Muslime oder zur Rolle von Mann und Frau unterscheide sich nur graduell, nicht prinzipiell. Insofern verdankten die radikalen Strömungen ihre Gefährlichkeit nicht so sehr der Differenz zum „normalen“ Islam als vielmehr der Ähnlichkeit.

Die Gelehrten wirken kraftlos, kleinkariert, autoritär erstarrt
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57 Kommentare zu "Analyse zum Islam: Warum so viel Gewalt?"

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  • Wie man den Islam auch immer beurteilen will, eines sollte klar sein: Mohammed, der Prophet der Muslime, wollte die Welt mit dem Schwerte missionieren und das ist auch geschehen und hat sich bis heute nicht geändert. Ferner sind nach wie vor Kalifen als weltliche Herrscher die obersten Instanzen aller Gläubigen, damit ist der Koran bzw. die Scharia auch das staatliche Grundgesetz. Ohne Gewalt ist das wohl kaum denkbar. Und jeder sollte Bedenken, was der Islamforscher Tilman Nagel feststellt: Das sei auch eindeutige Auffassung der hiesigen Islamischen Verbände, die neuen Freunde der Merkel, die also in unserer Welt noch gar nicht mal angekommen sind. In den anderen monotheistischen Religionen, dem Juden- und Christentum, ist das Alte Testament einem rächenden Gott geweiht, der seine Herrschaft nach langem Kampfe gegen zahlreiche andere Religionen errichten konnte. Diese Gewalt ist aber seit der Zerschlagung des Judentums durch Titus, den Römer, im Jahre 76 n.Chr. erloschen. Das Christentum hat im Urchristentum an Stelle der Gewalt die Gnade Gottes gesetzt, die Jesus gepredigt hat. Beispiele sind der römische Bischof Hippolyte (170-235 n.Chr.), der in seinem Kampf gegen die gewaltsamen römischen Götter und ihrer Militärs in den Steinbrüchen zu Tode gefoltert wurde. Erst der vom Saulus zum Paulus gewandelte Christ hat in einem Konkordat mit der römischen Kampfmaschine Frieden geschlossen – es ist weder bekannt, ob er dafür gefoltert oder belobigt worden ist. Die Christen haben aber auf dieser Basis in den letzten 1000 Jahren bis zur Säkularisierung eine Gewaltherrschaft ausgeübt, die der der Moslems sicher in nichts an Grausamkeit nachsteht. Aber jetzt sind sie eben säkularisiert und damit entschärft, was man von den Moslems noch nicht behaupten kann.

  • Mit seinen Bezügen zum Faschismus hat Abdel-Samat Recht. Man muß nur die Wikipedia - Beiträge über die beiden "Geistesgrößen" des Islam im vorderen Orient lesen, nämlich den Großmufti Amin al-Husseini und Hassan al-Banna, von denen Arafat und die Intifada sowie die Muslimbruderschaften zehren bei der Fortsetzung des Wannseeprogramms der Nazis von 1942 im vorderen Orient. Wer aber einen wissenschaftlich fundierten Beitrag über Mohammed lesen will, nehme "20 Kapitel über den Propheten der Muslime" des emeritierten Göttinger Islamforschers Tilmann Nagel zur Hand. Er gehört sogar noch zu den Islamwissenschaftlern, die an die tatsächliche Existenz Mohammeds glauben, für die es bekanntlich keine eindeutigen Belege gibt.

  • Langsam ist auch bei uns wieder Aufklärung angesagt. Durch unsere einheitlich berichtenden Medien werden die Nutzer inzwischen mehr verklärt. Und wenn man die Menschen in der Öffentlichkeit beobachtet, gehen, sitzen und stehen sie über digitales Gerät gebeugt. Da besteht doch ganz berechtigt die Befürchtung, dass der Bildungshorizont doch bereits am Rand des Displays endet. Wie leicht ist es doch unsere westlichen Aktivitäten immer nur positiv darzustellen. Wir gehören einfach zu den Guten auf der Welt.

  • Wenn man wissen will, wie es wirklich um den Islam steht, dann sollte man das Buch von Hamed Abdel-Samad „Der islamische Faschismus“ lesen. Hardcover, Droemer HC01.04.2014, 224 S. ISBN: 978-3-426-27627-3.
    Ich zitiere einen anderen Autor: "Männlichkeit kann zwei Richtungen haben, genau wie Weiblichkeit auch. Der männliche Verstand
    kann angriffslustig, gewalttätig und zerstörerisch sein. Die Männer haben diese Seite gelebt und die
    Menschheit hat dadurch viel gelitten. Wenn Männer in diese negative Seite ihrer Männlichkeit
    gehen, dann fallen die Frauen natürlicherweise in die negative Seite der Weiblichkeit, um mit den
    Männern sein zu können. Sonst wäre der Gegensatz nicht zu überbrücken. Die Frauen werden also
    passiv, lethargisch und gleichgültig. Negative Männlichkeit kann sich nur mit negativer Weiblichkeit
    verstehen.
    Die positiven Eigenschaften von Männlichkeit: Kreativität, Initiative, Abenteuerlust
    Doch es gibt noch die positive Seite. Nichts kann nur negativ sein, alles hat auch einen positiven
    Gesichtspunkt. Die positive Seite der Männlichkeit ist Kreativität, Initiative und Abenteuerlust. Es sind
    die gleichen Attribute wie die negativen, nur in einer höheren Ebene gelebt. Der negative männliche
    Verstand wird zerstörerisch, der positive kreativ. Zerstören und Erschaffen sind zwei Aspekte einer
    einzigen Energie. Die gleiche Energie, die angriffslustig und aggressiv ist, kann zu Initiative werden.
    Dann hat Aggressivität eine ihr eigene Schönheit. Wenn Gewalttätigkeit Abenteuerlust wird, wenn
    Gewalt zu Forschergeist wird, die Kraft, Neues und Unbekanntes zu erforschen, dann ist das allen
    ungeheuer dienlich." OSHO

  • Erstaunlich, wie in dem recht seriösen HBO eifernt gehetzt wird. Auch Umweltschützer, Sozen, Grüne und Energiegesetzbefürworter sind also die Basis des islamistischen Terrors, aha ...
    Jemand schrieb vor einigen Stunden, den monotheistischen Religionen fehlt ein buddhistisches, lächelndes, nach Innen gerichtetes Fundament. Das ist richtig. Wenn man sich dazu anschaut, daß praktisch nur Männer in den Religionen über gut und richtig entscheiden, liegt anscheinend die Lösung in Richtung Friedfertigkeit und Toleranz in der Parität der Verhältnisse zwischen den Geschlechtern. Männer hauen sich schon immer gern und öfter als es jemals Frauen taten.

  • In Ihrem Artikel haben Sie alles aufgezählt, was ein Ausübungsverbot des Islam in unserem Land rechtfertigen würde.

    Stattdessen stellen sich unsere Polit-Luschen vor ihre konsternierten Bürger und verkünden, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

    Auch "Erika" Merkel hat heute wieder die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland betont.

    In einem Land, in dem das Anheben des Arms zum Deutschen Gruß bereits als Straftat verfolgt wird, kommen also unsere Politiker auf solche Ideen.

    Die NSU hat in 10 Jahren 10 Morde begangen, unsere muslimische3n Freunde, Türken und Araber schaffen das gleiche Pensum an Ehrenmorden in nur 1 Jahr (ehrenmord.de).

    In der Mainstream- und Lügen-Presse findet man darüber keine einzige Zeile.

  • " ... Wo war das Urchristentum gewalttätig?..."

    Ganz genau, man findet nicht viel im Neuen Testament. Diese Tatsache hat aber das Christentum nicht davon abgehalten Kreuzzüge zu unternehmen, mit Eisen, Pest und Cholera Indianer, Aborigines und Afrikaner zu dezi.., Entschuldigung, zu missionieren. Genau wie damals war und ist auch heute die Religion und zwar jede, ein sehr bequemes Vehikel um Menschenmassen dazu zu bewegen Machtinteressen ihrer Führer durchzusetzen. Und wenn dann den Anhängern eingebläut wird, dass sie im Recht sind und heiliges Werk tun, ja dann ist jede Gräueltat recht (siehe 3. Reich). Aus meiner Sicht ist es sinnvoller mal hinter die Kulissen des "Islamismus" zu schauen und die Interessen der Drahtzieher der IS und anderer Organisationen zu beleuchten. Eine wahre Goldgrube an interessanten Erkenntnissen die die Ereignisse heute in einem völlig anderem Licht zeigen.

  • .. aber vor gar nicht so langer Zeit haben doch einige Katholen in Bayern daran rumgetüftelt ?

  • @ weber:

    Wo kein Kläger, da kein Richter.
    Der völlig überholte §166 des StGB steht dazu - und Juristen wissen das - in ständigem Konflikt mit der Meinungsfreiheit, die von unseren höchsten Gerichten einhellig höher gewertet wird.
    Verurteilungen sind da selten bis nicht möglich, was auch richtig und gut ist.

    Dazu sind kollektive Beleidigungen im Übrigen nicht strafbar:
    alle Politiker sind dumm, etwa - oder alle Sozialisten lernen nichts dazu.
    Dennoch können sie in der Sache zutreffen.

  • Nur mal so in die Runde geworfen:
    Gibt es nicht bei uns noch den §166 des StGB ?
    Vielleicht sollten unsere großen Verteidiger der Meinungsfreiheit einmal diesen anschauen !!
    Der würde nämlich den Terroristen in der Sache sogar Recht geben.
    Zwar nicht zum töten, aber prinzipiell. Zumindest in Deutschland !!

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