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Andrew Griffith Ein Manager soll die Brexit-Angst der Unternehmen bannen

Der neue britische Premier Boris Johnson ernennt den bisherigen Sky-Finanzchef zum Berater. Er soll die verstörte Wirtschaftselite des Landes zurückgewinnen.
1 Kommentar
Der ehemalige Manager soll bei Firmen Überzeugungsarbeit leisten. Quelle: Getty Images
Andrew Griffith

Der ehemalige Manager soll bei Firmen Überzeugungsarbeit leisten.

(Foto: Getty Images)

London In weiten Teilen der britischen Wirtschaft hatte sich Großbritanniens neuer Premierminister nicht eben beliebt gemacht, als er vergangenen Herbst die Bedenken der Unternehmen vor den Folgen des Brexit mit den Worten „f*** business“ wegfegte.

Doch kaum im Amt, signalisiert Boris Johnson, dass er in Zukunft den Interessen der Wirtschaft mehr Beachtung schenken will: Noch bevor er einen einzigen Kabinettsposten vergeben hatte, benannte er als erstes seinen Wirtschaftsberater. Den Posten wird denn auch, als Signal an die Firmenwelt, ein erfahrener Geschäftsmann übernehmen, der britische Medienmanager Andrew Griffith.

Der 47-jährige soll in der Regierung für engen Austausch mit Unternehmen sorgen. Bislang hatte Griffith als Finanzvorstand und COO für den britischen Medienkonzern Sky gearbeitet. Dort wurde man offensichtlich von dessen Wechsel überrascht: Zwar bestätigte das Unternehmen, dass Griffith nicht mehr dort arbeite, eine offizielle Pressemitteilung zum Abgang des langjährigen Spitzenmanagers gab es indes nicht.

Mit der Politik liebäugelt Griffith schon lange: Bereits zweimal hatte der gebürtige Londoner selbst versucht, ein Abgeordnetenamt zu bekommen. Bei den Parlamentswahlen 2001 und 2005 war Griffith für die konservative Partei in dem kleinen Arbeiterstädtchen Corby in Mittelengland angetreten.

Schon damals ließ Griffith im Wahlkampf Sympathien für Johnsons Linie erkennen: Wie der neue Premier versprach auch er den Wählern „mehr Optimismus“ und mehr Polizei auf den Straßen. Doch Griffith unterlag damals seinem Rivalen von der Labour-Partei.

Nun soll Griffith seinen neuen Chef dabei unterstützen, die Verärgerung über seinen unflätigen Spruch vergessen zu machen und mit einem wirtschaftsfreundlicheren Kurs zu punkten. Schon in den vergangenen Wochen versprach Johnson, den Basissteuersatz und die Unternehmenssteuer zu senken, die Abgaben bei Immobilienkäufen zu reduzieren, mehr Geld für Schulen bereitzustellen, Freihäfen zu schaffen und sicherzustellen, dass sich das Glasfasernetz bis 2025 über das ganze Land spannen wird.

Würde der neue Premier all diese Maßnahmen umsetzen, dürfte das eine klare Abkehr von der jahrelangen Sparpolitik der bisherigen Regierung bedeuten. Aber dass Johnson seine Versprechen wird umsetzen können, das bezweifeln Wirtschaftsexperten.

Unternehmen bewegt zudem vor allem die Frage, zu welchen Konditionen der Brexit vollzogen wird – und bei diesem Thema hat Johnson bisher bekanntermaßen wenig Kompromissbereitschaft signalisiert: Am 31. Oktober soll Großbritannien nach Johnsons Willen aus der EU ausscheiden, „komme, was wolle“. Doch nur wenige Unternehmer teilen den Brexit-Enthusiasmus.

Vertrauen wiederherstellen

In ersten Reaktionen auf die Wahl Johnsons betonten Wirtschaftsvertreter die Notwendigkeit eines Brexit-Abkommens. Man brauche in den ersten 100 Tagen von Johnsons Amtszeit einen Deal, der das Vertrauen der Wirtschaft wiederherstelle, sagte die Chefin des britischen Unternehmerverbands CBI, Carolyn Fairbairn. Darüber hinaus wünscht sie sich „ein klares Signal, dass Großbritannien weiter Unternehmen unterstützt und eine wirklich unternehmerfreundliche Vision für unser Land“.

Griffith wird also viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die Unternehmen für Johnsons Vision zu begeistern. Stören wird das Griffith nicht, er gilt als Arbeitstier – und davon könnte neben Johnson auch das Unternehmen profitieren, bei dem Griffith im Verwaltungsrat sitzt: Der Online-Lieferdienst Just Eat. Er ordere täglich Liefergerichte, wenn die Arbeit „außer Kontrolle gerate“, sagte der zweifache Familienvater einmal.

Für sein Portemonnaie bräuchte Griffith den neuen Job nicht: Als der US-Konzern Comcast vergangenes Jahr den Medienkonzern Sky übernahm, erhielt Griffith für seine Sky-Aktien umgerechnet 19 Millionen Euro.

Einen Teil seines Geldes hatte der ehemalige Banker – nach seinem Jura-Studium in Nottingham arbeitete er bei der Rothschild Bank – wohl in Immobilien investiert, was für sein neues Amt in der Politik sicher nicht hinderlich war. Britische Medien berichten, dass Griffith ein Londoner Stadthaus im Wert von gut zehn Millionen Euro seinem neuen Chef Johnson für dessen Wahlkampf zur Verfügung gestellt hatte.

Mehr: Die Wahl von Boris Johnson sorgt auch international für Aufmerksamkeit. Kommentatoren sehen den neuen Premierminister vor einer großen Aufgabe – und zweifeln an seiner Eignung.

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1 Kommentar zu "Andrew Griffith: Ein Manager soll die Brexit-Angst der Unternehmen bannen "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Ganze spricht wirklich nicht für die Seriosität von Johnson... -_-

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