Andrew McCabe Gefeuerter Ex-FBI-Vize gab Notizen zu Gesprächen mit Trump an Sonderermittler Mueller

Mitschriften von Andrew McCabes Kontakten mit Trump sollen bei Sonderermittler Mueller liegen. Dessen Team hat den Ex-FBI-Vize offenbar auch schon befragt.
Update: 18.03.2018 - 02:55 Uhr Kommentieren

Trump feuert FBI-Vize kurz vor der Rente

WashingtonDer gerade von der US-Regierung gefeuerte ehemalige FBI-Vizedirektor Andrew McCabe hat nach Informationen der Nachrichtenagentur AP persönliche Notizen über US-Präsident Donald Trump geführt. Die Mitschriften ähnelten denen des von Trump im Mai entlassenen FBI-Direktors James Comey, erklärte am Samstag eine mit dem Vorgang vertraute Person, die nicht genannt werde wollte. Comey machte sich Notizen von Gesprächen mit Trump, die ihn nach eigener Aussage beunruhigten.

Die Gewährsperson sagte der AP, McCabes Memos enthielten unter anderem Einzelheiten zu Interaktionen mit dem Präsidenten. Laut der Nachrichtenseite Axios hat McCabe bereits mit Mitarbeitern des Teams um Sonderermittler Robert Mueller gesprochen und dabei auch die Memos übergeben. Darin soll es unter anderem auch um mindestens ein persönliches Treffen mit Trump gehen.

Wie mehrere US-Medien am Samstagabend berichteten, ging es bei dem Gespräch auch um den Rauswurf von McCabes ehemaligem Chef Comey. Mueller ermittelt zu möglichen Absprachen zwischen Russland und dem Wahlkampflager von Trump.

Justizminister Jeff Sessions teilte am späten Freitagabend (Ortszeit) mit, er habe McCabe entlassen. Dieser hätte am Sonntag offiziell in den Ruhestand gehen können.

McCabe stand lange in der Schusslinie Trumps, der feierte anschließend die Entlassung. „Andrew McCabe GEFEUERT, ein großartiger Tag für die hart arbeitenden Männer und Frauen des FBI – ein großartiger Tag für die Demokratie“, twitterte Trump. „Der scheinheilige James Comey war sein Boss und ließ McCabe wie einen Chorknaben aussehen. Er wusste alles über die Lügen und Korruption auf höchster Ebene beim FBI.“

Der Vorwurf lautet, McCabe habe einem Reporter interne Informationen verraten und später bei Befragungen darüber falsche Angaben gemacht, mehrfach auch unter Eid. So zitieren amerikanische Medien US-Justizminister Jeff Sessions, der McCabe entließ. Der Druck Trumps auf Sessions soll zuletzt erheblich gewesen sein.

McCabe, der noch am Vortag im Justizministerium in eigener Sache vorgesprochen hatte, widersprach den Vorwürfen in einer Erklärung vehement: Niemals habe er den Ermittlern etwas Falsches berichtet. McCabe erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung Trump. Dieser wolle nur seine Reputation und die des FBI-Sonderermittlers Mueller beschädigen.

Auch der ehemalige CIA-Chef John Brennan äußerte scharfe Kritik an Trump. „Wenn das gesamte Ausmaß Ihrer Bestechlichkeit, moralischen Verkommenheit und politischen Korruption bekannt wird, werden Sie Ihren rechtmäßigen Platz als blamierter Demagoge im Mülleimer der Geschichte einnehmen“, twitterte der ausgewiesene Trump-Kritiker am Samstag an den US-Präsidenten. „Sie mögen Andy McCabe zum Sündenbock machen, aber Sie werden Amerika nicht zerstören....Amerika wird über Sie triumphieren.“

McCabe war Anfang 2018 als Vizedirektor des FBI zurückgetreten, seither war er einfacher Agent der Bundespolizei. An diesem Sonntag, seinem 50. Geburtstag, sollte er in Rente gehen – im 21. Jahr beim FBI. Durch die vorzeitige Entlassung kommt er nun nicht in den vollständigen Genuss aller Rentenansprüche.

Der 49-Jährige war seit Anfang 2016 stellvertretender Direktor der Bundespolizei und diente unter Comey, den Trump im vergangenen Mai gefeuert hatte. Hintergrund waren die FBI-Ermittlungen über eine mögliche Zusammenarbeit des Trump-Wahlkampflagers mit Russland zur Beeinflussung der Wahl 2016. Nach Comeys Entlassung stand McCabe loyal zu seinem Ex-Chef, was Trumps erheblichen Unwillen erregte.

McCabe gehörte zu den ersten in den Reihen des FBI, die mögliche Verbindungen Trumps zu einer russischen Beeinflussung der Präsidentenwahl 2016 untersuchten. Der frühere FBI-Direktor hatte zudem die Aufsicht über die Ermittlungen in der E-Mail-Affäre um Trumps Gegnerin im Präsidentschaftswahlkampf, Hillary Clinton. Die Untersuchungen führten zu keiner Strafverfolgung. Trump war darüber völlig fassungslos gewesen.

Es wird vermutet, dass diese Nichtanklage Clintons einer der wesentlichen Gründe für McCabes Entlassung so kurz vor der Pensionierung war: US-Medien schrieben, dass er zu einem späten Sündenbock dafür gemacht werden sollte, dass Clinton nicht juristisch belangt wurde.

Trump und eine Reihe von Republikanern hatten McCabe über Monate immer wieder attackiert. Sie lasteten ihm Voreingenommenheit an. Im Wahlkampf 2016 war McCabe ein erklärter Lieblingsgegner von Trump, der ihn immer wieder aufs Schärfste kritisierte.

Trump hatte sich auch öffentlich immer wiederholt daran gestoßen, dass sich McCabes Frau für die Demokraten um einen Sitz im Senat des Bundesstaates Virginia beworben hatte und im Wahlkampf von der politischen Organisation eines Clinton-Freundes finanziell unterstützt worden war.

Einem Bericht der „New York Times“ zufolge erfuhr McCabe in der Nacht zum Samstag aus einer Pressemitteilung des Justizministeriums von seiner Entlassung.

  • dpa
  • ap
  • HB
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