Angriff auf Sergej Skripal Lawrow will Giftgas-Proben von London sehen – Britischer Botschafter einbestellt

Im Fall des in Großbritannien vergifteten Ex-Spions wird Russland nicht auf Mays-Ultimatum reagieren. Das kündigte Sergej Lawrow an.
Update: 13.03.2018 - 12:20 Uhr 16 Kommentare

Lawrow: „Wir haben nichts mit der Vergiftung zu tun“

Lawrow: „Wir haben nichts mit der Vergiftung zu tun“

BerlinRussland wird nicht auf das britische Ultimatum reagieren, das London im Fall des Giftangriffs auf einen russischen Ex-Spion gestellt hat. Das kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow laut „Russia Today“ an.

Russland werde demnach solange nicht auf das britische Ultimatum eingehen, bis ihnen Proben zu den angeblichen chemischen Waffen vorlägen. Russland habe zwar offziell Zugang zu allen Materialien im Fall-Skripal beantragt, London habe das allerdings abgelehnt.

Dies bezeichnete Lawrow als Verstoß gegen die Chemiewaffenkonvention, die die Herstellung solcher Waffen verbietet. Nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen bestellte das Außenministerium den britischen Botschafter in Moskau wegen des Falls ein.

Eine Beteiligung Russlands am Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal wies Lawrow erneut strikt zurück. „Wir haben schon eine Erklärung abgegeben, dass das alles Quatsch ist. Wir haben damit nichts zu tun“, sagte Lawrow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. „Russland ist nicht schuldig.“

Die britische Premierministerin Theresa May hat am Dienstag eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats einberufen. Dort werden die neuesten Informationen zu dem mysteriösen Fall präsentiert. Das sogenannte Cobra-Komitee beschäftigt sich auch mit möglichen Konsequenzen in dem mysteriösen Fall. Das Treffen beginnt um 12 Uhr (MEZ), wie eine Regierungssprecherin der Deutschen Presse-Agentur in London bestätigt.

Zuvor hatte die Europäische Union Großbritannien im schwellenden Konflikt zwischen London und Moskau Unterstützung zugesagt. „Wir sind sehr besorgt wegen der Situation, auch wegen der Erkenntnisse, die Großbritannien bislang hat“, sagte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis am Dienstag in Brüssel. „Natürlich kann Großbritannien diesbezüglich auf die Solidarität der EU zählen.“

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, betonte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Großbritannien hat Anspruch auf die Solidarität seiner engen Partner und Freunde.“

Der CDU-Politiker fordert den Schulterschluss der EU-Partner mit Großbritannien und ein entschiedeneres Vorgehen gegen dubiose russische Investitionen in der EU. „Dieser Vorfall sollte gerade für Großbritannien Anlass sein, die bisherige Offenheit gegenüber russischem Großkapital dubioser Herkunft zu überprüfen.“

Auf die Frage, an welche Sanktionen er denke, verwies Röttgen darauf, dass sich in Russland zunehmend die Grenzen zwischen staatlicher Ebene, Sicherheitsapparaten und organisierter Kriminalität verwischten. Gegenmaßnahmen sollten deshalb diese Kreise treffen.

„Das Vorgehen der britischen Regierung ist rational. Der Fund eines russischen militärischen Kampfstoffes führt dazu, dass Russland die Kooperation bei der Aufklärung nicht verweigern kann“, sagte Röttgen. „Kooperiert Russland nicht, muss es gemeinsame westliche Antworten geben.“ Wie die BBC unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Ifax berichtet, soll der russische Außenminister die Vorwürfe als „Zirkusshow“ abgetan haben.

Zuvor hatte die britische Premierministerin Theresa May erklärt, Russland sei „sehr wahrscheinlich“ für die Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal und dessen Tochter Julia verantwortlich. Auch US-Außenminister Rex Tillerson beschuldigte Russland.

Nötig sei aber auch hier eine gemeinsame Aktion des Westens. Denn den Verdacht der russischen Geldwäsche in großem Umfang gebe es auch in anderen europäischen Städten. „Die Europäer haben dabei viel zu lange tatenlos zugeschaut.“

Zurückhaltend zeigte sich Röttgen dagegen gegenüber Forderungen, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in diesem Jahr zu boykottieren. „Ich finde, dass man Sport so weit wie möglich aus Sanktionen heraushalten sollte.“

Die von der EU im Ukraine-Konflikt gegen Russland verhängten Sanktionen werden um weitere sechs Monate verlängert.

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16 Kommentare zu "Angriff auf Sergej Skripal: Lawrow will Giftgas-Proben von London sehen – Britischer Botschafter einbestellt"

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  • Herr Arnd Stricker,

    wenn es um verspieltes Vertrauen geht, dann spielen mindestens die USA, GB usw. in der gleichen Liga. Einfachstes und nicht widerlegbares Beispiel: Die konstruierten Gründe für den Irak-Krieg und den bis jetzt daraus resultierenden Folgen.

    Das als Maßstab genommen, erscheint mir Russland fast als Waisenknabe.

    Dann haben wir noch unser elitäres Polit"Pack". Heute so, morgen genau das Gegenteil und von dem, was in der Vergangenheit als "Wahrheiten" und "Versprechen" dem Volk verkündet wurde, verbietet es jedem, der nicht nur über ein Kurzzeit-Gedächtnis verfügt, jemals auch nur einem dieser Figuren zu vertrauen.

    Übrigens - besten Dank für das Stichwort "Vertrauen".

  • Wenn uns die Geschichte und die Gegenwart irgend etwas lehrt, dann ist es, dass der Westen IMMER lügt. Den Briten und den Amerikanern kann man nicht glauben. Die Achse des Bösen (die Amerikaner und Briten) können jetzt so laut bellen wie sie wollen, der Russe wird mit seinen Überschall Raketen jede Bedrohung erfolgreich abwehren. Und wir sind natürlich als Ami Lakaien dazwischen und werden als erste verrecken, wenn irgendein Verrückter eine Fehleinschätzung

  • Vielleicht hat Herr Lawrow Recht. Das Problem jedoch bleibt, dass Russland in der Vergangenheit nachweislich gelogen hat (z.B. mit den grünen Männchen auf der Krim), dass das Vertrauen in diese Aussagen äußerst gering sind. Das ist das Problem mit Vertrauen, wenn es einmal weg ist, ist es wahnsinnig schwer, es wieder zu erlangen

  • Wieder mal der Röttgen. Normal hat nicht geklappt, also wird es als Scharfmacher versucht. Russland will doch kooperieren, aber wenn sie nicht nachvollziehen können, wessen sie beschuldigt werden, sie also keine Materialproben bekommen, geht natürlich nichts. Bei der Weigerung könnte man ja fast vermuten, es handelt sich um einen neuen, geheimen Wirkstoff aus westlichen Giftküchen, welchen die Russen nicht analysieren können sollen. Das ist natürlich hoch spekulativ und sicher überhaupt nicht wahr.

  • @Bihari Sharan
    "von innenpolitischen Problemen ablenken" - es wird schon genug "abgelenkt" machen Sie doch mal die Augen auf, wir sind in einem neuen kalten Krieg seit 2014 und im russischen Fernsehen läuft der heiße Krieg seit paar Jahren, glauben Sie mir dieser Mord ist innenpolitisch nicht gut für die Regierung in Russland.
    "Verräter exekutieren zur Einschüchterung" - nicht klar wie das gegen Verrat einschüchtern kann, niemand will für Mörder arbeiten, deswegen sind so viele in der Sowjetzeit auch übergelaufen weil so viel eingeschüchtert wurde.
    außerdem, warum glauben Sie die Briten arbeiten in Samthandschuhen, schließlich werden die Leute auch für etwas bezahlt, nicht?

  • Da wird der Herr Lawrow lange warten können auf die Gasproben, wenn der Zirkus mit den
    Gasmasken und den Männchen im Schutzanzug vorbei ist, werden sie feststellen, daß es keine Proben gibt, weil sie nicht gefunden haben. Die Russen werden das wissen und vorab schon mal das Totlachen üben.

  • "wieso sollte man diesen Mann dann vergiften?"

    Einmal "Verräter", immer "Verräter".

    Jeder Geheimagent in Diensten des russischen Geheimdienstes wird sich genau überlegen, attraktiven Abwerbversuchen zu erliegen - jedenfalls wird das eine Wirkung dieses Mordanschlags sein. Dies unabhängig davon, was die tatsächlichen Hintergründe sind und wer die Auftraggeber waren. Hat Putin ein Problem mit seinem Geheimdienst?

    Wer die russische Seele besser kennt, wird beurteilen können, ob es hilfreich ist für Putins Wiederwahl mit solch einem Konflikt von innenpolitischen Problemen abzulenken.
    ---
    Seine "Brüder" und Schwestern in der Ostukraine verheizt er für seine "strategischen" Machtinteressen, dadurch dass er den Konflikt dort am Köcheln hält, hat sie nach großmundigen Unterstützungsversprechen fallen gelassen.
    Dies zeigt exemplarisch, dass er zur Durchsetzung seiner "Interessen" vor kaum etwas zurückschreckt. Damit gehört auch ein Giftgasanschlag zu seinem Instrumentenkasten.
    ---
    Bzgl. Vorverurteilung ist dem Kommentar von Herrn Koeh nur zustimmen.

  • Man sollte Sergej Lawrow die Giftproben zur Verfügung stellen, mit ihm kooperativ ermitteln und dann ein Endergebnis bekannt geben.
    Eine Vorverurteilung Russlands nützt nur irgendwelchen Spaltkräften. Es wäre schon nicht schön für unsere englischen Freunde, wenn wir, die EU, nach dem Brexit neue Freunde in Russland fänden - oder May? Wie sehen Sie das?
    Russland wäre der ideale Partner für die EU, hat Rohstoffe, wir Technologie. Was hat Britannien? außer Geld?


  • @ Trolls der AgitProp-Agentur Concord, RU-St. Petersburg

    Wem der Mord etwas nÜtzt?

    Dem russischen Geheimdienst.
    Der damit alle potentiellen Überläufer warnt:
    "Wir kriegen Euch. Auch nach einem Austausch!".

  • Für mich übliches Russland Bashing

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