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Anschläge nach Saddams Festnahme Gewalt im Irak reißt nicht ab

Auch nach der Festnahme des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein geht es mit der Gewalt im Irak weiter.

HB BAGDAD. Bei zwei Selbstmordanschlägen vor Polizeiwachen starben am Montag neun Iraker, mehr als 20 wurden verletzt. Mitglieder der irakischen Übergangsregierung bekräftigten trotzdem ihre Hoffnung, dass die Festnahme des 66-Jährigen ein Wendepunkt für die Sicherheitslage im Land sein werde. Über Saddams Aufenthaltsort gab es widersprüchliche Angaben.

Nach Berichten von US-Medien bestritt er in einem ersten Verhör Vorwürfe, der Irak habe unter seiner Führung Massenvernichtungswaffen besessen. Die Finanzmärkte reagierten weltweit mit Erleichterung auf die Festnahme, die am Sonntag bekannt geworden war. Die Aktienkurse und der Dollar zunächst zogen an, Öl und Gold verbilligten sich. Experten erwarteten jedoch, dass die Kursreaktionen nur kurzfristig sind.

In der Ortschaft Husseinijah nördlich von Bagdad sprengte sich ein Mann in einem Auto vor einer Wache in die Luft, nach Polizeiangaben kamen sieben Polizisten ums Leben. Eine halbe Stunde später explodierte eine zweite Autobombe vor einer Polizeiwache in Bagdad. Der Attentäter starb, mindestens zwölf Menschen wurden verletzt. „Plötzlich kam ein Auto sehr schnell angerauscht. Wir schrien und versuchten, ihn zu stoppen, aber er sprengte das Fahrzeug in die Luft“, berichtete ein Augenzeuge. Kurze Zeit später entschärften Sprengstoffexperten eine weitere Autobombe, die in der Umgebung gefunden worden war.

US-Präsident George W. Bush hatte am Sonntag gewarnt, die Festnahme Saddams bedeute kein Ende der fast täglichen Anschläge in dem Golf-Staat. Auch ein US-Militärsprecher im Irak erklärte, Saddam habe die Anschläge im Irak wohl nicht koordiniert. Dagegen sagte Iraks Öl-Minister Ibrahim Bahr el Ulum der Nachrichtenagentur Reuters am Montag: „Wir erwarten, dass seine Festnahme allgemein die Zahl der Anschläge verringern wird.“ In Saddams Heimatstadt Tikrit versammelten sich einige Anhänger des Ex-Präsidenten zu Protestaktionen, die aber von US-Soldaten mit Schlagstöcken aufgelöst wurden.

Das US-Militär gab am Montag weitere Einzelheiten von Saddams Festnahme bekannt. Ein Militärsprecher sagte, der entmachtete Präsident habe die Soldaten auf Englisch mit den Worten empfangen: „Ich bin Saddam Hussein, ich bin der Präsident des Irak und ich bin bereit zu Verhandlungen.“ Die Soldaten hätten erwidert: „Präsident Bush lässt schön grüßen.“ Der leitende Offizier der Brigarde, Oberst James Hickey, sagte, Saddam habe gerade noch rechtzeitig auf sich aufmerksam gemacht. Die Soldaten seien kurz davor gewesen, sein Versteck in einem Erdloch „auf eine militärische Art und Weise“ - mit einer Handgranate - zu räumen. „Es war klug von ihm, nicht zu lange zu warten“, sagte Hickey. Er sagte weiter, Saddam sei von einem Mitglied einer wichtigen Familie in Tikrit verraten worden, das „einen großen Bauchumfang“ habe. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Wohin Saddam gebracht wurde, gaben die USA nicht bekannt. „Wir kommentieren die Verlegung Gefangener aus Sicherheitsgründen nicht“, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Der US-Sender CNN berichtete, Saddam sei nach Katar gebracht worden, wo die USA einen Militärstützpunkt unterhalten. Dem widersprach Muwafak el Rubaije vom irakischen Regierenden Rat im arabischen Fernsehen. „Saddam ist immer noch im Irak“, sagte er. „Saddam wird vor ein faires irakisches Gericht in Bagdad gestellt.“

Der Iran forderte dagegen einen Prozess vor einem internationalen Gericht. Es werde eine entsprechende Anklage wegen des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 vorbereitet, sagte ein Sprecher des iranischen Regierung. Etwa 300 000 Iraner waren bei dem von Saddam begonnenen Krieg getötet worden, davon Tausende durch Giftgas. Ein internationales Verfahren galt jedoch als unwahrscheinlich. Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag kann nur Fälle anhören, die sich auf Ereignisse seit seiner Gründung 2002 beziehen und wird ohnehin weder von den USA, dem Irak noch dem Iran anerkannt. Großbritannien kündigte an, es werde an keinem Gerichtsverfahren teilnehmen, das die Todesstrafe vorsieht.

Die Magazine „Time“ und „Newsweek“ berichteten übereinstimmend, Saddam sei nach seiner Festnahme zum Verhör in eine Zelle am Flughafen von Bagdad gebracht worden. Nach „Time“- Informationen hat er dabei bestritten, dass seine Regierung Massenvernichtungswaffen besaß. „Nein, natürlich nicht. Die USA haben sie sich ausgedacht, um einen Grund zu haben, Krieg gegen uns zu führen“, sagte Saddam dem Bericht zufolge. Die Existenz solcher Waffen konnte bislang nicht bewiesen werden. Sie waren von den USA und ihrem engsten verbündeten Großbritannien als ein Hauptgrund für den Krieg gegen den Irak angeführt wurden.

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