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Anschläge von Istanbul Deutsche Firmen verstärken Sicherheitsvorkehrungen

Deutsche Unternehmen mit Produktionsstätten in der Türkei haben nach den neuen Bombenanschlägen in Istanbul mit mehr als zwei Dutzend Todesopfern ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Nach eigenen Angaben vom Freitag werden Firmen wie Siemens oder Metro den Schutz für ihre Mitarbeiter und Gebäude umfassend erhöhen.

HB FRANKFURT. Auch der Münchener Nutzfahrzeughersteller und Maschinenbauer MAN kontrolliert nach Aussage eines Sprechers vor Ort wachsam sein Terrain. Dagegen haben Firmen, die hauptsächlich über Vertriebsbüros in der Türkei präsent sind, keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen, signalisierten in einer Reuters-Umfrage aber erhöhte Aufmerksamkeit.

„Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen in der Türkei deutlich verschärft“, sagte ein Siemens-Sprecher. Der Münchener Konzern hat in der Handelsmetropole Istanbul sein türkisches Hauptquartier und einige Produktionsstätten. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Umsatz der türkischen Aktivitäten 738 Millionen Euro erreicht. Mit seinen Gesellschaften und Beteiligungen beschäftigt der Konzern vor Ort 6500 Menschen.

Auch die Metro AG hat einem Sprecher zufolge ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und zusätzliche Wachmänner vor und in den Märkten postiert. Der Handelsriese unterhält in dem Land neun Großhandelsmärkte (Cash&Carry) und je sieben Praktiker-Bauläden sowie Märkte der Einzelhandelskette Real. Im vergangenen Jahr kam Metro in der Türkei auf einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro - rund ein Prozent des Konzernumsatzes.

Die Einrichtungen der Münchener MAN seien bereits vor den Anschlägen von einer privaten Sicherheitsfirma bewacht worden, sagte ein Sprecher. „Das steht aber jetzt alles unter erhöhter Beobachtung.“ So würden etwa Lieferfahrzeuge strenger kontrolliert. Alleine in Ankara hat MAN den Angaben zufolge rund 2100 Beschäftigte, in Istanbul gibt es ein Vertriebsbüro.

Beim Konsumgüterhersteller Henkel mit 500 Beschäftigten in der Türkei werde hingegen derzeit kein Gefährdungspotenzial in dem Land gesehen, sagte ein Sprecher. Die Mitarbeiter in der Türkei stünden aber in engem Kontakt zu den Behörden. Aufgrund der in der Chemieproduktion ohnehin prinzipiell hohen Sicherheitsstandards hat auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF nach eigener Darstellung bislang keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen in der Region ergriffen. Auch der Wiesbadener Mischkonzern Linde habe die Sicherheitsvorkehrungen bislang nicht erhöht, sagte ein Sprecher. „Wir sind in diesem Raum seit Jahrzehnten vertreten, und die politische Lage ist da auch seit Jahrzehnten labil.“ In der Region gebe es zudem auch keine Produktionsstätten.

Für Autohersteller wie die Münchener BMW AG ist die Türkei ohnehin ein relativ kleiner Markt. „Wir haben in der Türkei lediglich einen Importeur“, sagte ein Sprecher. Mit Blick auf das weitere Geschäft nach den Anschlägen sagte er: „Es ist klar, dass das zu einer Kaufzurückhaltung führen kann.“ Noch sei es aber zu früh, um mögliche Auswirkungen zu beziffern. Eine generelle Kaufzurückhaltung in Folge der jüngsten Anschläge erkennt BMW derzeit jedenfalls nicht. Im vergangenen Jahr hat BMW in der Türkei nur rund 3000 Fahrzeuge verkauft.

Die Reisekonzerne teilten am Tag nach den Anschlägen unterdessen mit, dass es bislang kaum Umbuchungswünsche für Türkei-Reisen gebe. „Die Reaktion unserer Gäste kann man insgesamt als sehr ruhig und besonnen bezeichnen“, sagte ein Sprecher des größten europäischen Reisekonzerns TUI in Hannover. Allerdings bleiben Branchenexperten skeptisch und rechnen für den nächsten Sommerurlaub mit möglichen Einbußen im Türkei-Geschäft der Touristikindustrie. Dies müsse sich aber nicht in generellem Reiseverzicht niederschlagen, sondern werde wahrscheinlich Urlaubszielen im westlichen Mittelmeer wie Spanien zu Gute kommen, erklärten Touristikanalysten am Freitag.

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