Anschlag auf Ex-Spion US-Außenminister Tillerson unterstützt May – Druck auf Russland nach Gift-Attacke wächst

Theresa May glaubt, dass Russland für den Giftanschlag auf einen Ex-Agenten verantwortlich ist – die USA schließen sich der Vermutung an. Die Nato ist besorgt.
Update: 13.03.2018 - 04:38 Uhr 4 Kommentare

Giftattacke auf Ex-Spion – Anschlag auf Moskaus Befehl?

Washington US-Außenminister Rex Tillerson hat sich der Schlussfolgerung der britischen Regierung angeschlossen, wonach Russland für den Giftanschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten in England verantwortlich ist. „Wir haben volles Vertrauen in die Untersuchungen des Vereinigten Königreiches und seine Bewertung“, wurde Tillerson in der Nacht zu Dienstag in einer Mitteilung seines Ministeriums in Washington zitiert.

Tillerson erklärte: „Wir stimmen überein, dass die Verantwortlichen – die das Verbrechen begangen und die es angeordnet haben – geeignete ernste Konsequenzen zu erwarten haben.“

Tillerson sagte, es könne für eine solche Attacke, die versuchte Ermordung eines Privatbürgers auf dem Boden einer souveränen Nation, keinerlei Rechtfertigung geben. „Wir sind schockiert, dass Russland sich erneut in derlei Verhalten engagiert zu haben scheint“, fügte er hinzu. „Russland bleibt von der Ukraine über Syrien und nun Großbritannien eine unverantwortliche Kraft der Instabilität in der Welt, die mit offener Verachtung der Souveränität anderer Staaten und dem Leben derer Bürger agiert“, so Tillerson.

Kurz zuvor hatte das Weiße Haus es noch abgelehnt, sich dieser Lesart anzuschließen. US-Präsident Donald Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte am Montag auch auf mehrfache Nachfragen lediglich, die USA stünden an der Seite ihres Alliierten und verurteilten den Anschlag.

Auch die Nato hat sich zu dem Fall zu Wort gemeldet. „Das Vereinigte Königreich ist ein hochgeschätzter Bündnispartner, und dieser Vorfall macht der Nato große Sorge“, heißt es in einer Mitteilung von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in der Nacht zu Dienstag. Die Nato sei mit den britischen Behörden wegen dieser Angelegenheit in Kontakt. „Der Einsatz von jeglichem Nervengas ist grauenhaft und vollkommen inakzeptabel.“

In einem Telefonat mit seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson sagte er, Russland mache ihm „extrem Sorgen“. Im ersten Jahr der US-Regierung von Präsident Donald Trump sei versucht worden, die Differenzen mit dem Kreml zu beheben. Die USA seien aber „nicht sehr weit“ gekommen - stattdessen sei Russland aggressiver geworden, ohne dass Washington die Ziele dahinter verständlich seien.

Skripal (66) und Tochter Julia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Zuge des Giftanschlags im Krankenhaus behandelt werden.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Montag erklärt, Russland sei „höchstwahrscheinlich“ für die Vergiftung von Sergej Skripal und dessen Tochter Julia verantwortlich. Entweder sei Moskau bei der Attacke federführend gewesen oder habe zugelassen, dass das Gift in andere Hände gelangt sei. Russlands Militär habe des Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte in den 1970er- und -80er Jahren entwickelt.

May setzte Russland ein Ultimatum, sich bis Dienstagabend zu dem Nervengift-Einsatz zu erklären. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums wies die Anschuldigungen zurück. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte nach Angaben eines BBC-Reporters vor Mays Ultimatum gesagt, Großbritannien müsse dem Vorfall erst auf den Grund gehen. „Dann werden wir darüber sprechen.“

Das russische Außenministerium sprach von einer „Zirkusnummer“ im britischen Parlament. „Das Schluss ist klar - es ist eine reguläre informationspolitische Kampagne, basierend auf Provokationen“, wurde Außenamtssprecherin Maria Sacharowa von der Agentur Tass zitiert.

Ein „absolutes Hirngespinst“ nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Großbritannien. „Die Position Londons bei der Ermittlung nach der Vergiftung Skripals spiegelt die jüngsten westlichen Trends: keine Beweise, aber für alles ist Russland schuldig.“ Als Grund für das Verhalten Londons wollte Sluzki nach russischen Medienberichten eine mögliche Beeinflussung der Präsidentenwahl nicht ausschließen.

Für den früheren Geheimdienstchef Nikolai Kowaljow gehören derartige Anschläge im Auftrag einer Regierung zur Vergangenheit. Den letzten derartigen Auftragsmord habe es 1940 gegeben, als der bei Stalin in Ungnade gefallene Leo Trotzki im mexikanischen Exil mit einem Eispickel getötet wurde. „Seitdem hat es nichts Ähnliches gegeben“, sagte der frühere Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.

May erörterte die Situation am späten Abend mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Dabei sei „das breite Muster aggressiven russischen Verhaltens“ angesprochen worden, auf das gemeinsam mit den Verbündeten geantwortet werden solle, sagte ein Sprecher der Downing Street.

Fraglich ist, welche Sanktionen London in Erwägung zieht. Britische Medien halten zum Beispiel die Ausweisung von Diplomaten und finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin für denkbar. May hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM im Sommer zu schicken.

  • dpa
  • ap
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4 Kommentare zu "Anschlag auf Ex-Spion: US-Außenminister Tillerson unterstützt May – Druck auf Russland nach Gift-Attacke wächst"

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  • Schon erstaunlich, dass sich so ein Typ wie Röttgen, der ja immerhin ein gewählter Vertreter des Rechtstaates in Deutschland sein soll, sich hinstellt, einfach den Beschuldigten auffordert, seine Unschuld zu beweisen.

    Und das, obwohl er nicht die Vertretung der Anklage ist.

  • False Flag?

    M.M.n. handelt es sich um eine konzertierte Aktion USA/EU/NATO.
    Warum in aller Welt sollte RUSSLAND/PUTIN der Leibhaftige so meschugge sein und
    besonders jetzt vor der Wahl in Russland und der Fussball-WM und dem nahen
    Sieg im Stellvertreter-Krieg in Syrien so etwas wie diesen Giftanschlag zu
    veranstalten?
    Man lese ggf. in Wikipedia, wie und warum false flags und vor allem, von wem sie iniziert werden
    um andere missliebige Staaten zu verunglimpfen.
    Wem also nutzt es? Russland bestimmt nicht.

  • ohne beweisen kann man nicht beschuldigen ist zu einfach

  • Was ist ein Kommentar der Amis wert? Wer nimmt das Land denn noch ernst?
    Nur die unverbesserlichen Amikriecher. Die Hollywood Show die uns jeden Tag präsentiert
    Wird ist eine Schande.

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