Anthony Scaramucci Trumps kurzzeitiger Kommunikationschef räumt Fehlverhalten ein

Zehn Tage war Scaramucci Kommunikationschef des Weißen Hauses. Nun ist er zurück an der Spitze seines Hedgefonds und plaudert über seinen Kurztrip in die Politik.
  • Julian Schwerdt
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„Ich habe in meinem Leben fünf Telefonbücher voller Fehler gemacht und vielleicht drei davon im Weißen Haus.“ Quelle: Reuters
Anthony Scaramucci

„Ich habe in meinem Leben fünf Telefonbücher voller Fehler gemacht und vielleicht drei davon im Weißen Haus.“

(Foto: Reuters)

New YorkDer Anzug sitzt perfekt, die Haare geföhnt, der glitzernde USA-Anstecker heftet am Revers. Anthony Scaramucci ist bereit. Gut gelaunt plaudert der Hedgefondsmanager mit ausländischen Journalisten über seine Zeit im Weißen Haus und welche Schlüsse er daraus gezogen hat.

Sicher, er hat Fehler gemacht. „Ich habe in meinem Leben fünf Telefonbücher voller Fehler gemacht und vielleicht drei davon im Weißen Haus“, räumte er ein, doch gibt sich gewohnt kämpferisch. „Ich hätte vermutlich nicht mit einer Kettensäge und einer Eishockey-Maske nach Washington gehen sollen.“

Knapp ein Jahr ist es jetzt her, dass der Hedgefonds-Manager aus New York ins politische Washington zog, um Kommunikationschef von US-Präsident Donald Trump zu werden. Nur zehn Tage war er im Amt, dann musste er gehen. Kein anderer war kürzer auf diesem Posten.

Auslöser waren seine unflätigen Beschimpfungen gegen Trumps damaligen Stabschef Reince Priebus und Chefstrategen Steve Bannon, die er gegenüber einem Reporter des Magazins „The New Yorker“ gemacht hatte. Auch Scaramuccis Nachfolgerin Hope Hicks gab den Job schließlich auf, der Posten ist derzeit unbesetzt. Trumps Sprecherin ist Sarah Sanders.

Ob er es gut findet, wie sein ehemaliger Chef mit der Presse umgeht? Nein, sagt Scaramucci. Er findet aber auch, dass man auf beiden Seiten fair miteinander umgehen soll. Scaramucci ist sich sicher, dass Trump keine dünne Haut habe. Er schlage aber zurück, wenn er angegriffen werde. „Der Präsident handelt so, weil er denkt, damit seine Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen und wiedergewählt zu werden“, erklärt er.

Scaramucci genießt das Rampenlicht

Generell sei Washington ein Ort, wo sich Macht konzentriere. Viele Menschen würden dort gerissen handeln und sich gegenseitig über den Tisch ziehen. Er selbst sei dort nur per Zufall hingekommen; wollte eigentlich keine politische Persönlichkeit werden. Er machte vorher sein Ding und wird es auch weiterhin so handhaben. „Das Gute daran, kein Politiker zu sein? Man kann die Wahrheit sagen.“

Scaramucci, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, ist heute Multimillionär. Er arbeitete in den 90er-Jahren für die Investmentbank Goldman Sachs und gründete später den Hedgefonds Skybridge Capital. Eigentlich wollte er ihn an den chinesischen Investor HNA verkaufen, der auch gut sieben Prozent an der Deutschen Bank hält.

Doch das Vorhaben war kompliziert und wurde nach dem abrupten Ende von Scaramuccis politischer Karriere wieder abgeblasen. Seit ein paar Wochen ist er nun zurück bei Skybridge und plant – immerhin – ein Joint Venture mit HNA und eine große Asien-Initiative.

Künftig will er sich wieder aufs Geschäft konzentrieren. Doch er genießt das Rampenlicht, solange er kann. Erst vergangene Woche war er zu Gast bei Late-Night-Talker Stephen Colbert. Politische Ambitionen hat er jedoch keine mehr. „Wenn mich Leute nach meiner Meinung fragen, sage ich sie. Wenn nicht, bleibe ich zu Hause. Das ist auch okay“, lacht er in die Runde.

Gräuel? Habe er keine. Trump sei mehr CEO als Politiker. Er feuert, wenn die Personalie nicht passt. Das ist eben so. Trumps Politik findet er trotzdem gut und ist auch weiterhin mit der Familie verbunden. Seit seinem Rauswurf habe er rund 15 Mal mit dem Präsidenten direkten Kontakt gehabt.

Mit Material von DPA

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