Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Anti-Europa-Parteien Von hoffähig bis unauffällig

Seite 5 von 6:
Frankreich: Gefahr geht von Extremisten aus
Marine Le Pen hat die Front National von ihrem Vater übernommen. Quelle: Reuters

Marine Le Pen hat die Front National von ihrem Vater übernommen.

(Foto: Reuters)

In Frankreich wird der europafeindliche Populismus gleich aus zwei Ecken bedient, von ganz rechts und von ganz links. Auf der Rechten ist die Front National aktiv, die sich als Zusammenschluss fremdenfeindlicher, nationalistischer Gruppen gebildet hat. Der langjährige Vorsitzende Jean-Marie Le Pen hat die Front an seine Tochter Marine vererbt, die wesentlich geschickter auftritt als ihr Vater. Ihr Einfluss ist erschreckend groß: Ein Drittel der Franzosen sympathisiert laut einer Umfrage vom Februar mit ihren Thesen. Zum ersten Mal ist die Anhängerschaft der Rechtsextremen nach einer Wahl nicht zurückgegangen, sondern noch gestiegen. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl erreichte Le Pen mit 18 Prozent der Stimmen ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Unter Marine Le Pen tritt neben die Fremdenfeindlichkeit nun auch die Verfemung Europas als zentrales Propaganda-Element. Die Front macht die EU zum Sinnbild der Globalisierung, die zum Verlust von Arbeitsplätzen und Entscheidungsfreiheit in Frankreich führe. Sie wettert gegen offene Grenzen und stabile Geldpolitik. „Der Euro ist schuld daran, dass wir nicht wirksam gegen die hohe Verschuldung vorgehen können – früher konnte die Banque de France Geld drucken und den Staat finanzieren, heute darf sie das nicht mehr“, sagte Le Pen kürzlich in einer dreistündigen Fernsehdebatte, die allein ihr gewidmet war.


Wie bei allen populistischen Parteien sind die Rezepte der Front äußerst primitiv: Frankreich solle einfach keinen Nettobeitrag mehr zum EU-Haushalt leisten, seinen Markt durch Schutzzölle gegen fremde Konkurrenz absichern und sich nicht mehr an die Euro-Disziplin halten. In politischen Diskussionen bricht Le Pen mit diesen Thesen regelmäßig ein, doch in der Öffentlichkeit kommt sie damit gut an.

Das liegt auch daran, dass der Übergang zur extremen Linken gleitend ist. Auch die wettert gegen die EU und gegen den Euro. Der Vorsitzende der Front de Gauche Jean-Luc Mélenchon macht ebenfalls EU und Euro für den wirtschaftlichen Niedergang Frankreichs verantwortlich. Seine Lösung für das Problem der hohen Verschuldung ist ebenso hanebüchen wie bei Le Pen: Frankreich solle „nur noch die Schulden bedienen, die es tragen könne und wolle“ und den Rest nicht mehr bezahlen. Auch Mélenchon schmeichelt den Franzosen: Das Land und seine Unternehmen seien eigentlich gesund, nur die Banken und in deren Auftrag die EU quetschten Frankreich aus und schwächten die Wirtschaft. Mélenchons Linksfront und die Kommunisten wollen alle Unternehmen verstaatlichen, die nicht mehr rentabel sind und fordern wie die Rechtsextremen, aus dem internationalen Wettbewerb auszusteigen.

Gefahr geht von den Extremen nicht nur aus, weil sie gemeinsam ein Drittel der Wähler vertreten. Mit ihren Verschwörungstheorien und einfachen Rezepten finden sie auch Sympathisanten in den gemäßigten Parteien, sowohl bei den Sozialisten wie bei den Konservativen. Das gilt vor allem für das Thema nationale Souveränität, die man von der EU zurückerobern müsse. Und sogar Nicolas Sarkozy war zum Kniefall vor der Front National bereit, als er im Wahlkampf 2012 damit drohte, die offenen Grenzen des Schengen-Abkommens nicht mehr zu respektieren. (Thomas Hanke)

Österreich: „Team Stronach“ gilt als neue Protestpartei
Seite 123456Alles auf einer Seite anzeigen

7 Kommentare zu "Anti-Europa-Parteien: Von hoffähig bis unauffällig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die FPÖ und Stronach sind nur EU-kritisch, mehr nicht.
    Die EU-Austrittspartei ist die einzige Partei Österreichs, die den EU-Austritt Österreichs zum Ziel hat.
    Die EU-Austrittspartei wird bei der nächsten Nationalratswahl antreten.

  • Dr. Leineweber war bei der Alternative in Deutschland in Oberursel. Eine hochkarätige Parteispitze mit Räpresentanten, da kann sich Steinbrück nur noch verstecken. Lucke als Bannerträger ist so überzeugend, dass er die Wechselwähler mobilisieren sollte. Detaillierte Berichte zu Oberursel auf fortunanetz. Jetzt wird sich zeigen, dass das Aussitzen von Merkel der falsche Manangement-Ansatz war.

  • Populistische Parteien?
    Es fällt auf, wie oft und in welchem Zusammenhang in diesem Artikel von populistischen Parteien gesprochen wurde.
    Der / die ArtikelschreiberIn sollte mal googlen nach "populistisch".
    Bsp. Wikipedia:
    Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik....
    Und wenn mann dann noch vergleicht, mit welch blumigen Worten und Versprechungen die nach Ansicht der Artikelschreiber nicht "populistisch" und damit anscheinend seriösen Parteien diesem Volk damals den Euro (ohne Volksabstimmung!) aufs Auge gedrückt haben...

  • Nigel Farage erklärt die Hintergründe der Entwicklung:

    http://www.youtube.com/watch?v=5LbYgAzCnL8

  • Diese einseitige Berichterstattung sollte den Herausgebern peinlich sein. Es fängt damit an, die AfD als Anti-Euro-Partei in ein negatives Licht zu rücken. Wie wäre es mit der Wahrheit: Pro-Stabile-Währung-Partei.
    Auch ist es keine rechte Truppe, wie der Artikel zu suggerieren versucht. Vielmehr ist es eine Partei, die den ordnungspolitischen Grundsätzen folgt, die an deutschen Hochschulen seit 70 Jahren gelehrt werden.
    Was machen denn die Anti-Stabile-Währungs-Fanatiker, die sie so freundlich Euro-Retter nennen? Sie pumpen aberwitzige Milliardenbeträge in marode und reformunwillige Staaten, die das Geld gleich weiterverteilen. Was bisher all die Retter nicht gemacht haben, ist eine Strukturreform des fragilen Währungsraumes. Warum berichtet das Handelsblatt nicht über diesen Teil der Geschichte?

  • Diese einseitige Berichterstattung sollte den Herausgebern peinlich sein. Es fängt damit an, die AfD als Anti-Euro-Partei in ein negatives Licht zu rücken. Wie wäre es mit der Wahrheit: Pro-Stabile-Währung-Partei.
    Auch ist es keine rechte Truppe, wie der Artikel zu suggerieren versucht. Vielmehr ist es eine Partei, die den ordnungspolitischen Grundsätzen folgt, die an deutschen Hochschulen seit 70 Jahren gelehrt werden.
    Was machen denn die Anti-Stabile-Währungs-Fanatiker, die sie so freundlich Euro-Retter nennen? Sie pumpen aberwitzige Milliardenbeträge in marode und reformunwillige Staaten, die das Geld gleich weiterverteilen. Was bisher all die Retter nicht gemacht haben, ist eine Strukturreform des fragilen Währungsraumes. Warum berichtet das Handelsblatt nicht über diesen Teil der Geschichte?

  • Was ist das "Fremdenfeindlich"? Ist ein Volk erst dann nicht mehr verdächtig "fremdenfeindlich" werden zu können, wenn seine Restbestände in der Reservation ihr Leben fristen? Wir wollen doch einmal überlegen, wie die Türken reagierten lebten plötzlich in ihrem Land 5-6 Millionen Menschen aus Mittel- u. Nordeuropa. Bauten dort große Kirchen und stellten anmaßend Forderungen an die Türkei.
    Der Begriff der "Fremdenfeindlichkeit", auch im Zusammenhang mit EU und Euro, ist eine dreiste Unverschämtheit in Anbetracht der Realitäten in den Staaten der sogenannten EU.

Serviceangebote