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Antonella Mei-Pochtler

Die 60-Jährige startete ihre Karriere bei der Boston Consulting Group in München.

(Foto: Peter Nitsch)

Antonella Mei-Pochtler Von dieser Frau hängt Österreichs digitale Zukunft ab

Die frühere Chefin der Boston Consulting Group Austria leitet die regierungseigene Denkfabrik. Österreichs Kanzler Kurz ist ihr Duzfreund.
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WienEin Labyrinth von Gängen führt durch das österreichische Bundeskanzleramt zur Digital-Denkfabrik der Regierung. In dem barocken Palais gegenüber der Wiener Hofburg lenkte bereits Staatskanzler Fürst Metternich im 19. Jahrhundert die Außenpolitik des österreichisch-ungarischen Imperiums.

Heute residiert dort Sebastian Kurz, Europas jüngster Regierungschef, und ein paar Türen weiter Antonella Mei-Pochtler, Chefin der regierungseigenen Denkfabrik „Think Austria“. Mei-Pochtler ist Betriebswirtin, ihre Karriere begann die gebürtige Römerin 1984 bei der Boston Consulting Group in München. Bereits mit 31 wurde sie Partnerin der globalen Beratung und eröffnete später deren Österreich-Büro.

Seit einem Jahr leitet sie das fünfköpfige Team der Stabsstelle für Strategie, Analyse und Planung und schreibt interne Briefings für den konservativen Kanzler. Globalisierung und Digitalisierung sind die beiden Großthemen, aus denen sich die Arbeitsbereiche von Mei-Pochtlers Einheit ableiten. Die Beraterin selbst schätzt den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter und sein Konzept der kreativen Zerstörung, das im Digitalzeitalter ein Revival feiert.

Mei-Pochtler kennt Kurz, seit seinem 24. Lebensjahr. Da war der Konservative gerade Integrationsstaatssekretär geworden. „Wir hatten gleich ein gemeinsames Thema: evidenzbasierte Politik“, sagt die 60-Jährige. In seinem Kanzlerwahlkampf 2017 beriet Mei-Pochtler Kurz dann in wirtschaftspolitischen Fragen und führte für dessen ÖVP den wirtschaftspolitischen Teil der Koalitionsverhandlungen mit der rechtspopulistischen FPÖ.

Nun soll Mei-Pochtler für Kurz „die längerfristigen, großen strategischen Herausforderungen“ im Blick behalten. Darum kümmert sich die in der Wirtschaft gut verdrahtete Mei-Pochtler nun mit dem Team junger Experten, zu dem Juristen, Ökonomen und ein Historiker gehören.

In ihrem beengten Salon bemühen sie sich um ein bisschen Start-up-Look: Computer mit ihren Screens sowie jede Menge Kisten und Regale dominieren die barocken Räumlichkeiten. Kein Büro zum Repräsentieren, aber zum Arbeiten. Die Arbeitstage sind lang.

Über 500 Gespräche haben sie und ihre Kollegen geführt. Für den Masterplan zur Digitalisierung der Schulen, der in Österreich demnächst abgeschlossen werden soll, hat das Team Erkenntnisse aus anderen OECD-Staaten für Österreich adaptiert. Auf dem Gebiet der Cybersecurity hat das Team weltweit Konzepte analysiert, wie man sich als Staat aufstellen kann.

Intransparenter Thinktank

Was genau die Digitaltruppe aber macht und nach welchen Kriterien die Stellen besetzt wurden, ist vielen Oppositionspolitikern nicht klar. Claudia Gamon, Spitzenkandidatin der liberalen Neos-Partei für die Europawahl, forderte im vergangenen Jahr, „Think Austria dürfe keine „Blackbox“ sein. Die 30-Jährige kritisierte, dass Stellen nicht ausgeschrieben und teilweise mit früheren Mitstreitern aus der ÖVP-Nachwuchsorganisation besetzt worden seien. Allerdings war das Kanzleramt zu einer Ausschreibung auch nicht verpflichtet.

Ihr Netzwerk aus der BCG-Zeit nutzte Mei-Pochtler, um einen zwölfköpfigen Beirat mit erfahrenen Managern, Unternehmern und Diplomaten zu besetzen: Darin sitzen unter anderem Wirecard-Chef Markus Braun, Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele oder Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. „Wir wollen Ideen verarbeiten und in praktische Politik übersetzen“, sagt sie. Dabei soll ihr der kurze Draht – und Laufweg – zu ihrem Duzfreund Kurz helfen.

Wir hatten gleich ein gemeinsames Thema: evidenzbasierte Politik. Antonella Mei-Pochtler (Beraterin von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz)

Im Vergleich zu Deutschland sieht Mei-Pochtler Österreich, das gerade einmal halb so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen hat, im Vorteil. Kleine Länder seien „schlichtweg schneller“. Hinzu komme die Neutralität Österreichs, die viele Türen öffne. Beispielsweise nach Russland.

Input für ihre Beratungstätigkeit erhält Mei-Pochtler sogar aus der eigenen Familie. Ihrem Ehemann Christian Pochtler gehört die Wiener ISI-Gruppe, die Weltmarktführer für Druckgasbehälter ist. „Mein Umfeld sagt mir bisweilen, was die Regierung alles noch ändern und schneller machen sollte, beispielsweise die Steuerreform schneller und groß umzusetzen“, sagt die Kanzlerberaterin.

Im Kanzleramt arbeitet sie ehrenamtlich, Geld hat sie in ihrem Leben genug verdient. In Wien ist sie mit einem Tesla unterwegs, der häufig von einem Mitarbeiter der Unternehmerfamilie gelenkt wird. Ihre Kinder leben in Wien, Berlin und Madrid, das sorgt auch für viele private Reisen. Golf oder Segeln zählt dagegen nicht zu Mei-Pochtlers Hobbys. „Ich finde meine Entspannung intellektuell und nicht beim Sport“, sagt sie.

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