Appell an Europa und USA Putin ruft zum Kampf gegen das „absolut Böse“ auf

IS, Iran, Syrien: Russland will den Westen im Kampf gegen Terror unterstützen, versichert Putin auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Mit den Aussagen will er vor allem internationale Investoren beruhigen.
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Kremlchef Wladimir Putin will im Kampf gegen den Terror mit dem Westen kooperieren. Quelle: ap
Russland

Kremlchef Wladimir Putin will im Kampf gegen den Terror mit dem Westen kooperieren.

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St. PetersburgTrotz der Spannungen wegen der Ukraine-Krise hat Russland dem Westen seine Bereitschaft zur Kooperation im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat versichert. Auch bei anderen globalen Herausforderungen wolle Russland helfen, sagte Kremlchef Wladimir Putin am Freitag auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Sein Land wolle ebenso wie die anderen Verhandlungspartner ein schnelles Abkommen im Atomstreit mit dem Iran und einen friedlichen politischen Wechsel in Syrien erwirken.

An Teheran dürften jedoch keine Forderungen gestellt werden, die „unerfüllbar“ seien. Er zeigte seine Bereitschaft, den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu Gesprächen über einen politischen Übergang zu ermutigen. Russland unterstütze die syrische Regierung nur deshalb, weil man verhindern wolle, dass radikale Kräfte in dem Bürgerkriegsland erfolgreich sein und eine Terrorherrschaft einsetzen könnten.

Sollte Assad sein Amt verlieren, drohe Syrien eine Entwicklung wie in Libyen oder im Irak. Der russische Präsident rief die „Partner“ in Europa und den USA zu „zusätzlichen Anstrengungen“ im Kampf gegen das „absolut Böse“ auf, den „Fundamentalismus“ sowie die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Putin nutzt das jährlich stattfindende Forum stets, um das Bild Russlands bei internationalen Investoren aufzupolieren und Sorgen wegen des politischen Kurses Moskaus zu mindern. Auf Kritik am Westen verzichtete er aber nicht. Den USA warf er vor, Russlands Interessen zu ignorieren und anderen Staaten ihren Willen aufzudrängen.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Im Konflikt um die Ostukraine forderte er mehr Rechte für die von prorussischen Rebellen gehaltenen Regionen. Nur so könne die Auseinandersetzung beendet werden. Den Separatisten müsse Amnestie gewährt werden, zudem sollten Regionalwahlen stattfinden. Den russischen Einfluss auf die Separatisten dementierte er aufs Neue und versicherte, Russland strebe keine Hegemonie in der Region an.

Russlands Wirtschaft ist - teils aufgrund von Sanktionen der EU und USA im Zuge des Ukraine-Konflikts - in die Rezession gerutscht. Dennoch machte Putin am Freitag klar, die Ökonomie seines Landes sei auf dem Weg der Besserung. Der Westen schade sich mit den Strafmaßnahmen nur selbst.

  • afp
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