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Arabische Halbinsel Katar schaltet wieder auf Wachstum – Milliarden-Investments in Deutschland geplant

Von der Krise im Jahr 2016, als Katar von seinen Nachbarstaaten blockiert wurde, spürt das Land heute nichts mehr. Das Emirat will weiter investieren.
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Mit den gestiegenen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung will Katar seine Beteiligungen ausbauen und seine Wirtschaftsleistung steigern. Quelle: AP
Skyline von Doha

Mit den gestiegenen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung will Katar seine Beteiligungen ausbauen und seine Wirtschaftsleistung steigern.

(Foto: AP)

DohaSchockwellen der Angst erfassten die kleine Halbinsel Katar am 5. Juni 2016, als die Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain sowie Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu dem Land abbrachen. Gleichzeitig hatten sie eine Luft-, Wasser- und Landblockade verhängt. Drei Tage Hamsterkäufe folgten. Das Kalkül der Blockierer: Sie hofften, dass der junge Emir Tamim bin Hamad al-Thani aus dem Amt geputscht würde. 

Doch das Kalkül ging nicht auf: Heute huldigen große Porträts an den Hochhäusern in der Skyline von Doha dem 38-jährigen Emir. An vielen Autos kleben Aufkleber mit seinem Konterfei. Das Volk hat sich stärker denn je um den Staatsführer gesammelt.

Die Blockadestaaten hatten Katar Terrorfinanzierung vorgeworfen und das Abschalten des Satellitensenders Al Jazeera gefordert, der sich ihrer Meinung nach in die inneren Angelegenheiten ihrer Länder einmische. „Man wollte uns unsere Souveränität rauben. Das nehmen wir nicht hin“, sagt Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani.

Von Krise ist in Katar nichts zu spüren. Hieß es vor 15 Monaten noch sparen und kürzen bei Infrastrukturprojekten, setzt das Gastgeberland der Fußball-WM 2022 längst wieder auf Wachstum und Auslandsinvestitionen. Dabei steht neben den USA, wo Katar aus politischen Gründen wie Saudi-Arabien mit Milliarden-Engagements um die Gunst von Präsident Donald Trump buhlt, vor allem Deutschland im Mittelpunkt.

Nach Beteiligungen an VW, Deutscher Bank, Siemens, Hochtief und Solarworld sowie Aktienkäufen von anderen Großunternehmen und Immobiliendeals im Gesamtwert von bisher 20 Milliarden Dollar stehen weitere Milliarden-Investments bevor: „Aktuell schauen wir uns mehrere Projekte an“, sagte Katars Finanzminister Ali Sharif al-Emadi dem Handelsblatt.

Nach Informationen aus diplomatischen und Unternehmenskreisen geht es dabei um Beteiligungen im Umfang von mehreren Milliarden, die Katars Emir Tamim am Freitag im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel auf der deutsch-katarischen Wirtschaftskonferenz in Berlin verkünden will.

Gestiegene Ölpreise helfen dem Emirat

Immer stärker in den Mittelpunkt geraten dabei Engagements bei deutschen Mittelstandsfirmen. Al-Emadi spricht dabei davon, „dass unser Engagement gut ist für die deutsche und die katarische Wirtschaft“. Auch Oliver Hermes, neuer Vorsitzender des Nah- und Mittelostvereins der deutschen Wirtschaft (NUMOV), sieht das so: „Was mir aus unternehmerischer Sicht auffällt: Die Denke der Investoren aus den Golfstaaten ist oft von familienunternehmerischer Perspektive geprägt.

„Sie sind langfristig orientiert, sodass man gemeinsam langfristige Strategien entwickeln kann“, lobt NUMOV-Chef Hermes, der auch Vorstandsvorsitzender des Pumpenherstellers Wilo in Dortmund ist.

Dass Katar dabei sei, seine Wirtschaft über Öl und Gas hinaus zu diversifizieren, eröffne deutschen Firmen viele Chancen in dem Land. Und Beteiligungen Katars in Deutschland sieht Hermes positiv: „Die katarischen Investoren gelten als verlässlich, als langfristig orientiert, als diskret und trotzdem renditeorientiert – vor allem im Vergleich zu den etwas lauteren angelsächsischen Investoren.“

Dass Katar sich so schnell von den Folgen der Blockade erholt hat, hat vor allem auch mit den gestiegenen Ölpreisen zu tun: Für dieses Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent, nach 1,6 Prozent im Vorjahr – damit läge der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG) vor den rivalisierenden Blockadestaaten am Golf. Der IWF erwartet in diesem Jahr sogar Haushalts- und Leistungsbilanzüberschüsse.

Die Daten sind erstaunlich, hatte Finanzminister al-Emadi doch erhebliche Probleme zu bewältigen: Der Tourismus war eingebrochen – ausgerechnet in einem Land, das wegen der WM unzählige Hotels errichtet. Außerdem musste die Qatar Investment Authority (QIA) die lokalen Banken mit 50 Milliarden Dollar stabilisieren.

Aus dem etwa 340 Milliarden Dollar Investitionen umfassenden Portfolio des Staatsfonds QIA wurden Anteile am Schmuckkonzern Tiffany und an Credit Suisse veräußert.  Doch all das konnte dem jungen Emir, der im Jahr 2013 an die Macht kam und sich vorgenommen hat, das Land radikal zu reformieren, nichts anhaben.

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