Arbeiter ausgesperrt Nordkoreas Grenzen bleiben zu

Kim Jong Un bleibt in seinem riskanten Macht-Poker stur und legt noch einen drauf: Arbeiter aus dem Süden mussten auch heute vor der Grenze umkehren. Die Armee gab außerdem grünes Licht für Atomangriffe gegen die USA.
Update: 04.04.2013 - 05:17 Uhr 37 Kommentare
54.000 Nordkoreaner arbeiten für die Kapitalisten
huGO-BildID: 30464055 South Korean vehicles wait to head to the North Korean city of Kaesong at the customs, immigration and quarantine office in Paj
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Kein Durchkommen gibt es derzeit für die Südkoreaner, die an ihre Arbeitsplätze jenseits der Grenze wollen. Der Norden verweigert ihnen seit Mittwoch die Einreise in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong.

North Korea threatenes to close the Kaesong industrial park
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Der Industriekomplex liegt in Nordkorea etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt. Er wurde 2004 als Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beiden Staaten gegründet. Während der vorangegangenen Krisen auf der koreanischen Halbinsel hatten beide Seiten stets darauf geachtet, das Symbolprojekt nicht dauerhaft zu beschädigen.

South Korean security guards keep watch as South Korean trucks return to South Korea's CIQ (Customs, Immigration and Quarantine) after they were banned from entering the Kaesong industrial complex in North Korea, in Paju
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Doch jetzt ist die Grenze dicht. Wie lange die Sperre andauern soll, ist völlig unklar. Zuletzt war südkoreanischen Arbeitern im März 2009 wegen eines US-südkoreanischen Manövers kurzzeitig die Einreise verweigert worden. Nach einem Tag wurde die Sperre wieder aufgehoben.

A South Korean employee working at the Kaesong Industrial Complex (KIC), speaks to the media upon his arrival at South Korea's CIQ (Customs, Immigration and Quarantine) office, in Paju
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Die Journalisten stürzten sich auf die Arbeiter, die üblicherweise nach Kaesong fahren. Ein Regierungssprecher in Seoul bezeichnete die Entscheidung Pjöngjangs als „sehr bedauerlich“. Priorität habe aber zunächst die Sicherheit der Südkoreaner, die sich noch in dem auf nordkoreanischer Seite gelegenen Industriekomplex befinden.

SOUTH KOREA NORTH KOREA TENSION
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Die Regierung in Seoul geht laut Sprecher davon aus, dass alle ihre Staatsbürger sicher zurückkehrten. Dennoch wurden die Truppeneinheiten in Grenznähe von den Vorfällen unterrichtet. Es sei ein Notfallplan erarbeitet worden, erklärte Verteidigungsminister Kim Kwan Jin am Mittwoch. Sollte sich eine „ernste Lage“ ergeben, sei auch eine Militäraktion denkbar, um die Sicherheit der südkoreanischen Arbeiter zu gewährleisten.

North Korea bars South Korean workers from entering industrial pa
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Rund 860 Südkoreaner sollen sich noch im Norden aufhalten. 484 Pendlern wurde die tägliche Einreiseerlaubnis verweigert.

A businessman changes his South Korean license plate to one authorized by North Korea before leaving the South's CIQ in Paju
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Wie dieser Geschäftsmann wechseln die Südkoreaner üblicherweise das Nummernschild an ihren Autos und befestigen die Lizenz, die es ihnen erlaubt sich in der Sonderwirtschaftszone aufzuhalten.

Tokio/DüsseldorfNordkorea blockiert den zweiten Tag in Folge die Einreise südkoreanischer Arbeiter. An der Grenze warteten am Donnerstagmorgen rund 40 Fahrzeuge auf Zugang zu dem gemeinsam von Nord- und Südkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong, berichtete ein AFP-Reporter. Angeblich müssen alle im Industriepark verbliebenen Südkoreaner die Sonderzone bis zum 10 April verlassen.

Denen, die an der Grenze warteten, wurde über Lautsprecher mitgeteilt, dass südkoreanischen Arbeitern weiter keine Einreiseerlaubnis erteilt werde, worauf die Fahrzeuge umgekehrt seien. Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums in Seoul wollten am Donnerstag 526 Arbeiter und 421 Fahrzeuge nach Nordkorea einreisen.

Auch den USA drohte Nordkorea über Nacht erneut: Ein Sprecher des Generalstabs der nordkoreanischen Volksarmee erklärte über den englischsprachigen Dienst der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkoreas Militär habe offiziell grünes Licht für einen Angriff gegen die USA gegeben, der auch den Einsatz von Atomwaffen einschließt.


Die Einreisesperre für die südkoreanischen Arbeiter startete am Mittwoch. Noch ist unklar wie lange die Grenzen für Südkoreas Arbeiter andauern soll. Ein Sprecher der Vereinigung der ansässigen Firmen sagte am Donnerstagmorgen, Nordkorea habe den Unternehmen eine Frist gesetzt, um den gemeinsam betriebenen Industriekomplex zu verlassen.

Die Firmen seien aufgefordert, sich bis Mittwoch (10. April) komplett zurückziehen, sagte der Sprecher. Die südkoreanische Regierung wies den Bericht allerdings umgehend als falsch zurück.

Ein Ende der Wirtschaftszone könnte vor allem Nordkorea hart treffen. Zwar ist das Larm arm und weitgehend autark, auf Devisen sind jedoch gerade die Regimemitglieder dringend angewiesen. Ausgerechnet die größte Devisenquelle des Landes bringt Staatschef Kim Jong Un jetzt im Streit über das Atomprogramm des Landes in Gefahr: Pjöngjang riegelte am Mittwoch die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong ab. Die aus Südkorea kommenden Pendler standen vor verschlossenen Türen, die Welt sorgt sich um eine weitere Eskalation.

In der südkoreanischen Grenzstadt Paju warteten Hunderte Arbeiter und Manager ungeduldig, nach Kaesong einreisen zu dürfen. "Das Vertrauen zwischen dem Norden und dem Süden bröckelt - auch bei den Kunden sinkt das Vertrauen", warnt Lee Eung Haeng, der eine Kleiderfabrik in Kaesong betreibt. In Lees Firma arbeiten 600 Nordkoreaner, wo jeder im Monat durchschnittlich 130 Dollar verdient. Insgesamt sind in der Sonderzone 54.000 Nordkoreaner beschäftigt – und relativ wenige Vorarbeiter und Manager aus dem Süden.

Die nordkoreanischen Arbeiter hätten vermutlich schon geahnt, dass etwas im Argen liege, sagte der Südkoreaner Jang Sun Woo. "Sonst haben sie immer über meine Witze gelacht - diese Woche waren sie aber irgendwie anders."

Für beide Koreas ist die Wirtschaftszone in Kaesong wichtig – für den Süden allerdings eher symbolisch, für den Norden dagegen wirtschaftlich. Dem verarmten Nordkorea mit seiner bisweilen hungernden Bevölkerung, seiner riesigen Armee und seinen Atomambitionen bringt der Industriekomplex dringend benötigte Devisen ein.

Vor allem südkoreanische Firmen in arbeitsintensiven Bereichen wie der Textilindustrie haben Betriebe in Kaesong angesiedelt. Insgesamt haben sie rund 800 Millionen Dollar investiert. Denn von den kommunistischen Arbeitsvermittlern können sie Arbeitskraft zu Preisen kaufen, die selbst im Ostteil Chinas kaum mehr möglich wären: Umgerechnet zahlen sie 130 bis 150 US-Dollar im Monat pro Arbeiter. Ein Großteil landet direkt in der Kasse des nordkoreanischen Staats.

Etwas mehr als 80 Millionen US-Dollar streicht Kim Jong Uns Regime damit jährlich ein. Hinzu kommen Steuerzahlungen südkoreanischer Firmen an den nordkoreanischen Staat. Dafür produzierten die südkoreanischen Firmen 2012 Waren im Wert von ungefähr 470 Millionen US-Dollar. Das waren immerhin 17,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wirtschaftlich ist die Behinderung – oder gar eine spätere Schließung – der Sonderzone für Nordkorea also ein sehr zweischneidiges Schwert: Mehr als 50.000 Arbeiter würden bei einem Kollaps der kapitalistischen Insel ihre Einkommen verlieren – und das Regime seine wichtigste Devisenquelle.

Die rund 800 Südkoreaner, die sich noch in dem Industriekomplex auf nordkoreanischem Gebiet befinden, sollen zwar offiziellen Angaben zufolge ausreisen dürfen und sind keine Geiseln – aber dennoch handelt es sich um eine weitere mutwillige Eskalation des Konfliktes durch Pjöngjang. Nordkorea erlaubte ihnen die Ausreise, lediglich 36 von ihnen kehrten aber zunächst in den Süden zurück. Südkorea hatte sich zunächst besorgt gezeigt, seine Staatsbürger könnten als Geiseln genommen werden.

54.000 Arbeiter schuften für den Süden - und für den Diktator
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37 Kommentare zu "Arbeiter ausgesperrt: Nordkoreas Grenzen bleiben zu"

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  • Himmel - wie kann jemand so bekloppt sein und im kommunistischen Nachbarland ne Fabrik bauen?

    Die wird verstaatlicht - es wird weiter produziert und verkauft. Die Devisen fließen weiter und gut.

    Die Firmeninhaber werden von Südkorea Schadenersatz erhalten, den zahlt dann das IWF von den Zinsen, die sie von Griechenland und Zypern bekommen. Diese Zinsen wiederun zahlen die europäischen Steuerzahler. Die Welt dreht sich fleißig weiter :-)

  • Hier hilft aus dem Bauch heraus wohl nur noch ein so gewaltiger atomarer Erstschlag der Amerikaner, das endlich Schicht im Schacht ist. Die Kehrseite wäre: Millionen unschuldige Nordkoreaner würden mitbezahlen.

  • @pro-d / @hermann.12
    hmm, von was wollen die Amis nur ablenken???
    #
    Hallo Mitforisten!
    Nicht ohne tieferes Nachdenken auf "pro-d" einschlagen, denn eine Ablenkung vom eigentlichen Ort des Geschehens ist durchaus möglich - ja, sogar nahe liegend, wenn auch nicht sicher, da Nordkorea selbst zu Ostblock-Zeiten ein weitgehend selbständiger Staat war.
    Doch merke: Mit Fernost-Geschachert lässt sich bestens von den zukünftigen Ereignissen im Nahost ablenken. Dort wird wohl demnächst schon die eigentliche (Kriegs-)Musik gespielt werden

  • Vielleicht ist die wirtschaftliche Lage schon so verzweifelt, dass sie alles versuchen, um Geld herauszudrücken. In der Vergangenheit hat es ja geklappt, da die USA ja häufiger in Sachen Krieg unterwegs war. Das hält sich jetzt in Grenzen, wenn man die Kriegsgelüste von Israel stoppt. Doch die Stars and Stripes stecken noch wirtschaftlich fest im Sumpf und können sich nicht noch mehr Stess leisten, also halten sie sich zurück und lassen die paubäckigen Nordkoreaner den Mund aufreissen. Fragt sich nur wie lange. Ferner gibt's Probleme mit der veralteten Militärmaschinerie und deren Einsatzfähigkeit.
    F-15 und F-16 sind alt und daher so reparaturanfällig, dass für die Einsatzfähigkeit irrwitzige Summen aufgebracht werden müssen. Dei F-22 und F-35 sind wohl in Teilbereichen Fehlkonstuktionen, vor allem F-35 sollte als Bomber, Jäger und Marineflugzeug mit Stealth Fähigkeiten das zukünftige Arbeitspferd sein, doch man bekommt es nicht im Griff, das Maschinchen ist drei-vier Jahre hinter Plan und es gibt nicht mals einsatzfähige Testflugzeuge.
    Ferner wird sie immer teuerer. Tankflugzeuge werden auch mehr und mehr zum Problem und die bei Boung bestellten brauchen noch Jahre. Es stehen auch nur noch wenige einsatzfähige Stealth-Bomber zur Verfügung. Selbst die amerikanischen Falken, um nicht zu sagen Kriegstreibe, reißen sich zur Zeit ausnahmsweise nicht um militärische Konflikte.
    Also kann Nordkorea erstmal weiter die Klappe aufreißen und drohen, füttert mich, oder es gibt Stress.

  • Die Achse des Bösen wurde ja schon zu Busch Jr. Zeiten beschrieben, Nord-Korea gehörte ja dazu genauso wie Iran und Irak. Den USA fehlt dennoch meines Erachtens die Motivation jetzt gegen Nord Korea aktiv zu werden. Obama ist zumindest deutlich weniger ein Kriegstreiber als es Busch war. Iran steht ja parallel zu Nord-Korea auf der akuten Problem-Liste. Irak hat sich zumindest militärisch erstmal erledigt. Krieg ist natürlich immer gut für die Waffen-Industrie und damit für die Wirtschaft der USA. Aber das mit einem Atom-Krieg zu begründen bei dem mindestens einige 100.000 Menschen, eher Millionen sterben werden, traue ich Obama nicht zu, Hagel jedoch eher.

    Ich befürchte nur das Kim & Co ohne den gewaltigen Worten nun Taten folgen zu lassen, jegliches nationales Selbstwert-Gefühl abhanden kommen würde und nun eine wie auch immer geartete militärische Aktion starten werden. Anders kommt er aus der Nummer nicht mehr raus und müsste befürchten, selbst durch interne Machthaber abgesetzt zu werden. Es bleibt auf jeden Fall spannend und hoffe das keiner zu Schaden kommt.

  • @yoski

    Gut argumentiert. "Nordkorea Friedensvertrag" mal Googeln.

    Im Zweifelsfall hilft es sich zu informieren und seinen Verstand zu gebrauchen. Komisch das alle "Bösewichte" dem irrationalem Holywoodklischee entsprechen. "Der ist total böse und völlig irrational." Gut eine einfache Welt ohne denken.

  • @hasstnicht
    Klar, Nord-Korea ist ein richtiges Friedens-Utopia. Also nichts wie hin, im Gulag ist bestimmt noch ein Plaetzchen frei.

  • Mensch, Babyface, was soll das??
    Jetzt sei doch nicht so böse.
    Sonst gibts auf 'n Sack wenn du nich hören willst.

  • @pool

    vielen dank für den informativen Link.

    Carl Friedrich von Weizsäcker hat übrigens unsere Zukunft recht gut vorhergesehen.

    http://www.youtube.com/watch?v=GEsEc6NrnRc

    Die deutschen sind eben einfach dumm und glauben alles.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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