Argentinien-Besuch Tschechischer Präsident kritisiert Euro

Der tschechische Präsident hat sich bei seinem Staatsbesuch in Argentinien erleichtert gezeigt, dass sein Land den Euro noch nicht eingeführt hat. Klaus gilt als ein starker Euro-Kritiker.
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Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner (Mitte) und Tschechiens Präsident Vaclav Klaus (links). Quelle: Reuters

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner (Mitte) und Tschechiens Präsident Vaclav Klaus (links).

(Foto: Reuters)

Buenos AiresDer als außerordentlich vehementer Euro-Skeptiker bekannte tschechische Präsident Vaclav Klaus hat bei einem offiziellen Besuch in Argentinien am Donnerstag (Ortszeit) den Euro kritisiert. Das südamerikanische Land habe sich „relativ leicht“ von der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahreswende 2001/2002 erholt, sagte Klaus.

Dies sei Dank einer eigenen Währung, die extrem abgewertet wurde, gelungen. Die derzeitige Krise einiger europäischer Länder ähnele der Argentiniens vor knapp zehn Jahren. Der Euro versperre aber einen „argentinischen“ Ausweg aus der Misere. „Die Krise in Ihrem Land wurde durch die starre Bindung ihrer Währung an den Dollar ausgelöst, und in Europa spielt der Euro heute eine ähnlich negative Rolle, weil er verhindert, dass die Wechselkurse den jeweiligen wirtschaftlichen Gegebenheiten eines Landes angepasst werden können“, betonte Klaus bei einem Essen der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner zu Ehren des Staatsgastes.

„Gott sei Dank hat Tschechien den Euro noch nicht eingeführt“, fügte Klaus hinzu, der als vehementer Euro-Skeptiker und schwieriger Gesprächspartner in der EU gilt. Er ist gegen die Übertragung von Aufgaben an Brüssel, weil er Machteinbußen bei den nationalen Zuständigkeiten befürchtet. Kirchner bedankte sich für den Zuspruch und lobte den Gast für seine klaren Visionen hinsichtlich der Abwägung zwischen Integration und Nation.

Zugleich sprach sich Kirchner für den Ausbau der bilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen aus. Auch hier äußerte sich Klaus wieder kritisch über die EU. Tschechien exportiere vor allem in die EU. Dies sei aber wegen der Krise in einigen der EU-Länder riskant und tschechische Unternehmen deshalb sehr an einer Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen mit Ländern wie Argentinien interessiert. Der Staatsbesuch endet am Sonntag. Zuvor stand noch ein Besuch in dem Touristenort El Calafate in Patagonien auf dem Programm. Dort hat die Präsidentin ein Privatanwesen.

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10 Kommentare zu "Argentinien-Besuch: Tschechischer Präsident kritisiert Euro"

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  • Simple Sichtweise. Wenn ich die Beiträge an die EU zahlen muss, dann will ich auch die ermöglichten Subventionen. Eine Mitgliedschaft ohne Pflichten und Rechte gibt es nicht. Wie Herrn Klaus kenne, würde er lieber auf die Subventionen verzichten, denn dieses Euro einzuführen. Übrigens ich kenne keinen Steuerbürger und Steuerzahler der auf sein Kindergeld verzichten möchte. Trotzdem darf er seine Meinung haben. Danke.

  • So verhält es sich aber auch mit den Briten!

  • „Er ist gegen die Übertragung von Aufgaben an Brüssel, weil er Machteinbußen bei den nationalen Zuständigkeiten befürchtet.“ – V. Klaus hat völlig Recht, die EU ist undemokratisch. Ziel ist, aus Europa ein Konzerneuropa zu machen und alle Macht auf die Konzerne und deren Lobbies zu übertragen.

    Schon heute stellt die deutsche Politik die Interessen der Konzerne über die Interessen der Bürger. Empfehlenswert zu diesem Thema sind auch die Interviews und Bücher von Prof. Max Otte.

  • Wenigstens ein Politiker, der noch nicht in der Euro-Blase sitzt und der die Dinge so sieht, wie sie sind. Vielen Dank, Herr Klaus!
    Übrigens: Tschechien wird den Euro nicht einführen müssen. Bis es so weit wäre, ist der Euro schon Geschichte!

  • Ich werde wohl meinen nächsten Skoda nicht in Euro zahlen, sondern in ARS.

  • Die Vorteile durch die EU, Zuschüsse, Subventionen usw. übernehmen sie gerne. Den Euro (als Nachteil) übernehmen sie nicht.
    Man sollte Ihnen dann auch die Vorteile versagen.

  • Das Problem ist, das Herr Klaus z. T. recht hat. Der politisch sanktionierte Transfer von "allen an einige" wird in Europa und auch in den USA fatale Folgen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben.
    Das Unvermögen, bzw. der Unwille der Politik das Mandat über systemisch relevante Institute der Finanzwirtschaft zurückzuerlangen, versetzt die Banken ja jetzt schon in die Lage, indirekt oder direkt, die Höhe der Staatsverschuldung zu diktieren.

    Was früher dem Hoheitsanspruch des Staates unterlag, wird heute von Teilen der Privatwirtschaft gesteuert. Wer glaubt, das dieses Versagen der Politik ohne Folgen bleibt, lebt im Wolkenkuckucksheim.

  • Klaus hat wahrscheinlich einen Schulabschluss im Unterschied zu einigen unserer Politiker in Deutschland.
    Übrigens hat Orban / Ungarn kürzlich eine Milliardenanleihe über die PNB platziert, um den IMF auszuzahlen. Hoffentlich tauchen dort nicht bald Rebellen auf.

  • Schön dass der Präsident der Tschechischen Republik noch den Mut hat als Euro-Kritiker aufzutreten, die anderen schauen schweigend zu wie die Karre immer weiter in den Dreck fährt.

  • Yeaph. Kurz präzise und treffend. Der Euro ist Mist.

    Hoffentlich setzt sich solch wirtschaftlicher Sachverstand endlich auch in den Regierungen andere Euroländer durch.

    Davor steht allerdings die Einsicht, einen Fehler gemacht zu haben und ihn entsprechend zu korrigieren. Und da sehe ich bei unserer heutigen Politikergarde leider tiefschwarz.

    Also weiter bis zu „Endsieg“.

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