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Asia Business Insights China hat die Folgen der Coronakrise weitgehend überwunden

Dank massiver staatlicher Investitionen wird China als einzige große Volkswirtschaft 2020 wachsen. Doch das bedeutet noch lange keinen globalen Aufschwung.
08.09.2020 - 19:51 Uhr Kommentieren
Nach der Coronakrise kommt die chinesische Wirtschaft als erste auf Betriebstemperatur. Quelle: dpa
China auf dem Weg zum Wachstum

Nach der Coronakrise kommt die chinesische Wirtschaft als erste auf Betriebstemperatur.

(Foto: dpa)

Mark Wang ist durch und durch Banker – verbindlich beim Auftritt, zurückhaltend im Ton, nüchtern in der Analyse. Spricht der Vorstandschef der Großbank HSBC in China allerdings über seine derzeitige Heimat, ist so etwas wie Begeisterung zu spüren.

„Wir arbeiten an unseren chinesischen Standorten wieder mit 100 Prozent Kapazität“, sagt Wang, der auf der „Asia Business Insights“, einer Veranstaltung von Handelsblatt und HSBC, in Düsseldorf per Video zugeschaltet ist. Aus seiner Sicht hat die Volksrepublik die Folgen der Coronakrise weitgehend überwunden. „Wir haben das Ende der V-Kurve bereits hinter uns gebracht“, sagt er.

First in, first out – und das mit überraschendem Schwung: So lässt sich nach Ansicht von Ökonomen die derzeitige konjunkturelle Lage des Landes beschreiben, in dem die globale Corona-Pandemie im Januar ihren Anfang nahm.

Mittlerweile sind es die USA, in denen das Virus am stärksten wütet – während China, nach einem groß angelegten Shutdown im Frühling, als einzige große Volkswirtschaft der Welt mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Jahr 2020 rechnen darf: 2,4 Prozent werden es laut HSBC-Prognose sein. Für die Weltwirtschaft erwartet der IWF 2020 ein Minus von fast fünf Prozent.

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    China als Motor einer lahmenden Weltwirtschaft: Das Bild weckt Erinnerungen an die Weltfinanzkrise in den Jahren 2008 und 2009, als die Volksrepublik mit gigantischen staatlichen Konjunkturprogrammen die globale Nachfrage in die Höhe getrieben und so die Weltwirtschaft gerettet hatte. Auch in dieser Krise sind es die staatlichen Infrastrukturinvestitionen, die das Wachstum treiben.

    Carola von Schmettow, Sprecherin des Vorstands von HSBC Deutschland, und Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, diskutieren die Rolle Chinas für die Wirtschaft. Quelle:  Uta Wagner
    Konferenz Asia Business Insights

    Carola von Schmettow, Sprecherin des Vorstands von HSBC Deutschland, und Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, diskutieren die Rolle Chinas für die Wirtschaft.

    (Foto:  Uta Wagner)

    Doch die politischen Verhältnisse haben sich seither dramatisch verändert. Selten war das Verhältnis der Europäer zu China komplexer, vielschichtiger und auch gespaltener als heute. Einerseits sehen die Europäer die Ausweitung der politischen Einflusssphären Chinas in Asien, Afrika und auch Europa mit großer Skepsis.

    US-Weg der Entkopplung ist keine Lösung für die EU

    Europa sucht in dem epochalen Handelskonflikt zwischen den USA und Peking seine Rolle. Andererseits gilt die zweitgrößte Volkswirtschaft immer noch als Hoffnungsträger für die Entwicklung der Weltkonjunktur.

    „In diesem komplexen Verhältnis ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten zu einer regelbasierten internationalen Ordnung bekennen“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet auf der Tagung.

    Das betreffe sowohl die Handelsbeziehungen als auch die politischen Beziehungen. China habe sich immer zu Multilateralismus bekannt, und „da können wir das Land beim Wort nehmen“, ergänzte der Kandidat für den CDU-Vorsitz.

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    Den amerikanischen Weg einer Entkopplung von China wollen die Europäer nicht gehen – denn das wäre vor allem für Deutschland, das so verflochten mit China ist wie keine andere Volkswirtschaft, ein untragbar hohes ökonomisches Risiko.

    Allerdings gibt es auch hierzulande eine intensive politische Debatte, inwieweit staatlich kontrollierte Tech-Konzerne wie der chinesische Telekom-Ausrüster Huawei am Aufbau des sicherheitsrelevanten deutschen 5G-Netzes beteiligt werden sollten.

    Doch auch diese Debatte kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass China ein Ausnahmeland ist und bleibt, was die Wirtschaftsdynamik angeht. Doch Wang beobachtet auch Ungleichgewichte. So würde vor allem der Staat derzeit und in den kommenden Monaten viel in Infrastruktur investieren, während der private Konsum weiter hinterherhinke.

    Deutsche Unternehmen wagen mehr Investitionen in China

    Doch Chinas führende Politiker hätten mehrfach unterstrichen, dass die langfristige Erholung von der Pandemie ganz erheblich von der Stärkung des privaten Konsums abhängig sei. Und das werde allen helfen.

    Der NRW-Ministerpräsident erinnerte China daran, sich an die Regeln der internationalen Ordnung zu halten. Quelle:  Uta Wagner
    Armin Laschet

    Der NRW-Ministerpräsident erinnerte China daran, sich an die Regeln der internationalen Ordnung zu halten.

    (Foto:  Uta Wagner)

    Das langfristig größte Risiko für die zweitgrößte Volkswirtschaft allerdings ist der Wirtschaftskrieg mit den USA. „Viel wichtiger als die Pandemie ist die Frage: Wie geht es mit dieser geopolitischen Auseinandersetzung weiter?“, sagte Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute.

    Auch für Stefan Oschmann, Vorstandschef des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck, ist der Konflikt zwischen den beiden Supermächten der „wesentliche Faktor für die zukünftige Entwicklung der Weltkonjunktur“.

    Allerdings: Dieser Konflikt sollte deutsche Unternehmer nicht davon abhalten, sich stärker in China zu engagieren. „Asien ordnet sich neu und wächst“, sagte der Manager. Vor allem der dortige Technologie- und Wissenschaftsstandort biete große Möglichkeiten – „allen geopolitischen Risiken zum Trotz“. Für den Darmstädter Pharmakonzern ist Asien längst ein wichtiger Forschungsstandort.

    In Schanghai und Guangzhou hat Merck Innovationshubs für digitale Medizin und Künstliche Intelligenz. Die Chinesen seien auch deswegen besser durch die Covid-19-Krise gekommen, weil sie gegenüber neuer Technologie sehr offen seien.

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    Von der Politik forderte Oschmann wiederum, sich in der Debatte mit China mit Nachdruck für einen regelbasierten Welthandel einzusetzen: „Nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts muss die Maxime sein.“ Für Europa sei es im globalen Wettbewerb entscheidend, einen Technologie- und Wissenschaftsstandort zu haben, der sich mit den USA und China auf Augenhöhe bewege.

    Nachfrage aus dem Westen ist wegen der Pandemie noch schwach

    Fakt ist: In der Bundesregierung findet derzeit ein Umdenken statt – nicht nur gegenüber den USA, die auch gegenüber ihren Verbündeten eine aggressive Handelspolitik betreiben, sondern auch gegenüber China. Die große Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China wird inzwischen als Gefahr gesehen.

    So ist es das erklärte Ziel Berlins, den Handel zu diversifizieren. Dass selbst der chinafreundliche BDI das Land inzwischen als „systemischen Wettbewerber“ bezeichnet, ist letztlich auch Ausdruck dieser neuen Skepsis.

    HSBC-Chinachef Wang warnte allerdings davor, die zunehmende technologische Eigenständigkeit Chinas als eine Ambition nach wirtschaftlicher Isolation zu interpretieren – und warf dabei den Blick auf das ökonomische Modell der „dual circulation“, das die chinesische Regierung jüngst eingeführt hatte. Es sieht zwei Strategien vor: Zum einen soll der Export weiter ausgebaut werden, zugleich aber wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Produktion für den heimischen Bedarf gelegt.

    Im Westen wurde dies als Schritt kritisiert, dass China ein isoliertes Wirtschaftsmodell anstrebe. Wang widersprach: Es sei vielmehr eine praktikable Antwort Chinas auf die gegenwärtige globale Wirtschaftslage. Die heimischen Hersteller hätten sich von der Pandemie bereits erholt, allerdings sei die Nachfrage aus dem Westen noch schwach. „Es ist kein Zeichen dafür, dass sich China vom Rest der Welt abkoppeln will“, so Wang.

    Mehr: Merck-Chef Stefan Oschmann: „Wir sollten asiatischer werden“.

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