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Asia Business Insights Merck-Chef Stefan Oschmann: „Wir sollten asiatischer werden“

Der Vorstandschef des Pharma- und Technologiekonzerns fordert deutsche Manager auf, sich ihre asiatischen Kollegen zum Vorbild zu nehmen. Seine Rede in Auszügen.
08.09.2020 - 17:55 Uhr Kommentieren
Der Manager war per Video der Handelsblatt-Tagung Asia Business Insights zugeschaltet. Quelle:  Uta Wagner
Merck-CEO Stefan Oschmann (links) und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe

Der Manager war per Video der Handelsblatt-Tagung Asia Business Insights zugeschaltet.

(Foto:  Uta Wagner)

Düsseldorf Auf der Handelsblatt-Tagung Asia Business Insights war Merck-CEO Stefan Oschmann am Dienstag einer der Hauptredner. Der Chef des Darmstädter Pharma- und Technologiekonzerns fordert deutsche Manager auf, die Chancen in Asien besser zu nutzen – und sich von den dortigen Führungskräften etwas abzugucken.

Wir dokumentieren die Rede in Auszügen:

„Wenn wir es in Europa richtig anpacken, dann bieten uns die wirtschaftliche Dynamik Asiens und die wachsende Bedeutung vieler asiatischer Staaten in Wissenschaft und Technologie große Möglichkeiten. Metropolen wie Guangzhou, Schanghai, Seoul, Singapur und viele andere Städte und Regionen sind heute Hotspots für Forschung und Entwicklung. Dort wird die Zukunft vieler Industrien gestaltet. Ich bin immer wieder begeistert von der Neugier, der Tatkraft und dem Unternehmergeist, die ich dort erlebe.

In Asien entstehen globale Technologiekonzerne von morgen und übermorgen. Ihr Wachstum möchten wir mit unseren Innovationen begleiten. Merck ist beileibe kein Einzelfall. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich so gut wie jedem europäischen Technologieunternehmen in Asien große Chancen bieten. Aber dafür müssen wir bereit sein, von Asien zu lernen.

Drei Aspekte spielen zurzeit eine besondere Rolle, die eng miteinander zusammenhängen. Erstens der Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Vor allem die Staaten Ostasiens waren als erste davon betroffen. Und sie waren vorbereitet durch ihre Erfahrungen mit Sars und anderen Epidemien in den vergangenen Jahren. Auch wir bei Merck haben in Asien im Umgang mit der Pandemie wertvolle Erfahrungen gesammelt.

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    Etwas grundsätzlicher ist der zweite Aspekt, den wir von Asien lernen können. Im Alltag spielen neue Technologien dort vielfach eine stärkere Rolle als hierzulande. Ich erlebe in Asien eine sehr große Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien. Zum Beispiel im Gesundheitssektor. Dass es viele asiatische Staaten geschafft haben, die Covid-19-Pandemie vergleichsweise effektiv einzudämmen, hängt auch mit dem Einsatz moderner Technologien zusammen.

    In Schanghai eröffneten mitten in der Coronakrise Internetkrankenhäuser, also Onlineplattformen, die mit richtigen Kliniken zusammenarbeiten. Patienten konnten so mit einem Arzt sprechen und Rezepte erhalten, ohne die eigene Wohnung verlassen zu müssen.

    Etwas mehr von dieser Aufgeschlossenheit wünsche ich mir auch hier in Europa. Und damit zum dritten Aspekt, bei dem wir von asiatischen Unternehmern lernen können: Sie sind bereit, sehr schnell kalkulierte Risiken einzugehen. Diese asiatische Geschäftstüchtigkeit, diese Agilität; nicht zu zögern, sondern sich schnell an neue Marktgegebenheiten anzupassen, das ist bewundernswert. Wir als Unternehmer und Führungskräfte könnten in dieser Hinsicht gut und gerne etwas asiatischer werden.

    Wenn wir auf das Große und Ganze blicken: Unter welchen Bedingungen können wir von Asiens wirtschaftlicher Dynamik profitieren? Gerade mit Blick auf China hat sich die Diskussion in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Annahme, dass das Land mit einer immer tieferen Integration in die Weltwirtschaft zunehmend auch westlichen Vorstellungen folgt, war falsch. Wir sehen heute: China geht seinen eigenen Weg. Es verfolgt sein eigenes politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Modell.

    Was sollten wir in Europa also tun? In erster Linie sollten wir uns weiter engagiert und mit Nachdruck für einen regelbasierten Welthandel einsetzen. Auch für bestehende und aufstrebende Supermächte darf nicht das Recht des Stärkeren gelten, sondern die Stärke des Rechts. Ein fairer Welthandel braucht klare und transparente Marktzugangsregeln für alle Beteiligten.

    Europa ist ein handelspolitisches Schwergewicht. Und dieses Gewicht sollten wir im Sinne eines offenen und fairen Handels nutzen. Natürlich wird auch ein geeintes und starkes Europa den Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht beilegen können. Die bestehende und die aufstrebende Supermacht tarieren das globale Kräfteverhältnis gerade neu aus. Ein ‚Great Decoupling‘, eine große Abkopplung, auch im Bereich der digitalen Technologien, wird wahrscheinlicher. Das macht die Lage, vor allem auch in Asien, deutlich komplexer.

    Umso wichtiger ist es, dass wir hier bei uns, in Europa, gute Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Technologie schaffen. Rahmenbedingungen, die es europäischen Technologieunternehmen ermöglichen, auf Augenhöhe mit den großen Spielern in Asien und in den USA zu agieren.

    Ich denke an eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Unternehmen und staatlichen Institutionen. Ich denke an eine bessere öffentliche und private Finanzierung für junge, vielversprechende Unternehmen. Und natürlich denke ich an eine Kultur, die wissenschaftliche Neugier und verantwortungsvolles Unternehmertum wertschätzt und fördert.

    Für uns in Europa ist eines entscheidend: dass wir aus einer Position der eigenen Stärke agieren. Denn dann werden wir im Wettbewerb bestehen. Dann können wir faire Wettbewerbsbedingungen durchsetzen – und Asiens Dynamik als Chance für Europa nutzen.“

    Mehr: Merck bleibt trotz Coronakrise auf stabilem Kurs.

    • HB
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