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Asien Die große Leere: So leidet Hongkongs Wirtschaft unter den anhaltenden Protesten

Die Proteste in Hongkong haben die Wirtschaft in der Region stark gebeutelt. Vor allem die Tourismus- und Einzelhandelsbranche sind betroffen.
21.12.2019 - 08:05 Uhr Kommentieren
Seit einem halben Jahr dauern die Proteste in Hongkong an. Quelle: dpa
Proteste in Hongkong

Seit einem halben Jahr dauern die Proteste in Hongkong an.

(Foto: dpa)

Peking Leere Straßen, leere Läden, leere Restaurants – die Shoppingmeilen von Hongkong wirken seit Monaten wie eine Fußgängerzone in Deutschland an einem Sonntagnachmittag. Seit dem Start der Proteste gegen die Hongkonger Regierung ist das einstige Einkaufsparadies wie ausgewechselt. Verkäufer stehen gelangweilt in menschenleeren Läden, in Restaurants sind nur vereinzelt Tische besetzt.

Hongkong verzeichnet in diesem Jahr den größten Einbruch der Besucherzahlen seit der SARS-Krise, als viele Menschen aus Angst vor der lebensgefährlichen Krankheit fernblieben. Allein im November kamen 56 Prozent weniger Touristen als noch im Vorjahreszeitraum.

Zu den Unruhen durch die Proteste kommt der Effekt des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China. Das hat gravierende Folgen: Im zurückliegenden Jahr ist die Wirtschaft in eine technische Rezession gefallen, das Bruttoinlandsprodukt wird laut einer aktuellen Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) wahrscheinlich um 1,2 Prozent schrumpfen. Für das nächste Jahr könnte es aufwärts gehen, wenn auch nur sehr langsam. „Es wird erwartet, dass sich die Wirtschaft im nächsten Jahr zu erholen beginnt“, schreiben die Experten vom IWF.

Rund sechs Monate dauern die Demonstrationen in der chinesischen Sonderverwaltungszone inzwischen an. Ursprünglich waren sie als Protest gegen ein von der Hongkonger Regierung geplantes Gesetz gestartet. Nachdem sich die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam monatelange geweigert hatte, den Entwurf formell zurückzuziehen, weiteten sich die Proteste zu Anti-Regierungsdemonstrationen aus.

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    Das Gesetz hätte ermöglicht, das Verdächtige an Festland-China ausgeliefert werden. Gegner fürchteten, dass Peking es nutzen würde, um politische Kritiker auszuschalten. Hongkong gehört seit seiner Rückgabe durch Großbritannien als Sonderverwaltungszone zu China, wird aber autonom regiert. Im Gegensatz zu Festland-China existiert in Hongkong ein funktionierendes, unabhängiges und international anerkanntes Rechtssystem.

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    Die Proteste waren zunächst friedlich gestartet. Weil sich die Protestierenden nicht gehört fühlten, schlugen sie dann aber zunehmend in Gewalt um. Über den Sommer blockierten einige Demonstranten wichtige Straßenverkehrswege und beschädigten U-Bahn-Stationen so stark, dass die Betreibergesellschaft den Betrieb auf mehrere Strecken begrenzte oder umleitete.

    Hongkong war vor den Protesten allem bei Festland-Chinesen beliebt, sie machen rund drei Viertel aller Besucher aus. Neben Sehenswürdigkeiten gingen sie vor allem shoppen. Dass sie nun wegbleiben, zeigt sich nicht nur in der Tourismusbranche, sondern auch im Einzelhandel. Allein im Oktober gingen die Umsätze um mehr als 24 Prozent im Vorjahresvergleich zurück.

    Viele Unternehmen hatten sich auf die Zielgruppe der chinesischen Touristen spezialisiert, wie der 39-jährige Timothy Chui Ting Pong, Direktor bei dem Reiseagenturen-Verband Hong Kong Tourism Association und Chef eines kleinen Drei-Mann-Betriebes, der Hotels und Ausflüge für chinesische Touristen organisiert. Früher hat er gut verdient, erzählt er, konnte weite Reisen machen. Als nächstes wollte er nach Europa fliegen.

    Doch daraus wird jetzt nichts. Seit September orientiert er sich um. Er kämpft um das finanzielle Überleben. Um neue Kunden zu gewinnen, fährt er nun drei- bis viermal im Monat nach Taiwan, Macao oder Japan. Gerade ist er aus Japan wiedergekommen. „Es ist anstrengend“, sagt er. „Aber es ist nicht schlimm, ich will mich nicht beschweren, andere hat es schlimmer getroffen“.

    Laut Mitte Dezember veröffentlichten Zahlen der Hongkonger Regierung ist die Arbeitslosenquote in Branchen, die auf den Tourismus angewiesen sind, zwischen September und November auf 5,2 Prozent gestiegen – zuletzt gab es diesen Stand vor drei Jahren. Besonders viele Entlassungen gab es bei Jobs in der Gastronomie, wo die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent anstieg – ein Achtjahreshoch.

    Unternehmen halten an Hongkong fest

    Internationale Unternehmen, die Hongkong vor allem als Standort für den Zugang zum chinesischen Markt haben, sind von den Protesten zwar auch betroffen. Sie haben aber vor allem das Problem, dass Mitarbeiter in den vergangenen Monaten wegen des eingeschränkten Öffentlichen Nahverkehrs oder Straßenblockaden nicht ins Büro kommen konnten.

    Die deutsche Außenhandelskammer in Hongkong (AHK) sieht darüber hinaus jedoch wenig weitere Effekte der Proteste auf die deutschen Unternehmen. „Trotz dieser Probleme berichtete die Mehrheit der Befragten unserer monatlichen Umfragen seit August über keine gravierenden Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung“, heißt es von der AHK.

    Die Mehrheit der Unternehmen hält am Standort Hongkong fest. Nur eine „Handvoll“ der Anfang Dezember befragten Unternehmen berichteten über Überlegungen oder Vorbereitungen zur Verlagerung ihrer Aktivitäten nach Singapur oder anderen Märkten im Asien-Pazifik-Raum.

    Auch der befürchtete große Kapitalabfluss aus Hongkong ist bislang ausgeblieben. „Die Interbankenkurse sind stabil geblieben, die Nettokapitalabflüsse waren begrenzt“, schreibt der IWF in seiner Analyse. Eine Erhebung der Bank of England Mitte Dezember schätzt die Kapitalabflüsse aus Investmentfonds seit April auf rund 5 Milliarden US-Dollar und bezeichnet sie als „signifikant“.

    Der IWF bescheinigte Hongkong als Finanzstandort hohe Widerstandskraft. Banken hätten „starke Kapital- und Liquiditätspuffer“ aufgebaut, sowohl die Kapitalisierung als auch das Liquiditätsniveau lägen deutlich über internationalen Standards.

    Der Immobiliensektor ist überraschenderweise wenig von den Protesten betroffen. Die Rückgänge bei den Immobilienpreisen seien „moderat“ gewesen, schreibt die Bank of England. Allerdings sind die Transaktionen auf dem Markt für Gewerbeimmobilien seit April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent zurückgegangen.

    Experten gehen davon aus, dass die Hongkonger Regierung im nächsten Jahr weitere Maßnahmen ergreifen wird, um die Wirtschaft zu stützen. Dass die Proteste in den nächsten Monaten aufhören, ist nicht in Sicht.

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