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Asien-Pazifik-Konferenz: Hoffen auf Fernost: Warum die deutsche Wirtschaft auf Asiens Comeback setzt

Angesichts des US-chinesischen Streits und der Corona-Pandemie diversifizieren deutsche Unternehmen zwar ihre Lieferketten. Doch die Bedeutung Asiens hat sich durch die Pandemie sogar noch erhöht.
19.10.2020 - 17:33 Uhr Kommentieren
Asien kam besser durch die Krise als viele andere Regionen. Bei der Konjunkturerholung nach der Corona-Pandemie spielt Asien deshalb eine wichtige Rolle. Quelle: Bloomberg
Containerschiffe im Hafen von Busan

Asien kam besser durch die Krise als viele andere Regionen. Bei der Konjunkturerholung nach der Corona-Pandemie spielt Asien deshalb eine wichtige Rolle.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Dieses Jahr hatte die deutsche Asienwirtschaft ihre Asien-Pazifik-Konferenz eigentlich ganz im olympischen Geist geplant: Das wichtige deutsch-asiatische Forum sollte in Tokio, dem Austragungsort der olympischen Spiele stattfinden. Doch die Covid-19-Pandemie durchkreuzte die Pläne. Die Konferenz fand nur in Berlin statt und wurde online in alle Welt übertragen.

An Diskussionsstoff mangele es nicht, sagte Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Videobotschaft. Und Siemens-Chef Joe Kaeser stellte als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft vor der Konferenz klar, dass die APK angesichts der wachsenden Rivalität zwischen den USA und China und der Pandemie „wichtiger denn je“ sei.

„Es ist ganz wichtig, dass Europa dabei nicht einfach zusieht“, sagte Kaeser zum Wettstreit der beiden Wirtschaftsmächte. „Klar ist aus Sicht der Wirtschaft, dass wir unsere Werte und Interessen angemessen vertreten müssen.“ Außerdem benötige die Welt viel mehr Kooperation im Kampf gegen die Pandemie. Doch stattdessen wüchsen Nationalismus und Protektionismus, so Kaeser. „Und die Rhetorik wird aggressiver.“

Wie sehr die Region mit ihren wachsenden Konflikten inzwischen der Wirtschaft beschäftigt, zeigte der Kurzauftritt der Kanzlerin. Sie betonte die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit und die neuen indo-pazifischen Leitlinien der Regierung, in denen die Regierung unter anderem Möglichkeiten der Zusammenarbeit außerhalb Chinas aufzeigt.

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    „Wir sehen, dass sich damit für unseren Außenhandel auch neue Perspektiven eröffnen“, so Merkel. Derzeit gingen allein drei Viertel der deutschen Exporte nach Ostasien, die Hälfte nach China. „Angesichts dessen bieten sich noch viele Möglichkeiten der Diversifizierung und Erschließung weiterer Märkte in der gesamten Asien-Pazifik-Region.“ Oder wie Kaeser es ausdrückte: „Asien ist nicht nur China, das wird leicht vergessen.“

    Asien als Wachstumstreiber

    Die Pandemie hat die Bedeutung Asiens noch erhöht. „Es besteht kein Zweifel, dass der asiatisch-pazifische Raum der Motor für die globale Erholung und das künftige globale Wachstum sein wird“, sagte Australiens Finanzminister Mathias Corman. Denn viele Regierungen der Region haben Covid-19 deutlich besser unter Kontrolle als Europa oder die USA.

    Chinas Wirtschaft wuchs nach amtlichen Angaben im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent. Der Rest Asiens wird von der Krise zwar härter getroffen. Aber der internationale Währungsfonds sagt voraus, dass die Region 2021 um mehr als 50 Prozent schneller als der Weltdurchschnitt und doppelt so schnell wie die entwickelten Länder wachsen wird.

    Europäische und gerade deutsche Unternehmen sind bei der Jagd nach der Zukunft sowohl im reichen Japan als Wertepartner, Kooperationspartner in Sachen Industrie 4.0 und Gegengewicht gegen China als auch in den Schwellenländern als Investor gern gesehene Partner. Das machten Minister aus Japan und Indonesien deutlich.

    Gleichzeitig drängt die deutsche Industrie weiterhin nach Asien, und dies nicht nur wegen der Märkte. Als eine Arznei auf die Lieferprobleme während der Pandemie setzen die Unternehmer auf der APK ohne Ausnahme auf eine Diversifizierung der Lieferquellen und Produktionsstandorte, so wie Stefan Oschmann, Chef des Chemiekonzerns Merck. „Ich bin unglücklich über das Gerede über eine Rückholung der Lieferkette“, sagte Oschman. Dies sei völlig unrealistisch. „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit.“

    Cathrina Claas-Mühlhäuser vom Landmaschinenhersteller Claas steuerte die Sicht eines Familienunternehmens bei. Das Unternehmen habe in den vergangenen zehn Jahren massiv in Asien diversifiziert, stelle nun auch für den Export nach Europa dort her. „Diversifizierung wird immer wichtig sein, es geht um die Balance und Risikomanagement“, so Claas. „Es hat keinen Sinn, sich von irgendeinem Markt zurückzuziehen.“

    Die Europäische Union ringt um ihre Rolle

    Das gilt auch für die große industrielle und technologischen Entkopplung der USA von China, die derzeit die Unternehmenswelt besorgt. Man könne den Streit der Großmächte zwar nicht ignorieren, sagte Martin Brudermüller, Vorsitzender des Vorstands und Chief Technology Officer von BASF. „Ich denke, dass die Entkoppelung nicht wirklich eine Option ist.“

    Die USA und China würden zwar keine Freunde. „Aber sie sind enger miteinander verstrickt als viele Menschen glauben.“ Allerdings erwartete er, dass sich Unternehmen neu positionieren müssten, um auf die Wenden im Streit zu reagieren. „Es wird anstrengend sein, und teurer.“

    Die Teilnehmer an der APK teilen offenbar die Ansicht. In einer Online-Umfrage sprachen sich eine große Mehrheit für eine eigenständige Rolle der Europäischen Union aus. Damit dies allerdings zieht, müssen der Kontinent und Deutschland wettbewerbsfähig sein, machte Brudermüller deutlich. „Wenn Sie in dieser Welt leben, müssen Sie sich als interessanter Partner positionieren.“

    Klaus Rosenfeld, der Chef des Automobilzulieferers Schäffler nannte ein Feld: „In der Digitalisierung steckt noch ein riesiges Potenzial.“ Der Schäffler-Chef verwies auf Stichwort wie die Industrie 4.0 und den Aufbau einer smarten Produktion. „Wir haben viel zu teilen.“

    Mehr: Interview - „Japan und Deutschland sind dafür verantwortlich, die digitale Transformation anzuführen“

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