Asmussen Die EZB hat ihr Pulver verschossen

Jörg Asmussen verteidigt das Vorgehen der Europäischen Zentralbank. Der EZB-Direktor sieht in erster Linie die Länder in der Pflicht. Die Notenbank könne nicht mit Geldpolitik die Probleme der Staaten lösen.
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Joerg Asmussen, Chefvolkswirt im Direktorium der Europaeischen Zentralbank, sieht die Staaten in der Pflicht. Quelle: dapd

Joerg Asmussen, Chefvolkswirt im Direktorium der Europaeischen Zentralbank, sieht die Staaten in der Pflicht.

(Foto: dapd)

BerlinEZB-Direktor Jörg Asmussen hält die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) für weitgehend ausgeschöpft, zur Lösung der aktuellen Probleme in der Euro-Zone beizutragen. „Wir können das Regierungshandeln nicht ersetzen, wir können keine Haushalte konsolidieren, keine Wettbewerbsfähigkeit herstellen oder Banken sanieren“, sagte Asmussen der „Stuttgarter Zeitung“ vom Donnerstag.

„Der überwiegende Teil der Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden müssen, liegt in der Verantwortung der Regierungen.“ Und mit Blick auf die Schwierigkeiten in Italien bei der Regierungsbildung merkte er an: LZur Lösung dieses Problems in Italien kann die EZB nichts beitragen“.

Asmussen warnte vor der Erwartung, dass der Druck zu Reformen in den Euro-Ländern langsam abnehmen könnte. „Die Erholung wird nicht so schnell vorangehen, so dass der Druck, die Staatshaushalte zu konsolidieren und die Strukturen zu reformieren, noch eine ganze Weile anhalten wird“, sagte er. „Die Hauptsorgen, die ich für dieses Jahr noch habe, sind ein Abflauen der Reformbemühungen und ein Rückfall in nationale Reflexe“.

Der EZB-Direktor verteidigte die nicht unumstrittene Politik der Notenbank mit der Bereitschaft zu Käufen von Staatsanleihen als „im Rahmen unserer Aufgaben“. Er teile aber einzelne Sorgen von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dass manche meinten, die Geldpolitik sei „so eine Art Allzweckwaffe“ geworden. Wenn etwa ein Land keine Regierung habe, weil die Bevölkerung der politischen Klasse nicht mehr traue, „kann die Geldpolitik das nicht beheben“. Gleiches gelte für den Fall, dass ein Land nichts tue, um Reformen und Wettbewerbsfähigkeit voranzubringen.

Auf die Frage, ob der Austritt eines Mitglieds aus der Eurozone denkbar sei, antwortete er: „Rechtlich ist das zurzeit gar nicht möglich.“ Wichtiger sei aber, dass alle Beteiligten zuletzt klar gemacht hätten, dass sie so etwas nicht wollten.

  • rtr
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17 Kommentare zu "Asmussen: Die EZB hat ihr Pulver verschossen"

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  • Als Ziehkind vom hochvereehrten Schäuble erwarte ich nicht mehr. Soll er ihn in den Rücken fallen ?
    An alle Mitarbeiter der EU: " Ihr seid Alle gefeuert !"

  • Rechtlich war es auch nicht möglich sich über Maastrich hinweg zu setzen. Wenn uns die einen Verträge nicht kümmern, dann müssen es die anderen auch nicht. Dieses Europa basiert nicht auf Recht und Gesetz und ist auch nicht demokratisch legitimiert nur weil eine Gruppe selbsternannter Europapolitiker ihr Mandat missbrauchen. Die Völker Europas entscheiden zukünftig selber!

  • Der EZB-Direktor verteidigte die nicht unumstrittene Politik der Notenbank mit der Bereitschaft zu Käufen von Staatsanleihen als „im Rahmen unserer Aufgaben“.
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    Lt. Verträge war es Notenbanken verboten, Staatsanleihen aufzukaufen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Ein Zurückrudern aus freien Stücken klingt unglaubwürdig, vielleicht ist es die späte Einsicht, dass es ein schwerwiegender Fehler war.

    Interessante Hintergründe zu Asmussen:
    http://www.youtube.com/watch?v=G7va0n85Bcc

  • Rechtlich ist das zurzeit gar nicht möglich.“ Wichtiger sei aber, dass alle Beteiligten zuletzt klar gemacht hätten, dass sie so etwas nicht wollten.

    Na wenn es rechtlich zur Zeit nicht möglich ist, dann wird es höchste Zeit, dass es rechtlich eben doch möglich wird. Wieder ein grundsätzlicher Fehler, wie so viele. Flickwerk an allen Ecken und Enden.

    Und wenn jemand nicht gehen mlöchte, dann ist das die Erklärung einer Person. Wie wäre es mit dem Einverständnis der anderen?

    Asmussen hat eine äusserst einseitige Art des Denkens.

  • Jedes Land kann austreten.
    http://www.youtube.com/watch?v=qyxTaytckeE

  • viel wichtiger ist es, den Bänkern in der Schweiz und anderen Steueroasen endlich das Handwerk zu legen.
    Wie kann ein Land wie die Schweiz, welche zentral in Europa angesiedelt ist den Euro in die Knie zwingen und Millionen Menschen in den Ruin schicken.

    mfg

    P. Werner

  • Das Geld der EZB wird nur in den Markt geschwemmt, damit die Banken ihre Staatsanleihen "in bare Münze" zurückbekommen ... in Dollar tauschen ... und in den Dow Jones und co. fliessen. Das ist "Draghi's Auftrag" ...

    Das heisst, die ESM-Schulden liegen bei der EZB (beim deutschen Steuerzahler für die nächsten 100 Jahre) und das Geld landet an der NYSE. Prima Transfers !

    Allerdings haben die Gläubiger der Staatsanleihen natürlich auch das Recht irgendwann ihre Investition "ausbezahlt" zu bekommen. Der SCHULDIGE ist der Staat, der Jahrzehte auf Pump gelebt hat. Seine ausbezahlten Anleihen überschwemmen jetzt die Märkte.

  • „Rechtlich ist das zurzeit gar nicht möglich.“

    ??? Hält sich etwa die EZB ans Recht ?
    Wieso kauft sie dann seit Mai 2010 Staatsanleihen von den PIGS-Staaten, das sie garnicht darf, laut Lissabon-Vertrag !

    Man sieht also wieder: Gesetze und Recht wird nur dann ins Spiel gebracht, wenn es unseren "Oberen" in den Kram paßt !

    SO NICHT !

  • "Dicke Berta" und jetzt "die Mittel der EZB sind begrenzt". Sind das denn alles Vollidioten, arbeiten die überhaupt in der gleichen Firma? Da ist die EZB wohl mit geschwellter Brust mit großer Kanone an die Front gezogen und hat verdrängt dass eine große Kanone auch viel und in diesem Fall unbeschränkte Mengen und Nachschub an Munition braucht. Das beste Maschinengewehr ist gar nichts wert wenn hinter der Front nicht die Jungs dauernd neue Kisten mit Monition ranschleifen. Jetzt werden wir wohl darauf vorbereitet dass "Bonds" alternativlos sind. Aber das hat Soros ja schon erklärt: damit lösen wir aber das Problem der ungenügenden Wettbewerbsfähigkeit nicht. Kann man bald das Denken mal vor dem Handeln einschalten??

  • „Die Hauptsorgen, die ich für dieses Jahr noch habe, sind ein Abflauen der Reformbemühungen und ein Rückfall in nationale Reflexe“.
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    Diese Sorge ist durchaus berechtigt. Und das Abflauen von Reformbemühungen werden wir von Tag zu Tag stärker erleben, denn die Bankrotteure können das gar nicht durchhalten, weil sie mental und charakterlich nicht dazu ausgerüstet sind. Sie könnten schon, wenn sie WOLLTEN, aber .......

    Auf die Frage, ob der Austritt eines Mitglieds aus der Eurozone denkbar sei, antwortete er: „Rechtlich ist das zurzeit gar nicht möglich.“
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    Ein Vertrag, der keine Rücktrittsklausel enthält, ist gar nicht rechtskräftig. Auch Verträge, die bewusst durch falsche Angaben zustande gekommen sind, wo sich Mitglieder also hineinbetrogen haben, sind nicht rechtskräftig. Also: .......

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