Asylsuchende Die ungewöhnlichen Routen der Flüchtlinge

Seite 3 von 4:
Frankreich: Überseegebiet Mayotte ist beliebt

„Innerhalb eines Jahres hat die Situation sich extrem verschlechtert“, sagt Michel Rami, ein Gynäkologe in Rente, der öfter mal im einzigen Krankenhaus in Mamoudzou auf Mayotte aushilft. Es gibt viele Notfälle und die Patienten haben große Verbrennungen nach einer mehrstündigen Reise in einem kleinen Boot unter Extrembedingungen. Sie überqueren die 70 Kilometer, die Mayotte von Anjouan, einer der drei Inseln der Komoren, trennen.

Für die Überfahrt in das französische Département und damit in die EU verlangen Schlepper zwischen 300 und 500 Euro. Mayotte hatte 1976 entschieden, französisch zu bleiben, während die Komoreninseln unabhängig wurden. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt seit einiger Zeit zu. Im Jahr 2014 wurden 25 Prozent mehr an die Grenzen zurückgebracht als im Jahr zuvor. Fast 600 Boote wurden 2014 aufgefangen, viele Flüchtlinge haben auch ihr Leben gelassen, so wie im Mittelmeer.

Die Flüchtlingswelle auf Europas Schienen
Hunderte Flüchtlinge in den Zügen nach Österreich und Deutschland
1 von 8

Seit Montag sind Hunderte Flüchtlinge in Zügen unterwegs von Ungarn nach Österreich und Deutschland. Nach den gemeinsamen EU-Asylregeln ist Ungarn verpflichtet, alle Einwanderer zu registrieren. Viele Flüchtlinge wollen aber gleich nach Österreich oder Deutschland weiterreisen. Ungarn hatte ihnen am Montag die Weiterreise erlaubt.

Die Reise beginnt in Griechenland
2 von 8

Für viele Flüchtlinge beginnt die Reise durch Europa in Griechenland. Wie hier in Idomeni, nahe dem Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien, warten sie auf Züge, die sie über den Balkan nach Westeuropa bringen.

Auf dem Weg nach Budapest
3 von 8

Diejenigen, die es über Mazedonien und Serbien nach Ungarn geschafft haben, machen sich auf den Weg in die Hauptstadt Budapest, um von dort nach Österreich und Deutschland weiterzureisen.

Ungarn gibt Züge frei
4 von 8

Ungarns Polizei ließ die Flüchtlinge am Montag zu hunderten am Keleti-Bahnhof in Budapest Züge Richtung Österreich besteigen. Bis zu 2000 Menschen hatten seit Tagen in provisorischen Lagern in der ungarischen Hauptstadt ausgeharrt. Am Montag waren keine Sicherheitskräfte mehr zu sehen, die sie aufhielten.

Chaotische Zustände an der Grenze
5 von 8

An der ungarisch-österreichischen Grenze (wie hier in Hegyeshalom) kam es in der Folge zu teils chaotischen Zuständen, die Züge wurden am Nachmittag für Kontrollen vorübergehend gestoppt und mussten in der Hitze warten.

Angekommen in München
6 von 8

In München und Rosenheim kamen am Montagabend fast 1000 Menschen an. Deren Personalien wurden zum Teil noch am Hauptbahnhof erfasst, zum Teil wurden sie aber direkt mit von der Regierung von Oberbayern eingesetzten Bussen in Flüchtlingsunterkünfte in ganz Bayern gebracht.

Noch mehr Menschen erwartet
7 von 8

Voraussichtlich werden in den kommenden Tagen noch viele weiter Flüchtlinge in Bayern ankommen. In den Flüchtlingszügen aus Ungarn sind nach Polizeiangaben allein am Montagabend 3650 Asylsuchende in Wien angekommen. Ein Großteil davon habe sich auf die Weiterreise nach Deutschland begeben, sagte ein Sprecher der Wiener Polizei am Dienstagmorgen.

Viele zieht es auch aus medizinischen Gründen nach Mayotte. Wer Geld hat auf den Komoren fliegt ohnehin mit dem Flugzeug nach Mayotte oder La Réunion, die anderen werden auf den Komoren unter katastrophalen Bedingungen behandelt, oder gar nicht, wenn das Personal mal wieder streikt. Deshalb führt der Weg auch für die Ärmeren oft nach Mayotte. Das Krankenhaus dort ist für 200.000 Einwohner ausgerichtet. Doch die Zahl der illegalen Einwanderer auf der Insel wird auf 100.000 bis 150.000 geschätzt, genaue Statistiken gibt es nicht. Wartezeiten von 48 Stunden auf eine Operation sind deshalb nicht selten.

Dazu kommt ein Geburtenboom. Mayotte ist das französische Département, in der die Geburtenrate am höchsten ist. 70 Prozent der Gebärenden sind illegal und erstreben die französische Nationalität für ihre Kinder. Insgesamt werden 40 Prozent der Behandlungen an Patienten durchgeführt, die nicht ins Sozialsystem einzahlen.

Tanja Kuchenbecker, Paris

Italien: Der Brenner ruft
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%