Atomprogramm Teheran setzt letzte Frist

Der Iran hat eine zunächst für Montag angekündigte Wiederaufnahme seines umstrittenen Atomprogramms um zwei Tage verschoben. Teheran reagiere damit auf eine Bitte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien, sagte der Sprecher des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Ali Agha Mohammadi.
Atomforschungsanlage Isfahan. Foto: dpa

Atomforschungsanlage Isfahan. Foto: dpa

HB TEHERAN/WIEN. IAEO-Chef Mohammed El Baradei wolle Inspektoren in den Iran entsenden, um die Wiedereröffnung der von seiner Behörde versiegelten Anlage Isfahan zu überwachen. Dafür habe El Baradei sich „maximal zwei Tage“ Zeit erbeten, sagte Mohammadi.

Am Montag hatte der Iran der IAEO in Wien wurde ein Schreiben übergeben, wonach Iran seine Aktivitäten im Atomforschungszentrum von Isfahan ab sofort wieder aufnehmen will. Die IAEO-Inspekteure in Isfahan wurden aufgefordert, im Dezember 2004 angebrachte Siegel an der Atomanlage zu entfernen. In Isfahan wurde bis zur Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Iran und Europäischer Union (EU) Ende 2004 das hochgiftige Gas Uranhexafluorid hergestellt, eine Voraussetzung für die Urananreicherung in Gaszentrifugen.

Kurz vor der Übergabe des Schreibens an die IAEO hatte Teheran die Europäer ultimativ aufgefordert, bis 14.30 Uhr deutscher Zeit ihre angekündigten Vorschläge für ein umfassendes Abkommen mit Iran vorzulegen. Das so genannte EU-Trio - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - will Iran jedoch seine Vorschläge erst "in den nächsten Tagen" übermitteln.

Der stellvertretende Chef der iranischen Atombehörde, Mohammed Saiidi, räumte jedoch zugleich ein, man habe gar nicht erst auf die Vorschläge der EU gewartet, weil die Union Irans "Hauptforderung nach einer Wiederaufnahme der Urananreicherung sowieso nicht akzeptieren" werde. Teheran hatte sich im November 2004 im Pariser Abkommen mit der EU zum vorläufigen Verzicht auf die Anreicherung von Uran bereit erklärt. Hoch angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen verwendet werden. Vor allem die USA unterstellen Teheran geheime Pläne zum Bau von Atomwaffen.

Frankreich bezeichnete den Druck der iranischen Regierung am Montag als "völlig inakzeptabel". Europäische Diplomaten in Wien sprachen von einer "krisenhaften Entwicklung", falls Teheran sein Atomprogramm wieder aufnehme. Allerdings wolle man zunächst abwarten, wie weit Teheran gehen werde.

Bei der EU in Brüssel zeigte man sich "überrascht" von dem iranischen Schritt. In Berlin hatte Außenamtssprecher Jens Plötner zuvor erklärt, die Wiederaufnahme des Atomprogramms durch Teheran wäre "ein Schritt in die falsche Richtung". Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte bereits am Wochenende vor einer "Fehlkalkulation" Irans gewarnt.

IAEO-Chef Mohammed el Baradei sagte: "Ich fordere Iran auf, den Verhandlungsprozess mit dem EU-Trio fortzusetzen und keine Schritte zu unternehmen, die den Prozess in dieser kritischen Phase gefährden könnten." Russland, das Iran Nukleartechnologie und -brennstoff liefert, forderte die Führung in Teheran auf, von der Wiederaufnahme der Uran- Anreicherung Abstand zu nehmen. Die iranische Regierung solle auf vorschnelle Schritte verzichten und stattdessen weiter den Dialog mit der IAEO suchen, erklärte das Moskauer Außenministerium.

Die Entscheidung Teherans folgte einem Streit mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien am Wochenende über den genauen Zeitpunkt der Fortsetzung der im Juni ausgesetzten Atomgespräche mit Iran. Das EU-Trio will Teheran mit einem ganzen Katalog von Angeboten zur Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zum endgültigen Verzicht auf die umstrittene Urananreicherung bewegen. Dem Vernehmen nach will die EU Teheran unter anderem die Belieferung mit nuklearem Brennstoff für seine geplanten Atomkraftwerke garantieren.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%