Attraktive Steuersätze Europa, das Steuerparadies

Nicht nur Luxemburg und die Schweiz gelten als europäische Steueroasen. Eine ganze Reihe von EU-Staaten buhlt mit steuerlichen Lockvogelangeboten um Kundschaft. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reißt die Hutschnur.
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In Europa gibt es viele Länder, die mit attraktiven Steuersätzen um Unternehmen buhlen. © lekcets - Fotolia.com Quelle: Fotolia.com

In Europa gibt es viele Länder, die mit attraktiven Steuersätzen um Unternehmen buhlen.

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DüsseldorfDie Internet-Adresse ist britisch, das Geschäft ebenso. Amazon.co.uk erwirtschaftete im vergangenen Jahr vier Milliarden Euro in Großbritannien. Doch für den dortigen Fiskus ist das weltgrößte Online-Versandhaus ein Nichts. Denn Amazon hat seinen britischen Ableger als reinen Auslieferungsbetrieb deklariert, die Gewinne fließen ins Großherzogtum Luxemburg. „Indem wir unsere Europa-Zentrale in Luxemburg ansiedeln, erwarten wir im Laufe der Zeit einen attraktiveren Steuersatz“, erklärte der Konzern im Jahr 2006 unumwunden. Und so kam es auch.

Mitten in Europa gedeihen Steuerparadiese, die durchaus mit anrüchigen karibischen Eilanden konkurrieren können. Auf dem weltweiten Finanzgeheimnis-Index des Tax Justice Network landet Luxemburg auf Platz drei; davor liegen nur noch die Schweiz und die Cayman Islands. Die Nichtregierungsorganisation schätzt, dass 13 Prozent des Geldes, das weltweit in Steueroasen versteckt ist, in Luxemburg lagert. Selbst die Zyprioten, die ihre Insel offen als Steueroase anpreisen, bezeichnen das Großherzogtum zwischen Deutschland und Frankreich als einen ihrer härtesten Konkurrenten.

Nicht nur Luxemburg und Zypern, eine ganze Reihe von EU-Staaten buhlt mit steuerlichen Lockvogelangeboten um Kundschaft. Die Zwergstaaten Malta, Andorra und Monaco sind genauso dabei wie Irland mit einem attraktiven Steuersatz von 12,5 Prozent für Unternehmen; die Niederlande machen sich für Holdings interessant, Belgien wiederum lockt mit der Möglichkeit, das Eigenkapital mit einem fiktiven Zinssatz zu belasten, um so die Steuerlast zu senken.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reißt inzwischen die Hutschnur. Zusammen mit dem britischen Schatzminister George Osborne startete Schäuble beim jüngsten G20-Finanzministertreffen eine Initiative gegen die „Aushöhlung“ des Steuersystems. Selbst die freisinnigen Briten, die bisher viel von Steuerwettbewerb gehalten haben und derzeit ihren Unternehmensteuersatz von 26 auf 22 Prozent schrittweise senken, sehen ihre Staatseinnahmen durch noch niedrigere Steuersätze anderswo in der EU gefährdet. Auf rund eine Billion Euro jährlich schätzt EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta die Ausfälle, die den 27 EU-Staaten durch Steuerhinterziehung und aggressive Steuergestaltung entstehen.

Juncker geht Berlin mit seiner Bigotterie auf die Nerven

Das Thema gewinnt angesichts der Staatsschuldenkrise an Fahrt. „Unfairer Steuerwettbewerb ist unvereinbar mit Haushaltskonsolidierung“, sagt Schäubles Parlamentarischer Staatssekretär Hartmut Koschyk (CSU) und ergänzt: „Jeder, der Führungsverantwortung in Europa hat, muss jetzt das Notwendige im eigenen Land tun.“ Koschyk spricht den Namen nicht aus, aber er meint vor allem Jean-Claude Juncker. Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Regierungschef soll endlich seine Blockade gegen stärkere Steuerkontrollen und gewisse Mindeststandards aufgeben.

Juncker geht Berlin und Brüssel mit seiner Bigotterie allmählich auf die Nerven. Auf der einen Seite verlangt er großzügig Gemeinschaftshilfen zugunsten der Krisenländer – bis hin zu Euro-Bonds. Auf der anderen Seite weigert er sich stoisch, seine Luxemburger Steueroasenpolitik aufzugeben.

Auch EU-Kommissar Šemeta ist sauer. „Jede Verbesserung der Steuereinnahmen in den Krisenländern würde deren wirtschaftliche Lage entspannen“, sagt der Litauer und ergänzt an die Adresse des Luxemburgers: „Deshalb denke ich, dass der Vorsitzende der Euro-Gruppe, zusammen mit allen Finanzministern, helfen sollte, unsere Politik für mehr Steuerehrlichkeit und -gerechtigkeit zu fördern“.

Doch in der Steuerpolitik zeigt sich, wie sehr Europa noch zerstückelt und zerstritten ist. Während jeder Traktorensitz von Brüssel genau genormt wird, gibt es in der zentralen Frage von Steuersätzen und -bemessungsgrundlagen keinerlei Harmonisierung. Jedes der 27 Mitgliedsländer kann sich unbehelligt sein eigenes Steuersüppchen kochen. Jede auch noch so kleine Vereinheitlichung bedarf hingegen der Zustimmung aller Staaten.

Fast wie eine verzweifelte Ersatzhandlung wirkt es, dass sich Deutschland und Europa im Kampf gegen Steuerhinterzieher bislang auf die Nicht-EU-Mitgliedstaaten Schweiz und Liechtenstein fokussieren. Kritik an Zypern, das gegenwärtig den EU-Ratsvorsitz innehat, wird nur hinter vorgehaltener Hand geübt. Fast peinlich war es der Bundesregierung, als vor einigen Tagen ein Dossier des Bundesnachrichtendienstes in die Öffentlichkeit gelangte, demzufolge die Insel im östlichen Mittelmeer vor allem Geld von russischen Oligarchen und zwielichtigen Levantinern anzieht.

Malta bleibt mit seinen Tricks weitgehend unbehelligt

Weiter westlich im Mittelmeer bleibt Malta mit seinen Tricks weitgehend unbehelligt. Mit einem offiziellen Steuersatz in Höhe von 35 Prozent ist Malta auf den ersten Blick gar kein günstiger Standort für Unternehmen. Doch dank Rückerstattungen an die Aktionäre bleiben unterm Strich nur fünf Prozent Steuerlast. Die EU-Kommission hat offenbar nichts gegen das exotische System einzuwenden.

Auf der Insel, die kleiner als Bremen ist, unterhalten deutsche Unternehmen wie "BASF", "BMW", "Fraport", "Puma" und die "Deutsche Bank" Tochtergesellschaften. Allerdings scheinen sie davon selbst peinlich berührt zu sein. Auf ihren Firmen-Web-Sites lassen die Konzerne ihre maltesischen Töchter gern außen vor. Beim Flughafenbetreiber Fraport hieß es etwa bis zur vorigen Woche: „Hier finden Sie alle unsere Töchter und Beteiligungen und deren Leistungsspektrum im Überblick“; doch die Fraport Malta Ltd. suchte man vergebens.

Milde geht die EU auch mit Irland um. Die Grüne Insel sticht andere Länder mit ihrem niedrigen Steuersatz von 12,5 Prozent aus. Zahlreiche Chemiekonzerne haben deshalb dort Produktions- und Forschungsstätten gegründet. Konzerne wie Apple, Google, Microsoft oder Oracle machen es sich einfacher und richteten lediglich kleine Dependancen ein, die dort ihre Lizenzen verwalten. „Mit hohen Lizenzgebühren können die Konzerne ihre milliardenschweren Gewinne im restlichen Europa abfischen“, erklärt der Wiesbadener Wirtschaftsprofessor Lorenz Jarass.

Zwar versucht Deutschland solche Praktiken zu unterbinden, indem das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) die Verrechnungspreise genau kontrolliert. Dafür soll das Personal bei der Bonner Behörde auch weiter aufgestockt werden, kündigte Schäubles Steuerabteilungsleiter Michael Sell an. Aber das ist nur Flickwerk. Wirksamer wäre es gewesen, die Euro-Staaten hätten vor zwei Jahren die Rettung Irlands (bisher ausgezahlt: 52 Milliarden Euro) mit der Bedingung verknüpft, den nationalen Steuersatz anzuheben. Aber dazu reichten offenkundig Macht und Mut der Retter nicht aus.

Niemand bezeichnet Luxemburg als Piratennest

So bleibt es dabei, dass „Irland wie Malta ein beliebter Standort für unternehmerische Gestaltungen ist“, sagt Oliver Schultze, Steuerberater in Pinneberg und auf Kapitalanlagenbesteuerung spezialisiert. „Der Vorteil im EU-Raum ist, dass es zwischen EU-Ländern die Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Diese Verträge verhindern, dass zwei Staaten auf die Gewinne zugreifen.“ Zudem seien EU-Länder nicht so verrucht wie Übersee-Steuerparadiese – beispielsweise die British Virgin Islands.

Das gilt insbesondere für Luxemburg. Ausgestattet mit der gleichen Vertraulichkeit wie die Schweiz, mit unschlagbaren Steuersätzen (beispielsweise 0,01 Prozent für institutionelle Investmentfonds) und einer laxen Bankenaufsicht, die weit hinter der deutschen BaFin zurückbleibt, hat sich das Großherzogtum zum Top-Finanzstandort gemausert (siehe Kurztextgalerie). Finanzdienstleistungen machen fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2011 bei 68.400 Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (30.300 Euro).

Trotzdem bezeichnet niemand das Land von Euro-Gruppen-Chef Juncker als Piratennest. Vielmehr kann es sich als die bessere Schweiz präsentieren. Und anders als die externen Eidgenossen kann das EU-Mini-Mitglied sogar alle steuerpolitischen Vorstöße aus Brüssel vereiteln, die seine Geschäfte zu stören drohen. Auch einem automatischen Informationsaustausch nach OECD-Standard verweigert sich Luxemburg. „Das Bankengeheimnis ist abgeschafft – Es lebe das Bankengeheimnis“, überschrieb jüngst der Leiter der Steuerabteilung der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL ein Plädoyer für den Datenschutz in seiner Branche.

Von der fiskalischen Zerrissenheit der Unionsländer profitieren neben reichen Bürgern vor allem multinationale Unternehmen. Solche, „die es sich leisten können, mit viel Aufwand die gesetzlichen Besonderheiten in den einzelnen Ländern auszuschöpfen“, sagt Sven Oberle vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. „Leidtragende sind vor allem Mittelständler, die ihre Strukturen nicht nach steuerlichen, sondern nach ökonomischen Kriterien ausrichten.“ Gerade Mittelständler trügen die Kosten, so Oberle, wenn der Fiskus mit Zinsschranken oder scharfen Verrechnungspreisvorschriften reagiert.

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48 Kommentare zu "Attraktive Steuersätze : Europa, das Steuerparadies für Unternehmen"

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  • @conforma
    Effektive Unternehmenssteuersätze:
    Japan(36,5%), USA(36.5%), FR(32.8%), Malta(32.2%), SP(31.9%), DE(28.2%).

  • @987
    Sie sagen:
    "Auch in Deutschland können Ausländer steuerfreie und anonyme Konten eröffnen",
    --Haben Sie einen Link dazu?

  • Zitat:
    Da wird jemand, der etwas leistet, hart arbeitet und einen passenden Lohn verdient, als reich angesehen und ausgepresst, damit Parasiten ... finanziert werden.

    Das ist sehr pauschal gesagt.
    Nicht jeder der hart arbeitet bekommt auch einen passenden Lohn.
    Nicht jeder der viel Geld verdient muss dafür auch hart arbeiten.
    Wenn jemand hart arbeitet und dabei gut verdient heißt das nicht automatisch das dies einen Mehrwert für die Gemeinschaft hat. Es kann sogar das gegenteil der Fall sein !
    UND nicht jeder der Hilfe braucht ist ein Schmarotzer.

  • Zitat:
    warum verlassen 120.000 bis 150.000 junge Deutsche
    JEDES JAHR unser ... Land ...?
    Weil sie bei uns im Verhältnis zu ihrer Leistung
    ... missbraucht werden - ... vor allem vom STAAT..!

    Warum kommen dann jedes jahr auch viele hierher ?
    Das man bei uns höhere Abgaben zahlen muss als in einigen(!) anderen Ländern liegt auch daran, dass eine Hochschulausbildung bei uns Vielen möglich ist, die z.B. in den USA nie die Chance dazu hätten.
    Und nach dieser Ausbildung geht man dann in die USA weil man dort ja gerechter behandelt wird ...
    (Das ist jetzt nur ein Beispiel)
    UND der Staat, das sind übrigens wir alle ! ; -)

  • Zitat:
    Als Leistungsträger wird man in diesem Land beschimpft und als Ausbeuter hingestellt.
    Da gibt es Politiker in unserem Land ... mit abgebrochenem Studium

    Wer ist ein Leistungsträger ?
    Nicht automatisch jemand der Geld verdient !
    Erzieher und Altenpfleger sind auf jeden Fall keine Großverdiener ...

    Wir haben gelernt dass ein Doktor-Grad nicht automatisch einen guten Politiker macht.
    Also muss ein abgebrochenes Studium auch nicht unbedingt auf einen schlechten Politiker hinweisen ;-)

  • Chainsaw massacre ...

    http://central.banktunnel.eu/20121127-hoelderlin-ecke-hanauer-BALKAN-chainsaw-massacre.jpg

  • Wohin man schaut werden die wirklichen Probleme durch die globale Politik nicht angegangen oder gelöst. Das ist nicht nur in der Politik sondern mittlerweile in Konzernen nicht mehr anders. Da man die Komplexität nicht mehr im Griff hat konzentriert man sich die Dinge am Laufen zu halten und mindestens die Zahlen zu frisieren.

    Die Lösungen liegen nahe doch werden nicht angegangen:
    1. Die Reichen in die Pflicht nehmen und alles nicht versteuerte Vermögen komplett beschlagnahmen (Die US würde es nicht anders machen) Die EU wäre damit bereits einen Großteil der Schulden los und nicht Kinder müssten unter Perspektivlosigkeit leiden.
    2. Virtuelle Werte und Kurzfristigkeit dürfen sich nicht mehr rechnen. Aktien sind mindestens 1 Jahr zu halten und Provisionen voll tranparent machen. Das erzeugt Nachhaltigkeit.
    3. In Kinder und Bildung investieren und Subventionen für Bauern und Kohle endlich steichen.
    4. Leistung muss sich lohnen sonst werden die Staaten demnächst in Unruhen untergehen. Vollkommende Überarbeitung der Steuerkonzepte. Beamte und Selbständige mit einem insgesamt für alle kleineren Anteil mit in die Pflicht nehmen.
    5. Verbrecher (Umweltsünder, Steuerbetrüger, unfaire Leiharbeitsfrimen und Schwarzabrbeiter) endlich richtig bestrafen. Alle anderen leiden darunter und wir werden mit Neugründungen auf dem Namen der Ehefrau ausgelacht.
    6. Auch die Großen wie Apple, Starbucks und Co müssen hier in Deutschland Steuern zahlen. Lizenz und andere Steuertricks unterbinden. Ohne deren Beteiligung an den Sozialstaaten geht es nicht. Kleine Anbieter werden ansonsten noch schneller totgemacht.

  • http://www.krone.at/Wissen/Papst_Benedikt_XVI._bezweifelt_Datum_von_Jesu_Geburt-In_seinem_neuen_Buch-Story-341955

  • Stiftung Gas, Wasser Meister Eckard ROEHRICH - Shitsophone!

    http://www.bad-homburg.eu/20121128-klaerschlamm-assmann.jpg
    http://www.bad-homburg.eu/www-scheisse-de.jpg
    http://www.bad-homburg.eu/IAhova.jpg
    http://www.kulthit.de/bilder/werner-eiskalt-11.jpg

  • Es ist ein großer Schaden für die Glaubwürdigkeit Europas und wird ein noch größerer für die Geberländer, wenn weiterhin solche Schaumschläger wie Jean-Claude Juncker aus dem Steueroasenzwergland Luxemburg glauben, in Brüssel den Euro zu "retten". Zitate:

    - „Nichts sollte in der Öffentlichkeit geschehen. Wir sollten in der Euro-Gruppe im Geheimen diskutieren.“

    - „Die Dinge müssen geheim und im Dunkeln getan werden“,

    - „Wenn es ernst wird, müssen wir lügen“

    - “Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab ob etwas passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen was da beschlossen wurde dann machen wir weiter. Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

    Dass daraus noch niemand die Konsequenzen gezogen hat, ist der eigentliche Skandal. Weg aus diesem Amt mit dem Mann.

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