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Auf dem Weg zur fünften Gewalt Das erstaunliche Comeback von Wikileaks

Wikileaks und sein Gründer Julien Assange waren schon fast in Vergessenheit geraten. Doch jetzt steht die Whistleblower-Plattform im Zentrum des nächsten NSA-Abhörskandals – ein erstaunliches Comeback.
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Wikileaks hat neue Dokumente zum US-Lauschangriff auf die Kanzlerin veröffentlicht. Quelle: AFP
Wikileaks-Gründer Julien Assange

Wikileaks hat neue Dokumente zum US-Lauschangriff auf die Kanzlerin veröffentlicht.

(Foto: AFP)

Berlin Es ist das Topthema für Politik und Medien: Die NSA hörte die Kanzlerin systematisch ab und wusste schon frühzeitig, dass Merkel keine echte Griechenland-Strategie hatte. Besonderen Zündstoff erhält die Enthüllung durch die Wahl des Zeitpunkts zum Höhepunkt der Grexit-Krise – Wasser auf die Mühlen von Wikileaks, der zuvor beinahe in Vergessenheit geratenen Whistleblower-Plattform, deren Rolle immer undurchsichtiger erscheint.

Veröffentlicht wurde die Story zwar von der Süddeutschen Zeitung, die Münchner werteten dafür allerdings ausschließlich Unterlagen von Wikileaks aus, die der Zeitung als medialer „preferred Partner“ vorab zur Sichtung zur Verfügung gestellt worden waren. Mit dem Merkel-Scoop feiert Wikileaks, um das es lange still geworden war, ein erstaunliches Comeback.

Seit über einer Woche beherrscht die Organisation, die noch immer von Assange aus einem kleinen Zimmer in der ecuadorianischen Botschaft in London aus gesteuert wird, wieder die politische Berichterstattung.

Erst stürzten die Presse-mit-Dokumenten-Versorger die französisch-amerikanischen Beziehungen in schwere Turbolenzen, in dem sie publik machten, dass die NSA mindestens drei Präsidenten abgehört hätte. Jetzt wendet sich Assange dem nächsten Land zu: Deutschland.

Über die Süddeutsche Zeitung und deren Rechercheverbund mit dem NDR und WDR publiziert Wikileaks nun neue Dokumente, die beweisen sollen, „wie weit die Spionage der National Security Agency (NSA) ging und geht“. Weiter fasst die SZ die Ergebnisse zusammen: „Angefangen bei persönlichen Durchwahlen von Ministern über die Nummern parlamentarischer Staatssekretäre bis hin zu zentralen Faxnummern von Ministerien hat die NSA alles überwacht“.

Nach Einschätzung der Autoren Hans Leyendecker, John Goetz und Georg Mascolo dokumentieren die neuen Unterlagen „auch die Zusammenfassung eines Gesprächs, das Kanzlerin Merkel am 11. Oktober 2011 mit einer Vertrauten im Kanzleramt über die damaligen Verhandlungen der EU zu Griechenland führte. Offenbar verfügte die NSA nicht nur über die Nummer eines Handys der Kanzlerin, sondern auch über die weiterer Anschlüsse.“

Ein Satz ist in der Berichterstattung des Rechercheverbundes dabei besonders wichtig: „Vorige Woche hatte Wikileaks Unterlagen über NSA-Lauschangriffe auf drei französische Präsidenten veröffentlicht. Genauso wie jene Dokumente stammen auch die aktuellen, Deutschland betreffenden Unterlagen, offenkundig nicht von Edward Snowden, sondern von einer anderen, bislang nicht identifizierten NSA-Quelle.“

Der Handelsblatt Expertencall
Assange handelt wie ein Schachspieler
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8 Kommentare zu "Auf dem Weg zur fünften Gewalt: Das erstaunliche Comeback von Wikileaks"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Presse muß wieder wirklich frei und unabhängig werden! Es kann nicht sein, dass fast jede Kritik am Islam in der Presse verboten ist. Führend ist hier die "Welt" mit Hr. Z..

  • Danke, schöner Vergleich. Aber so schlecht ist der FC Schalke nun auch wieder nicht!
    Gruss aus Dortmund

  • @Herr Sascha Fischer: Sie haben absolut recht. Genau das hat ein Herr vor bereits ca. 80 Jahren hier in Deutschland bemängelt und die Presse als eine Kanaille dargestellt. Auch er hatte recht.

  • So langsam krieg ich 'ne schwere Allergie gegen das Wörtchen "geheim".

    Ich bin für totale Transparenz. Was spricht denn ernsthaft dagegen?! Verdorri.

    Wer nichts zu verbergen hat (in aller Regel bestimmt nichts Gutes), braucht die auch nicht zu scheuen.

    Interessant dazu: Gestern bei Markus Lanz (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2435660/Markus-Lanz-vom-1.-Juli-2015#/beitrag/video/2435660/Markus-Lanz-vom-1.-Juli-2015 erzählte eine Teilnehmerin, Maike van den Boom, Autorin („Wo geht’s denn hier zum Glück? - Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können), dass in Schweden z.B. jeder von jedem die Steuererklärung einsehen kann und auch sonst genau weiß, was er verdient.
    Soviel ich weiß, gehören die skandinavischen Länder und Island eher zu den Ländern, wo es vieles in vielerlei Hinsicht um einiges besser zu laufen scheint als anderswo. So ganz falsch können die also kaum liegen.

    Da wäre es wohl keine schlechte Idee, sich das, was dort besser läuft als hierzulande und in anderen Ländern mal näher anzusehen.

    Und, wenn es keine einleuchtenden Gründe gibt, warum sich deren Lösungen nicht auch auf andere Länder übertragen lassen, es auch mal damit zu versuchen.

    Von Siegern zu lernen, dürfte jedenfalls kein Fehler sein.
    Einen Versuch wäre es allemal wert.

  • Die deutsche Presse als vierte Gewalt zu bezeichnen ist so als ob man Schalke 04 als Weltklasseverein bezeichnen würde.

  • Einer der Hauptprobleme der Presse ist eben, dass sie von einigen Familien (mit ihren Interessen) kontrolliert wird, die ihrerseits über die Miet-Journalisten in ihren Redaktionen die Berichterstattung, Themen und Inhalte entscheiden. Die Presse hat damit faktisch die Funktion als vierte Gewalt verloren. Wikileaks als Ersatz..warum nicht? Unterlagen veröffentlichen, die die Wahrheit ans Tageslicht bringen können? Dinge, die die Presse seit Jahrzehnten nicht mehr hinbekommt/darf.

  • WENN DAS AUFDECKEN VON VERBRECHEN WIE EIN BEGANGENES VERBRECHEN BEHANDELT WIRD;WERDEN WIR VON VERBRECHERN REGIERT !

  • Nach dem krachenden Flop des Vorschuss-Nobelpreises für den unwürdigen Obama sind die Schnapsnasen vom Nobelpreiskomitee nun in der Pflicht.

    Wann haben die Leute endlich genug Eier in der Hose, um den Friedensnobelpreis endlich an Snowden und Wikileaks zu vergeben?