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Aufbauprogramm Mit Milliarden aus dem Pandemiefonds: Griechenland treibt Fusionen und Übernahmen voran

Keine Volkswirtschaft in der EU ist so kleinteilig wie die griechische. Jetzt will die Regierung in Athen Anreize für Unternehmenszusammenschlüsse setzen.
23.05.2021 - 17:24 Uhr Kommentieren
Der griechische Ministerpräsident will die Wirtschaft seines Landes reformieren. Quelle: Reuters
Kyriakos Mitsotakis

Der griechische Ministerpräsident will die Wirtschaft seines Landes reformieren.

(Foto: Reuters)

Athen Ein betagter Pritschenwagen, eine kleine Halle im Athener Gewerbegebiet Votanikos, fünf Mitarbeiter: Die Firma von Philippos Psaropoulos, ein Fachbetrieb für Aluminiumbau, ist ein typisches griechisches Kleinunternehmen. Psaropoulos und seine Leute sind handwerklich geschickt und fleißig.

Über Auftragsmangel kann der 43-jährige Unternehmer nicht klagen angesichts des Immobilienbooms in Griechenland. Aber oft ist er überfordert. Als Psaropoulos kürzlich Fenster und Türen für einen sechsstöckigen Hotelneubau liefern sollte, musste er abwinken: „Das kann ich mit meinen Finanzmitteln, meinen Maschinen und meiner Manpower nicht stemmen.“

Betrieben wie dem von Philippos Psaropoulos will die Regierung des konservativen Premierministers Kyriakos Mitsotakis jetzt unter die Arme greifen. Mit Steuererleichterungen, günstigen Krediten und Subventionen möchte sie den Firmen Anreize geben, durch Fusionen, Übernahmen und Kooperationen zu wachsen.

Die kleinen Unternehmen sind eine der größten strukturellen Schwächen der griechischen Volkswirtschaft. 48,5 Prozent der griechischen Firmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Im EU-Durchschnitt macht der Anteil dieser Firmen 30 Prozent aus. 56 Prozent der Beschäftigung entfällt auf Kleinstbetriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern.

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    Nur jedes fünfte griechische Unternehmen hat mehr als 250 Beschäftigte. Entsprechend schwach sind Innovationskraft, Produktivität und Liquidität der meisten Firmen. Das stürzte viele griechische Kleinunternehmer während der Finanzkrise 2010 bis 2018 und jetzt erneut im Corona-Lockdown in die Pleite.

    „Wir wollen den kleinen Unternehmen helfen, damit sie wachsen können“, erläutert Alex Patelis, der Chefwirtschaftsberater von Ministerpräsident Mitsotakis dem Handelsblatt. „Diese Unternehmen sollen mit staatlicher Förderung in die Lage versetzt werden, ihre Produktivität zu steigern, sie sollen innovativer werden, mehr exportieren und mehr investieren“, sagt Patelis. „Das kann man mit klassischen Fusionen erreichen, aber auch mit Plattformen für die Bildung von Unternehmens-Clustern.“ Gefördert werden könnten auch Unternehmenskooperationen, etwa bei der Beschaffung, im Marketing und im Vertrieb.

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    Die Befürchtung, dass die staatliche Förderung zu Wettbewerbsverzerrungen oder gar zur Marktbeherrschung führt, hält Patelis für unbegründet: „Unser Programm richtet sich an sehr kleine Unternehmen, nicht an große“, sagt der Regierungsberater.

    Einzelheiten der Fördermaßnahmen will die Regierung in einem Gesetz regeln, das unter Federführung von Vizefinanzminister Theodoros Skylakakis ausgearbeitet wird. Es soll noch im Sommer vom Parlament verabschiedet werden.

    Das Förderkonzept ist Teil des nationalen griechischen Aufbau- und Resilienzprogramms „Greece 2.0“ im Rahmen des europäischen Fonds Next Generation EU. Mit dem Plan will die EU die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abfedern und die Mitgliedstaaten krisenfest aufstellen. Aus dem Pandemiefonds erwartet Griechenland in den kommenden sechs Jahren Zuschüsse von 17,8 Milliarden Euro und zinsgünstige Kredite in Höhe von 12,7 Milliarden Euro.

    Mit einem Teil dieser Darlehen will die Regierung eben Fusionen und Übernahmen fördern. Subventionen sollen den Kleinunternehmen helfen, ihre Produktionsmittel zu modernisieren. Eine weitere Säule des Programms sind Steuervergünstigungen. Mitsotakis hat erst kürzlich eine Senkung der Unternehmensteuern von 24 auf 22 Prozent angekündigt.

    Die Steuersenkung gilt bereits für Gewinne des laufenden Geschäftsjahres. Die Regierung verspricht sich davon mehr Investitionen. Jetzt plant Vizefinanzminister Skylakakis, Fusionen und Übernahmen mit weiteren, auf einige Jahre befristeten Nachlässen bei der Körperschaftsteuer zu fördern. Auch die bisher langwierigen Genehmigungsverfahren will die Regierung vereinfachen.

    „Wir hoffen, damit die durchschnittlichen Betriebsgrößen zu erhöhen, um die Leistungsfähigkeit und die Exportstärke der Unternehmen zu steigern“, sagt Skylakakis. Prüfungen sollen sicherstellen, dass nur solche Zusammenschlüsse gefördert werden, die tatsächlich zu mehr Wertschöpfung und höherer Wettbewerbsfähigkeit führen sowie mit den Zielen der EU beim Klimaschutz und der Digitalisierung vereinbar sind, heißt es im Finanzministerium.

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