Aufschub für Griechen Brüderle stellt sich gegen die Kanzlerin

Wie soll Deutschland sich gegenüber Griechenland aufstellen? Angela Merkel und Philipp Rösler lehnen es ab, bei der Einhaltung der Sparzusagen Abstriche zu machen. FDP-Fraktionschef Brüderle sieht das anders.
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Rainer Brüderle signalisiert Bereitschaft, den Griechen Luft zu verschaffen. Quelle: Reuters

Rainer Brüderle signalisiert Bereitschaft, den Griechen Luft zu verschaffen.

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BerlinIm Streit um das weitere Vorgehen gegenüber Griechenland hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Bereitschaft signalisiert, den Reformdruck auf Athen zu lockern. "An den Auflagen und den Reformzielen, die mit den Hilfsmaßnahmen verbunden sind, sollten wir nichts ändern", sagte Brüderle der Tageszeitung "Die Welt".

Brüderle sagte, eine klare Mehrheit der griechischen Wähler habe sich für Europa und für Reformen ausgesprochen. "Die Verantwortlichen müssen diese Chance jetzt auch nutzen und ihr Land weiter auf klarem Reformkurs halten", mahnte er. "Eine weitere Chance wird es kaum geben - nicht von den eigenen Wählern und auch nicht von der europäischen Solidargemeinschaft."

Allerdings könne es bei den Zeitvorgaben für die Umsetzung einzelner Reformen "noch sinnvolle Änderungen geben". Damit setzte sich Brüderle in Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und seinen eigenen Parteichef, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Merkel hatte nach der griechischen Parlamentswahl die Einhaltung der Reformzusagen verlangt, die Athen für internationale Hilfskredite gemacht hatte. "An den Reformschritten können keine Abstriche gemacht werden", sagte sie kurz vor Beginn des G-20-Gipfels am Montag im mexikanischen Los Cabos.

Rösler sagte seinerseits bei einem Besuch in Washington: "Es kann keine Rabatte geben, es kann keine Abstriche geben, sondern die vereinbarten Ziele müssen erreicht werden."

Vor Brüderle hatte bereits sein Parteikollege Guido Westerwelle (FDP) einen zeitlichen Aufschub für Athen nicht ausgeschlossen. Der Außenminister sagte am Sonntagabend, er könne sich "gut vorstellen, dass wir über Zeitachsen noch einmal reden".

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18 Kommentare zu "Aufschub für Griechen: Brüderle stellt sich gegen die Kanzlerin"

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  • .. auf welcher "sozialen Paylist" steht Brüderle bzw FDP ?
    Der Kerl ist gekauft, aussersternig, ausserirdisch...

  • Zu viele Blinde ohne Einäugige bestimmen die Medienforen mit ihren Äusserungen bezüglich des überschuldeten Griechenlands und der möglichen Regierungsarbeit in dem Land. Weder steht die jetzt gewählte Regierungspartei, die das Problem verursacht hat, für ein "Halten" des Reformkurses, der so oder so nicht zu "halten" ist, noch nutzt es dem Land, wenn man die Zeitvorgaben "sinnvoll" ändert. Sinnvoll ist die Zeitverschiebung zur Erreichung der Reformziele einzig für die Verantwortlichen und heutigen Sprücheklopfer, die sich vor dem sicheren Scheitern der Reformziele und den dann katastrophalen Folgen des Spar- und Reformkurses in Griechenland, der nur in den Teilen garantiert ist, der der dortigen Elite nutzt, dann rechtzeitig aus dem Staub machen können., so wie auch Herr Brüderle Ende 2013.

  • Den Grund, der auch nicht neu ist, kann ich dir nennen. Wenn man Griechen sich selbst überlassen würde, dann würde Griechenland sich, wie immer schon seit mindestens 100 Jahren, auf die Seite der Russen schlagen. Auch für die orthodoxe Kirche beider Länder wäre dies eine gute Idee. Für die Russen und auch für die Chinesen wäre das allein aus geostrategischen Gründen begrüßenswert. Der Beibehaltung des Euros seitens der EU ist nur Mittel zum Zweck. Wirtschaftlich macht Griechenland gerade jetzt keinen Sinn.

  • "An den Reformvorschriften können keine Abstriche gemacht werdn" sagt Merkel.

    Abstriche brauchen an den Vorschriften gewiss nicht gemacht werden.

    Schließlich werden die Reformvrschriften von den Griechen bislang ohnehin nicht umgesetzt (Privatisierung, Steuereinreibungen etc.)

  • Nun, ich denke wirklich nicht, dass Herr Brüderle naiv oder gar dumm ist. Wer weiß schon, was die hohen Damen und Herrn noch so in ihren Schatzkästlein verborgen halten. Sofern es dort Beschluss sein sollte, die Griechen wirklich im EURO halten zu wollen, wird man die Sparauflagen aufweichen, egal welche Wörter sich heute noch aus dem Mund der guten Angela erbrechen. - Mir ist der Überblick über die Situation im EURO - Raum schon längst entglitten. Letzten Endes auch vollkommen egal, weil die ganze Welt ja am Keuchen ist. Es gibt einfach viel zu viel Vermögen, für verfügbare Sachwerte. Und die Politik wird sich noch nicht darüber einig sein, wie man dies weltweit wieder in ein annehmbares Verhältnis rücken kann. - Griechenland spielt dabei doch nur die Rolle eines Prototyps vom Untergang eines kapitalistischen Systems (ich bin nicht grundsätzlich gegen Kapitalismus!). Möglicherweise ist dies auch der Grund, weswegen man Griechenland nicht sich selbst überlässt. Dies hat man ja z.B. auch nicht mit Island gemacht.

  • schon wieder geht der alte Leierkasten über weitere Erleichterungen für Griechenland weiter.Die FDP unter Brüderle und Westerwelle verliert durch diesen unsinnigen Palaver nur weiter an Respekt.Auch die übrigen "Volksverdreher"machen sich schon wieder für Änderungen stark.Deutschland hat genug im eigenen Land für die eigene Bevölkerung zu tun,statt sich immer nur Gedanken über die lieben EU Mitglieder und den übrigen Nationen der G20 zu machen,ob wir ihnen genug den Hintern geküsst haben.Auch Hollande soll sich zurücknehmen,auch wenn er unter der SPD das ideale Fressen gefunden hat um seine Phantasien auszuleben,die letztens Deutschland zu begleichen hätte.So wird langsam aber sicher die grosse Totenglocke über das verfehlte EU System geläutet.

  • der mann is mal wieder in eigener sache unterwegs. in stürmischen zeiten braucht es disziplin auf dem deck. hat sogar teils fast vorbildlich die oposition hinbekommen - herr brüderle.

  • Wenn es für einen liberal-konservativen FDP-Wähler bisher vielleicht noch Zweifel gab: solche schwachsinnigen Stellungnahmen wie von Brüderle und Westerwelle verbieten ihm geradezu, künftig noch die FDP zu wählen. Statt aus dem Pool der nicht-christlich liberalen Konservativen den erlittenen Wählerverlust wenigstens ein wenig auszugleichen, tun diese Schwätzer alles, um die FDP nun endgültig gegen die Wand zu fahren.

  • "Umsetzung des Steuerrechts in Griechenland! Konfisziert die illegal erworbenen, über Kapitalflucht ins Ausland gebrachten griechischen Vermögen in Europa!"

    Ja, damit müsste man anfangen.

    Anschl. für Griechenland jegliches Bargeld und Bargeldsubstitute verbieten, nur noch per Karte - Steuern werden gleich beim Bezahlvorgang eingezogen, pauschal 15% von jeder Transaktion von privat, zuviel bezahltes gibt's per Steuererklärung zurückerstattet.

    Sollen mal die eigenen Griechen in Vorleistung treten.

  • Es darf keine weiteren Zugeständnisse an die Griechen-Mafia geben! Die dortige Elite schiebt die armen Leute vor, um in Nordeuropa auf die Mitleidswallungen zu drücken. Die Reichen in Griechenland würden griechische Kinder verhungern lassen, um damit ihre Privilegien zu verteidigen. Schluss mit Zugeständnissen! Umsetzung des Steuerrechts in Griechenland! Konfisziert die illegal erworbenen, über Kapitalflucht ins Ausland gebrachten griechischen Vermögen in Europa!! Kein weiterer Cent aus Deutschland für diesen Erpresser- und Verbrecherstaat!
    Herr Brüderle, vertreten Sie die Interessen Ihrer deutschen Wähler und nicht die der griechischen Oligarchie!

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