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Auftritt in Interlaken Boris Johnson will Großbritannien auf einen No-Deal-Brexit vorbereiten

Der ehemalige Außenminister bekräftigt seine Ambitionen, Premierminister zu werden. In der Schweiz pocht er weiter auf den Brexit – notfalls ohne Vertrag mit der EU.
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„Natürlich werde ich dafür kandidieren, Premierminister zu werden.“ Quelle: Reuters
Boris Johnson

„Natürlich werde ich dafür kandidieren, Premierminister zu werden.“

(Foto: Reuters)

Interlaken„Es hat sich als ziemlich guter Tag herausgestellt“, sagt Boris Johnson, als ihn der Moderator beim Swiss Economic Forum nach seinem Befinden fragt – und provoziert damit die ersten Lacher im Publikum. Es ist der Tag, an dem die britische Premierministerin Theresa May ihren Rücktritt angekündigt hat. Johnson sprüht vor guter Laune.

Das Timing für seinen Auftritt könnte kaum besser sein. Der ehemalige britische Außenminister nutzt die Bühne vor Schweizer Wirtschaftsvertretern gleich dreifach: Er bekräftigt seine Kandidatur um Mays Nachfolge, wirbt für den britischen EU-Austritt im Oktober – und attackiert die oppositionelle Labour-Partei und ihren Anführer Jeremy Corbyn.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Premierministerin May ihren Rücktritt als Parteichefin für den 7. Juni angekündigt. Johnson, der Mays Brexit-Deal scharf kritisiert hatte, gilt derzeit als Favorit für ihre Nachfolge. „Natürlich werde ich dafür kandidieren, Premierminister zu werden“, sagt Johnson.

Der Brite will zwar keine weiteren Details zu seiner Kandidatur verraten, erklärt aber, wie er sich das Verhältnis der Briten zur EU vorstellt – und zieht dabei Parallelen zur Schweiz. Beide Länder wollten freien Handel mit der Europäischen Union betreiben, aber ihre Unabhängigkeit bewahren, so Johnson. Die Gemeinsamkeiten seien ein Grund für seinen Besuch in Interlaken. Johnson warnt die Schweizer davor, bei den Verhandlungen um ein Rahmenabkommen mit der EU einzuknicken: „Wenn ihr stark bleibt, bleiben wir auch stark.“

In seinen Ausführungen schließt Johnson auch einen harten Brexit nicht aus: „Ich will und denke nicht, dass das Ergebnis ein ‚No Deal‘ sein wird. Aber der Weg, um einen guten Deal zu bekommen ist, sich für eine No-Deal-Lösung vorzubereiten.“ Großbritannien müsse bereit sein, vom Verhandlungstisch mit der EU-Kommission aufzustehen. „Um es einfach auszudrücken: Wir werden die EU am 31. Oktober verlassen, mit oder ohne Deal.“

Johnson will trotz drohender negativer Folgen für die britische Wirtschaft den Brexit durchziehen. „Die größte Gefahr für Großbritannien ist nicht der Brexit, sondern Jeremy Corbyn“, sagt Johnson. Labour-Chef Jeremy Corbyn plane, die Armee abzuschaffen und Betriebe zu verstaatlichen. Labour stehe für einen „bolivianischen Sozialismus, für den es im Vereinigten Königreich keinen Platz gibt“.

Die Furcht vor dem Brexit sei dagegen übertrieben. Tatsächlich sei die Arbeitslosigkeit in Großbritannien sogar gesunken, und die Investitionen aus dem Ausland hätten zugelegt, sagt Johnson – „auch dank der Schweiz“.

Mehr: Nach dem Rücktritt von Theresa May ist Boris Johnson der aussichtsreichste Kandidat für ihre Nachfolge. Ob er das Land einen kann, ist fraglich.

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