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Barack Obama

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten ist derzeit auf Europa-Reise.

(Foto: World Leadership Summit)

Auftritt in Köln Barack Obamas Botschaften an Deutschlands Jugend

Der ehemalige Präsident der USA blickt auf wichtige Entscheidungen seiner Amtszeit zurück – und lässt durchblicken, was er von den Schülerprotesten für eine andere Klimapolitik hält.
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Köln Was war die größte Überraschung für Barack Obama, als er sein Amt antrat? Er muss nicht lange überlegen und antwortet: „Die Leute tun einfach nicht, was man ihnen sagt.“ Immerhin wählten die Leute in Demokratien keinen König, sondern zum Beispiel einen Präsidenten oder Kanzler.

Und in einer Demokratie gebe es immer widerstreitende Interessen – innerhalb von Parteien genauso wie zwischen ihnen. Auch ein Präsident könne das Ruder darum nicht rumreißen. Er könne nur hoffen, sein Land etwas mehr in die richtige Richtung gesteuert zu haben.

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten ist auf Europa-Reise. Nach einer Station in Spanien ließ er sich am Donnerstagabend in der Kölner Lanxess-Arena interviewen, anschließend wollte er weiter nach Berlin reisen, wo er auch ein Treffen „mit meiner Freundin Angela Merkel“ vereinbart hat, wie er in Köln sagt.

Seine Mission ist eine doppelte: Zum einen geht es wohl um Geld. Bis zu 5000 Euro haben einige Besucher gezahlt, um ihm bei einem Abendessen besonders nahe zu kommen, Tausende weitere waren für jeweils einen zweistelligen Betrag dabei. Zum anderen spricht Obama noch immer leidenschaftlich über die großen Fragen der Politik von der Bekämpfung des Klimawandels über die Vermeidung von Kriegen bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Auf das Thema Frauen kommt er ganz von selbst zu sprechen, als es um seine Amtsführung geht. Er habe eine Weile gebraucht, um wahrzunehmen, wie bei Sitzungen Männer die Ideen von Frauen als ihre verkauften. Den Frauen müsse man Mut machen, sich bemerkbar zu machen. Und die Männern müsse man anweisen, auch mal ruhig zu sein.

Seine Töchter seien so erzogen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, jemand sei schlauer oder besser als sie, nur weil er ein Junge sei. Auch bei der Erziehung von Jungen müsse dieses Mindset überwunden werden.

Obama nimmt für sich in Anspruch, dass Frauen in seiner Regierung besonders gut gehört worden seien, genauso wie junge Menschen, Menschen mit unterschiedlichen Bildungs- oder Migrationshintergründen. Das mache Entscheidungen besser.

„Entscheidungen, die es bis auf meinen Schreibtisch schafften, waren per Definition nicht leicht zu treffen – sonst wären sie schon von jemand anderem entschieden worden“, sagt Obama. Als Beispiel führt er die Finanzkrise 2008 an. Er war erst kurz im Amt und musste auf den Niedergang der Banken reagieren. Einige rieten ihm zu Verstaatlichungen. Bei manchen Schritten habe er die Wahrscheinlichkeit auf 40 Prozent geschätzt, dass es funktioniert. Mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit würde alles noch schlimmer werden.

Ähnlich sei es bei der Tötung Osama bin Ladens gewesen. „Wir wussten nicht sicher, dass er sich dort aufhält“, sagt Obama. „Das Risiko für unsere internationalen Beziehungen und meine eigene Wiederwahl war hoch – aber wir dachten, dass es das wert war.“

Nach seiner Amtszeit, so erzählt es der ehemalige Präsident, habe er erst einmal lernen müssen, zu Hause die Kaffeemaschine zu bedienen und mit Frau und Töchtern um Platz für seine Sachen kämpfen müssen. Dann habe die Entscheidung angestanden, wie er sich weiter engagieren wolle – immerhin sei er einer der jüngsten Präsidenten gewesen und damit auch einer der jüngsten Ex-Präsidenten. Da bleibe noch etwas Zeit.

Er habe an verschiedene große politische und gesellschaftliche Themen gedacht, dann aber entschieden, anderen dabei zu helfen, ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen. Mit seiner Stiftung will er weltweite Netzwerke von jungen Menschen aufbauen, die sich für die unterschiedlichsten Dinge einsetzen.

Das können die großen Fragen sein, aber auch kleine Projekte: Kurz nach seinem Auftritt postet sein Twitter-Account einen Artikel über einen Country-Sänger, der in Nashville eine kostenlose Lebensmittelausgabe organisieren möchte.

Eine besondere Rolle spielt die Perspektive junger Menschen beim Thema Klimawandel. An diesem Punkt werden die Einlassungen des Präsidenten besonders aktuell – auch wenn er den Schulstreik für das Klima nicht direkt anspricht.

Zwar habe es in den vergangenen Jahren Fortschritte gegeben: Die Aufmerksamkeit für das Thema sei gestiegen. Aber die eingeleiteten Maßnahmen, auch das Pariser Abkommen, reichten nicht aus. „Das Wichtigste ist, dass wir unsere Stimme für konkrete Pläne geben, nicht für vage Statements.“ Die jungen Menschen verstünden das. „Je mehr junge Menschen wählen, desto aufmerksamer werden die Regierungen sein“, sagt Obama.

Als Jugendlicher lasse man sich von den Alten nicht reinreden, welche Kleidung man trage und welche Musik man höre. Da sei es nur zu verständlich, dass junge Menschen auch selbst bestimmen wollten, wie die Welt aussehen wird, in der sie leben werden.

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