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Ausbruch des Coronavirus Deutsche Ärztin in Wuhan: „Viele wollten die Stadt so schnell wie möglich verlassen“

Mehr als hundert Deutsche wurden aus dem chinesischen Wuhan in die Heimat evakuiert, eine deutsche Ärztin ist geblieben. Sie berichtet über die Lage in der Krisenregion.
03.02.2020 - 11:32 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Deutsche Ärztin berichtet von der Lage in Wuhan Quelle: dpa
Coronavirus - China

Das Krankenhauspersonal in China trägt Atemschutzmasken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen.

(Foto: dpa)

Peking Rund 100 Deutsche aus Wuhan und Umgebung sind am Samstag in die Heimat zurückgekehrt. Die Bundesregierung hat sie aus der vom Ausbruch des Coronavirus am stärksten betroffenen Region ausgeflogen. Gesunde Passagiere sind nun in einer Kaserne in Germersheim in Rheinland-Pfalz untergebracht, wo sie zwei Wochen in Quarantäne verbringen sollen. Die zwei Corona-Infektionsfälle werden auf Isolierstationen im Uniklinikum Frankfurt behandelt.

Doch nicht alle Menschen wollen aus Wuhan raus. Einer der wenigen Ausländerinnen, die noch vor Ort ausharrt, ist die deutsche Ärztin Silja Zhang. Seit Beginn der Quarantäne hat die gebürtige Stuttgarterin ihre Wohnung in Wuhan nicht mehr verlassen. Trotzdem hat sie alle Hände voll zu tun.

Sie telefoniert vor allem viel. Zum einen informiert die gebürtige Stuttgarterin nach eigenen Angaben täglich die deutsche Botschaft in China über die Situation vor Ort. Zum anderen brauchen ihre Patienten jetzt besonders viel Beratung, es gibt viel Gesprächsbedarf.

„Am Anfang wollten die Leute vor allem wissen: Wie schütze ich mich vor dem Virus? Was tue ich, wenn ich glaube, mich angesteckt zu haben? Zu welcher Klinik gehe ich dann”, erzählt die 36-jährige Radiologin, die im Tongji-Klinikum in Wuhan arbeitet und sich unter anderem um die ausländischen Patienten dort kümmert. In den ersten zwei, drei Tagen sei die Stimmung „panisch“ gewesen. „Vor allem wollten viele wissen: wie komme ich so schnell wie möglich aus Wuhan“, sagte sie dem Handelsblatt.

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    Deutschland hat, wie auch die USA und Großbritannien, ihren Staatsangehörigen ermöglicht, aus der weitgehend abgeriegelten Stadt in der chinesischen Provinz Hubei nach Hause zu fliegen. Chinas Regierung hatte die elf-Millionen-Einwohner-Metropole unter Quarantäne gestellt, nachdem sich dort zahlreiche Menschen mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV angesteckt hatten. Inzwischen sind mehr als 360 der infizierten Patienten gestorben, weltweit haben sich Menschen mit dem Erreger angesteckt.

    Die Krise hat viele noch enger zusammengeschweißt

    24 Deutsche leben in Wuhan, in der ganzen Provinz Hubei seien es um die 90, sagt sie. Man kennt sich. Die Krise hat viele noch enger zusammengeschweißt. „Insbesondere Familien mit Kindern wollen zurück in die Heimat“, sagt Zhang.

    In ihren Telefonaten mit der deutschen Botschaft in China hatte sie sich für eine Evakuierung eingesetzt. Es sei eine Präventivmaßnahme, sagt sie. Kleinkinder und ältere Menschen seien stärker gefährdet als gesunde Erwachsene. Auch „mental“ sei es von Nöten.

    „Jetzt möchte man einfach zu Hause sein, da wo man sich sicher fühlt“, sagt sie. So richtig sei aber erst der Unmut gewachsen, als die Nachricht kam, dass die Amerikaner ihre Bürger rausholen werden, erzählt sie. Das war am Sonntag, drei Tage nach Beginn der Quarantäne. Auch wenn inzwischen schon sehr viele Ausländer Wuhan verlassen haben, Zhang selbst möchte in der Stadt bleiben. Ihre eigene Evakuierung hält sie für „nicht für notwendig“.

    Zhang ist 2012 nach ihrem Staatsexamen an der Ludwig-Maximilian-Universität in München in die Metropole gezogen. Ihr chinesischer Ehemann, ein Orthopäde, arbeitet dort auch.

    Die Angst unter den Ausländern, glaubt sie, sei besonders groß gewesen, größer als bei den Chinesen. Denn während die durch die lokale Regierung und die chinesischen Nachrichten gut informiert waren, sagt Zhang, kursierten unter den Ausländern in Wuhan vor allem anfangs viele Falschbehauptungen in den sozialen Netzwerken und Chatgruppen. „Nicht jeder versteht oder liest Chinesisch“, sagt sie. „Und wenn man mit einer App versucht, etwas zu übersetzen, dann ist es auch nicht immer korrekt.“

    Grundsätzlich zeigt sich die Ärztin vom Umgang der chinesischen Bevölkerung mit dem Virus beeindruckt. Die meisten Bürger würden den Anweisungen folgen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Man gehe jetzt nur zum Einkaufen vor die Tür, mache sich ansonsten gegenseitig Mut. Außerdem versuchen ihr Ehemann und sie sich möglichst viel zu bewegen. Den traditionellen Neujahrsbesuch, den sie seinen Eltern abstatten, haben sie diesmal ausfallen lassen.

    Und auch die Regierung habe „wirklich toll agiert“, sagt sie. Der befürchtete Lebensmittelnotstand zum Beispiel blieb bislang aus. Wie organisiert und schnell alles ging, habe sie auch bei ihrem eigenen Arbeitgeber beobachten können.

    Nur Virologen und Infektionsspezialisten mussten bleiben

    Am Donnerstagmorgen, mit Beginn der Quarantäne, kam auch die Anweisung, dass das 6000 Betten umfassende Tongji-Klinikum alle nicht akuten Patienten entlassen solle. Zum einen müsse Platz für die Behandlung von Coronavirus-Fälle geschaffen werden, zum anderen wolle man weitere Ansteckungen minimieren.

    Auch die meisten Ärzte und Pfleger wurden nach Hause geschickt. Nur die Virologen und Infektionsspezialisten mussten bleiben. Die Kollegen wurden gefragt, wer freiwillig aushelfen wolle. Ungefähr die Hälfte bot ihre Hilfe an, berichtet Zhang.

    Doch trotz der guten Organisation war die Stimmung am Anfang angespannt, Ärzte und Patienten gestresst. In den letzten Tagen scheint jedoch eine gewisse Ruhe eingekehrt zu sein, erzählt die Radiologin. Die Entsendung von 6000 Ärzten und Pflegern von außerhalb Hubeis zur Unterstützung der Kollegen vor Ort habe da noch eine weitere moralische Motivation geleistet. „Außerdem ist eine gewisse Routine eingekehrt“, sagt sie.

    Das Tongji-Klinikum zum Beispiel hat seine Notaufnahme umfunktioniert: die ambulante Notaufnahme ist noch immer für normale Fälle geöffnet. Wer aber unter Verdacht steht, vom Coronavirus angesteckt worden zu sein, wird zur chirurgischen Notaufnahme geschickt. Das ist in einem anderen Gebäude und ist nun das Fieberzentrum, wo man sich um die Infizierten kümmert.

    Auch die Wohnsiedlungen haben sich langsam auf ein Leben unter Quarantäne eingestellt. In ihrem Apartmentkomplex, so erzählt die deutsche Ärztin, gibt es nun eine Abfalltonne für gebrauchten Mundschutz. Wie lange die da jetzt noch stehen muss, und wie lange es dauert, bis die Normalität wieder einkehrt, weiß Zhang nicht. Aber sie versucht optimistisch zu sein: „Meine Kollegen machen einen guten Job und die Bürger hier unterstützen die Maßnahmen. Ich hoffe, dass ihre Bemühungen Früchte tragen.“

    Mehr: Erstmals erliegt ein Mann außerhalb Chinas dem Coronavirus. Auch zwei aus Wuhan ausgeflogene Deutsche sind erkrankt. Einige Länder schotten sich bereits gegen China-Reisende ab.

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