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Auslandshandelskammer Deutsche Wirtschaft in Russland beklagt Milliardenverluste durch US-Sanktionen

Deutsche Unternehmen spüren die Russland-Sanktionen der USA. Angesichts zweistelliger Milliardenverluste fordern sie mehr Engagement der Kanzlerin.
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Der OMV-Chef vertritt die Auslandshandelskammer in Russland – und kann sich in seinen Forderungen auf deutsche Unterstützung berufen. Quelle: Reuters
Rainer Seele

Der OMV-Chef vertritt die Auslandshandelskammer in Russland – und kann sich in seinen Forderungen auf deutsche Unterstützung berufen.

(Foto: Reuters)

Moskau Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Die Auslandshandelskammer, Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft in Russland, gastiert zur Vorstellung ihres Geschäftsklimaindex‘ in den Räumen der altehrwürdigen staatlichen Nachrichtenagentur TASS. Prompt fordert die Kammer lauter denn je das Ende der EU-Sanktionen gegen Russland. OMV-Chef Rainer Seele, der als Präsident der AHK zur Vorstellung des Berichts eigens nach Moskau anreiste, sprach am Mittwoch von der Notwendigkeit eines „Einstiegs in den Ausstieg“ und wünschte sich mehr Zusammenarbeit zwischen Moskau und Berlin auf politischer Ebene. Ansonsten werde sich die russische Wirtschaft Richtung China orientieren, warnte er. 

Seele kann sich dabei auf die überwiegende Mehrheit der in Russland tätigen deutschen Unternehmer berufen. Immerhin 92 Prozent wollen ein Ende der Sanktionen, 44 Prozent würden sie am liebsten sofort beenden. Und auch die Nachfrage nach einem größeren Engagement der Bundesregierung ist gewaltig. Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in St. Petersburg beim Internationalen Wirtschaftsforum Flagge gezeigt und dort mit seinem Kollegen Maxim Oreschkin eine Effizienzpartnerschaft geschlossen. Dafür gab es nun Lob von Seele. 

Die Unternehmer würden sich sogar die Beteiligung von Kanzlerin Merkel an solchen Großereignissen in Russland wünschen. Egal, ob es die Wirtschaftsforen in St. Petersburg und Wladiwostok, oder die riesige Industriemesse Innoprom in der Ural-Metropole Jekaterinburg ist. 87 Prozent der Befragten wollen die Kanzlerin dort sehen. „Deutschland sollte sich von seinen Partnern nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, egal ob es sich um Sanktionsländer handelt oder um China oder Japan, deren Staats- und Regierungschef auf russischen Wirtschaftsforen jüngst große Auftritte hatten“, sagte auch der AHK-Vorstandschef Matthias Schepp.

Die EU-Sanktionen und die daraus entstandenen russischen Gegensanktionen beeinträchtigen die Geschäfte bei rund der Hälfte der Unternehmen. Auch die lahmende Konjunktur in Russland, der zunehmende Protektionismus und Rechtsunsicherheit, die sich bei der Festnahme des US-Großinvestors Michael Calvey von Baring Vostok einmal mehr zeigte, beunruhigen Investoren. 

Doch größer noch ist die Gefahr durch die US-Sanktionen. Allein die an der Umfrage beteiligten Unternehmen beziffern die Verluste dadurch auf 1,1 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf alle in Russland tätigen Firmen beliefen sich die Verluste durch entgangene Geschäfte „auf einen zweistelligen Milliardenbereich“, schätzt Schepp, der zwei grundsätzliche Probleme bei den US-Sanktionen aufführt. Einerseits schürten sie, da sie nicht an politische Entwicklungen in der Ukraine gebunden seien, generelle Unsicherheit, andererseits drohten, da sie im US-Kongress verabschiedet würden, jahrzehntelange Folgen. 

Deutsche Wirtschaft will Nordstream unbedingt

Schepp sieht die Chinesen aufgrund der Sanktionen im Vorteil: „China ist dabei, in klassischen Stärkebereichen der deutschen Exportindustrie unseren Unternehmen den Rang abzulaufen“, sagte er dem Handelsblatt. Dies betreffe beispielsweise den Maschinenbau. Viele russische Firmen fragten, wie sicher sie könnten, dass deutsche Unternehmen auch in einigen Jahren noch zuverlässig Ersatzteile liefern könnten, wenn der Sanktionsdruck zunehme. 

Seele kritisierte in dem Zusammenhang besonders die Barrieren für Nordstream 2, an dem auch sein Konzern OMV beteiligt ist. „Nordstream 2 ist ein wirtschaftliches und kein politisches Projekt“, betonte er. Auch die Gegner verfolgten mit ihrem Widerstand rein wirtschaftliche Interessen; bei Polen und der Ukraine sei es die Angst um Transiteinnahmen, bei den USA die Hoffnung auf einen gesteigerten Absatz vom Flüssiggas LNG. Eine Verzögerung bei der eigentlich zum Jahresende geplanten Inbetriebnahme sei „theoretisch möglich“, räumte Seele ein, hielt sich aber mit Vorwürfen diesbezüglich zurück. 

Während in deutschen Gewässern schon Röhren verlegt werden, fehlen von Dänemark immer noch die Baugenehmigungen. Die Betreibergesellschaft warf den Verantwortlichen in Kopenhagen daher schon Anfang Juni bewusste Verschleppung vor. Altkanzler Gerhard Schröder, der das Konsortium anführt, erklärte in St. Petersburg, Dänemark handle damit gegen die Interessen der eigenen Partner. 

Die deutsche Wirtschaft hat ein fundamentales Interesse an der Realisierung von Nordstream 2. Laut Umfrage sind immerhin 93 Prozent für den Bau. Darunter sind auch viele kleine Firmen. Kein Wunder, denn an Nordstream 2 hängen weit mehr Unternehmen als die in der Öffentlichkeit genannten Engie, OMV, Royal Dutch Shell, Uniper und Wintershell. Insgesamt 670 europäische Unternehmen sind am Bau der Pipeline beteiligt. Gut die Hälfte davon sind Mittelständler. Sie alle blicken mit immer größerer Sorge nach Washington, wo das nächste Sanktionspaket geschnürt wird. 

Mehr: Deutsche Unternehmen sollen russische Wirtschaft flott machen.

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