Ausschreitungen in Hongkong Imbissbuden-Besitzer attackieren die Polizei

Bei vergangenen Neujahrsfesten gehörten die Essbudenbesitzer in Hongkong zum Straßenbild. Nun sollen sie weg – so wollen es die Behörden. Doch Aktivisten wehren sich dagegen. Es kommt zu einer dramatischen Eskalation.
Update: 09.02.2016 - 17:34 Uhr
44 Polizisten seien bei den Unruhen verletzt worden, teilten die Behörden mit. Quelle: dpa
Demonstranten greifen Polizei an

44 Polizisten seien bei den Unruhen verletzt worden, teilten die Behörden mit.

(Foto: dpa)

HongkongEin Disput über unerlaubte Essbuden ist während der Hongkonger Neujahrsfeiern in Straßenschlachten und Chaos ausgeartet. Bei Auseinandersetzungen zwischen Protestlern und Polizisten wurden in der Nacht zu Dienstag Dutzende Menschen verletzt, vor allem Beamte. Mindestens 23 Personen wurden festgenommen. Beobachter sprachen vom schlimmsten Gewaltausbrauch seit den prodemokratischen Protesten im Jahr 2014. Regierungschef Leung Chun Ying verurteilte die jüngsten Exzesse scharf.

Die Unruhen nahmen ihren Anfang, als die Behörden am Montagabend gegen Straßenhändler vorzugehen versuchten, die im Arbeiterbezirk Mong Kok ohne Lizenz Essensstände betrieben. Dabei wurden die Händler bei vorangegangenen Neujahrsfeierlichkeiten als Teil der örtlichen Kultur betrachtet. Die neue Härte im Umgang mit ihnen rief verärgerte Aktivisten auf den Plan, die angesichts des wachsenden Einflusses Pekings auf das halbautonome Hongkong um die Traditionen fürchten.

Wie die Polizei mitteilte, ignorierten die Protestler zunächst die Order, den Straßenmarkt im Viertel Kowloon zu verlassen. Dann hätten sie Beamte geschubst, die wiederum mit dem Einsatz Schlagstöcken und Pfefferspray reagiert hätten. Ein Polizist gab zwei Warnschüsse in die Luft ab, wie auf Videoaufnahmen des Nachrichtensenders Cable TV zu sehen war.

Bis in den frühen Morgen lieferten sich aufgebrachte Demonstranten nach Behördenangaben Straßenschlachten mit der Polizei. Protestler schleuderten Pflastersteine, Flaschen und Trümmerteile auf Beamte. Einige benutzten Mülleimer, Plastikbarrieren und Holzpalettenstücke als Wurfgeschosse, andere legten Feuer.

Regierungschef Leung sprach von einem Mob, der ebenso Polizisten wie Journalisten attackiert habe. Selbst auf Beamte, die schon auf dem Boden gelegen hätten, seien Gegenstände geworfen worden. Die Zahl der verletzten Polizisten gab er mit mehr als 80 an, die der Reporter mit vier. Zudem seien Polizeiwagen und öffentliches Eigentum beschädigt worden. „Die Polizei wird das Gesindel fassen und zur Rechenschaft ziehen“, sagte Leung weiter.

Wegen tätlicher Attacken, Behinderung von Beamten, Widerstand gegen die Festnahme und öffentliche Unruhe wurden bereits 23 Männer und eine Frau in Gewahrsam genommen, wie Bezirkspolizeichef You Siu Kei sagte. Die jüngsten Verdächtigen seien 17 Jahre alt, die ältesten 70. Behördenvertreter kündigten zudem Ermittlungen zur Frage an, ob die Gewaltakte im Vorfeld geplant worden sein könnten.

Das große Reinemachen
A pro-democracy protester sweeps a street after policemen removed some barricades, at a protest site in Causeway Bay
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Bei den prodemokratischen Protesten in Hongkong hat die Polizei in größerem Stil damit begonnen, Barrikaden der Demonstranten wegzuräumen.

Hong Kong Occupy Central
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Am Hauptprotestort im Stadtviertel Admiralty auf der Insel Hongkong wurden am Dienstag Zelte auf Lastwagen geladen und in der Nacht errichtete Sperren aus Bambus und Holzpaletten mit Kettensägen zerlegt und weggeschafft.

huGO-BildID: 39764277 Police forces argue with a pro-democracy protester as they carry out removal operations of barricades in Hong Kong on October 1
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Zu Auseinandersetzungen kam es nicht.

Hong Kong Occupy Central
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Die Polizeiaktion hatte am frühen Morgen mit der Räumung von einigen Absperrungen im benachbarten Causeway Bay begonnen, um weitere Straßen für den Verkehr zu öffnen.

Hong Kong Occupy Central
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Während in Causeway Bay und im belebten Geschäftsviertel Mong Kok auf der gegenüberliegenden Halbinsel Kowloon nur noch einige Dutzend Demonstranten campiert hatten, waren es in Admiralty einige hundert Aktivisten.

Hong Kong Occupy Central
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Am Vortag war es zu Auseinandersetzungen zwischen organisierten Protestgegnern und friedlichen Demonstranten gekommen. Vermummte Männer versuchten, Barrikaden niederzureißen. Es gab drei Festnahmen.

A pro-democracy protester sleeps on a bed on a main road at Mongkok shopping district in Hong Kong
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Die Proteste in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zu China gehört, dauern seit mehr als zwei Wochen an.

Die Auseinandersetzungen zeigen, wie angespannt die Lage in Hongkong auch noch mehr als ein Jahr nach dem Ende der prodemokratischen Proteste ist. In Mong Kok hatten Demonstranten Ende 2014 wie in anderen Stadtteilen elf Wochen lang die Straßen besetzt gehalten und mehr Spielraum bei Wahlen gefordert.

  • afp
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