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Außenhandel Zoll braucht nach einem Brexit deutlich mehr Personal

Die Ungewissheit über das Brexit-Abkommen sorgt für Bedenken beim Zoll. Der Flughafen Leipzig rechnet mit 43 Prozent mehr Zollanmeldungen.
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Durch den Brexit könnte sich die Zollabfertigung erheblich verzögern. Quelle: dpa
Lastwagen

Durch den Brexit könnte sich die Zollabfertigung erheblich verzögern.

(Foto: dpa)

LeipzigWenn die Dämmerung einsetzt, geht der Arbeitstag im DHL-Hub am Flughafen Leipzig/Halle erst richtig los. Im Minutentakt landen jetzt Frachtflieger, die roten Fließbänder in der riesigen Abfertigungshalle setzen sich in Gang und transportieren die Warensendungen aus den Flugzeugen zum Zoll. Hier fertigen Zöllner die Waren ab, die aus Drittländern kommen, prüfen Warenwerte, stellen sicher, dass nichts Verbotenes importiert wird.

Aus Drittländern kommen am DHL-Frachtdrehkreuz derzeit rund 42.000 Sendungen pro Woche an. Das könnte sich Ende März von einem auf den anderen Tag ändern: Tritt Großbritannien ohne Übergangsabkommen am 29. März aus der Europäischen Union aus, wird es ab dem 30. März zu einem Drittland. Auf die Mitarbeiter am DHL-Hub kämen dann voraussichtlich 18.000 zusätzliche Zollanmeldungen pro Woche zu - eine Steigerung um rund 43 Prozent.

Das Problem mit Importen aus Drittländern ohne besondere Handelsabkommen ist der erhöhte Formalitätsaufwand. Die Sendungen müssen beim Zoll angemeldet und dort einzeln abgefertigt werden. Die Zöllner berechnen die korrekte Einfuhrumsatzsteuer und erheben Einfuhrzölle. Bei Importen aus Drittländern werden zudem häufiger die Waren selbst oder die Dokumente kontrolliert als bei EU-Importen.

Ein solcher Mehraufwand dürfte bei einem harten Brexit einige deutsche Zolldienststellen treffen. Denn Großbritannien war 2018 auf Platz sechs der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, zwischen den beiden Ländern lag das Außenhandelsvolumen bei fast 119 Mrd. Euro. Deshalb hat das Bundesfinanzministerium bundesweit 900 zusätzliche Arbeitsplätze beim den Zoll geschaffen. Derzeit sind bundesweit rund 40.000 Zöllner beschäftigt. Allerdings braucht es nach Schätzungen der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ) 1300 neue Stellen, um das Mehraufkommen zu meistern.

„Ein Stochern im Nebel, man weiß nicht, was kommt“

Neben dem höheren Arbeitsaufkommen treibt den Zoll aber noch etwas ganz anderes um: Die fehlende Planbarkeit und die Ungewissheit, wie der Brexit vonstattengeht und inwieweit sich dadurch das Frachtaufkommen an den verschiedenen Umschlagpunkten verändert. „Es ist Stochern im Nebel, man weiß nicht, was kommt“, kritisiert der stellvertretende BDZ-Bundesvorsitzende Thomas Liebel.

Oliver Bachmann vom Hauptzollamt Hamburg pflichtet ihm bei: „Man kann nicht planen, weil man nicht weiß, wie die Warenströme sich entwickeln. Es ist wie ein Blick in die Glaskugel.“ Darauf lasse sich aber flexibel reagieren. Der BDZ schlägt vor, täglich die Handelsströme an den verschiedenen Zollstandorten auszuwerten und das Personal dementsprechend flexibel einzusetzen.

Flexibel heißt, dass der Zoll auf sein elektronisches Abfertigungssystem „Atlas“ setzt, über das die Zollanmeldungen erfolgen. Damit ist es der Generalzolldirektion (GZD) zufolge beispielsweise denkbar, dass ein Zöllner in Hannover den Hamburger Hafen bei der Abfertigung unterstützt. Von einem Tag auf den anderen könnten nach Angaben des BDZ rund 450 Beschäftigte von ihrem eigentlichen Aufgabenbereich freigestellt und mittels „Atlas“ für das Mehraufkommen durch einen harten Brexit eingesetzt werden.

Damit wäre die Hälfte der 900 neuen Stellen vorerst besetzt. „Das geht aber zulasten anderer Bereiche“, kritisiert Liebel. Er betont, dass neu geschaffene Stellen nicht unbedingt die Einstellung neuer Mitarbeiter bedeuten und sieht ein Problem in der langfristigen Personalgewinnung.

Zoll soll als Arbeitgeber attraktiver werden

Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigt sich gelassen: „Wenn wir die heutigen Bewerberzahlen sehen, gibt es keine richtigen Probleme, Männer und Frauen zu finden, die sich für diese Laufbahn entscheiden wollen“, sagt der SPD-Politiker bei einem Besuch des DHL-Hubs am Flughafen Leipzig/Halle. Damit der Beruf auch künftig attraktiv bleibe, solle es höhere Gehälter und bessere Beförderungsmöglichkeiten geben. Scholz sieht den Zoll außerdem gut vorbereitet auf alle denkbaren Brexit-Szenarien: „Alle Vorkehrungen sind getroffen.“

Die Zöllner sind dem BDZ zufolge ähnlich entspannt. Schlussendlich stünden sie auch bei einem harten Brexit nicht vor einer neuen Aufgabe, da der Handel mit Drittländern nichts Neues sei, betonen sowohl Scholz als auch BDZ und GZD. Hans-Peter Rabenau vom Zollamt des Leipziger Flughafens spricht wohl für die meisten Beteiligten: „Ich bin verhalten optimistisch, dass wir es gebacken bekommen.“

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