Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Auszeichnung Friedensnobelpreis geht an äthiopischen Premier Abiy Ahmed – vor ihm liegt viel Arbeit

Das Nobelkomitee würdigt Abiy Ahmeds Leistung, den Grenzkonflikt mit dem Nachbarland Eritrea beendet zu haben. Abiy steht allerdings auch in der Kritik.
Update: 11.10.2019 - 12:52 Uhr Kommentieren
Friedensnobelpreis: Vor Abiy Ahmed liegt viel Arbeit Quelle: dpa
Abiy Ahmed

Der äthiopische Ministerpräsident erhält den Friedensnobelpreis 2019.

(Foto: dpa)

Stockholm Abiy Ahmed hat mit dem benachbarten Eritrea Frieden geschlossen und sich als Friedensmakler im östlichen Afrika profiliert. Dafür erhält der äthiopische Ministerpräsident den diesjährigen Friedensnobelpreis. Er wird „für seine Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit und insbesondere für seine entschlossene Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem benachbarten Eritrea“ ausgezeichnet, heißt es in der Begründung des norwegischen Nobelkomitees.

Der 43 Jahre alte Politiker ist erst seit April vergangenen Jahres im Amt und hat seitdem nach Meinung des Nobelkomitees bereits viel erreicht. So konnte er mit dem bitteren Rivalen Eritrea nach Jahren blutiger Konflikte Frieden schließen. Gleichzeitig trat er im Sudan und anderen Konfliktregionen als Friedensmakler auf.

Außerdem habe er „in seinem Heimatland Äthiopien mehrere wichtige Reformen angeschoben und vielen Äthiopiern die Hoffnung auf ein besseres Leben und eine optimistischere Zukunft gegeben“, begründete das Komitee seine Wahl.

Abiy gab Tausenden politischen Häftlingen die Freiheit wieder, ließ verbotene Parteien wieder zu und entließ korrupte Beamte. Für das kommende Jahr hat Abiy zudem demokratische Wahlen angekündigt.

In einer offenbar vorbereiteten Stellungnahme bedankte sich Abiy beim norwegischen Nobelkomitee für das Vertrauen. Er sei „überglücklich“, erklärte er darin und fügte hinzu, dass es „eine Auszeichnung für alle Äthiopier“ sei. Da er in einem wichtigen Treffen sitze, könne er sich in den nächsten Stunden nicht persönlich an die Öffentlichkeit wenden, teilte sein Büro mit.

Der Reformpolitiker hatte vor zwei Wochen den Hessischen Friedenspreis erhalten. Er galt neben der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg als Favorit auf den Friedensnobelpreis.

Auch Kritik am Preisträger

Neben viel Lob für den Hoffnungsträger gibt es international auch Kritik an den Verhältnissen in Äthiopien. Mehrere Volksgruppen bekämpfen sich, ohne dass Abiy bislang versucht hätte, die Konflikte zu beenden. Außerdem wurde ihm mehrfach vorgeworfen, zu wenig gegen das Vertriebenenproblem unternommen zu haben.

In Äthiopien befinden sich nach UN-Angaben rund 1,5 Millionen der insgesamt 105 Millionen Einwohner auf der Flucht vor internen Konflikten. Deshalb fürchten Experten, dass die Gewalt in dem Vielvölkerstaat Äthiopien wieder zunehmen könne.

Konfrontiert mit der Kritik antwortete die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen: Man müsse Geduld haben, und „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut“. Sie räumte ein, dass noch viel Arbeit vor Abiy liege. „Es ist offenbar, dass er am Anfang seiner Arbeit steht. Wir meinen, dass es jetzt an der Zeit ist, diese Arbeit anzuerkennen.“

Abiy studierte in seinem Heimatland Informatik. Später stieg er in die Politik ein und wurde bei den letzten Wahlen zum Hoffnungsträger der jungen Generation. Zuletzt hat die anwachsende Gewalt die Euphorie deutlich gebremst und Ernüchterung entstehen lassen.

Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit in Äthiopien lässt viele Menschen am Erfolg Abiys zweifeln. Außerdem hat er sich zuletzt viele Feinde geschaffen, als er Korruption im Staatsapparat aufdeckte und hohe Militärs entließ. Zweimal schon wurden Attentate auf Abiy verübt.  

300 Nominierte

In diesem Jahr waren mehr als 300 Personen und Organisationen für den Friedensnobelpreis nominiert. Darunter befanden sich erneut Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch US-Präsident Donald Trump. Bei den Buchmachern galt die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg als Top-Favoritin auf die Auszeichnung, aber auch Abiy wurde hoch gehandelt.

Im vergangenen Jahr wurden die jesidische Aktivistin und UN-Sonderbotschafterin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege mit dem Friedensnobelpreis für ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und Konflikten ausgezeichnet.

Alle Nobelpreise sind mit neun Millionen schwedischen Kronen (827.000 Euro) dotiert und werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht.                                              

Damit stehen die Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden fest. Am Montag folgt abschließend die Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises, der als einziger nicht auf das Testament des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurückgeht.

Mehr: Drei Forscher teilen sich den Chemie-Nobelpreis: John Goodenough, Stanley Whittingham und Akira Yoshino werden für ihre Forschung an Lithium-Ionen-Batterien geehrt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Auszeichnung - Friedensnobelpreis geht an äthiopischen Premier Abiy Ahmed – vor ihm liegt viel Arbeit

0 Kommentare zu "Auszeichnung: Friedensnobelpreis geht an äthiopischen Premier Abiy Ahmed – vor ihm liegt viel Arbeit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.