Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autozölle Trump deeskaliert im Handelsstreit mit der EU – für den Moment

Der US-Präsident will offenbar vorerst keine Autozölle verhängen, doch die Drohkulisse bleibt bestehen. In Brüssel beobachtet man wachsam die Entwicklungen.
Update: 15.05.2019 - 21:09 Uhr Kommentieren
Die EU-Kommission hat bereits eine Liste von US-Produkten in der Schublade, die sie im Gegenzug mit höheren Einfuhrzöllen belegen würde. Quelle: Reuters
Donald Trump

Die EU-Kommission hat bereits eine Liste von US-Produkten in der Schublade, die sie im Gegenzug mit höheren Einfuhrzöllen belegen würde.

(Foto: Reuters)

Washington, BrüsselDer US-Präsident kämpft an mehreren Fronten im Handelskrieg: Die Gespräche mit China sind zurückgeworfen worden, nachdem Washington neue Handelsbarrieren hochzog und Peking sich mit eigenen Strafzöllen rächte. Auch das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA, der Nachfolger von Nafta, hängt im US-Kongress fest. Doch in den Verhandlungen über ein transatlantisches Industriezollabkommen mit der EU scheint die US-Regierung für den Moment den Druck herausnehmen zu wollen.

Wie das Wirtschaftsportal „Bloomberg“ am Mittwoch berichtete, will Trump seine Entscheidung über Strafzölle auf europäische Autos um bis zu sechs Monate verschieben. Andere US-Medien bestätigten die Berichte mit eigenen Quellen.

Eine offizielle Erklärung aus dem Weißen Haus steht noch aus. Der Präsident hat bis Samstag Zeit, sich dazu zu äußern, dann läuft eine Frist ab, binnen derer die US-Regierung sich zum Thema Autozölle verhalten muss.

Ganz aufatmen können europäische, insbesondere deutsche Autobauer zwar noch nicht. Denn die Fristverlängerung ist kein klares Nein zu Autozöllen. Sie bedeutet auch, dass die Drohkulisse mindestens bis Jahresende von den USA aufrechterhalten werden kann. Sollten sich die transatlantischen Partner in ihren Gesprächen verhaken, könnte sich Trump jederzeit zu neuen Zöllen entschließen.

In EU-Kreisen hieß es warnend, niemand in der US-Regierung könne zuverlässig sagen, wie sich Trump entscheidet. Sollte der Präsident die Autozölle nur aussetzen, um sie als Druckmittel gegenüber den Europäern einzusetzen, würde die EU die Handelsgespräche wohl abbrechen. „Der Bogen ist sehr gespannt. Wenn noch einmal jemand daran zieht, dann reißt er“, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), dem Handelsblatt.

Doch für den Moment ist die wahrscheinliche Fristverlängerung für die gesamte Branche, auch für amerikanische Autobauer, eine gute Nachricht. Aktien von Daimler und BMW gewannen jeweils etwa 2,5 Prozent. Der europäische Autoindex legte bis zu 2,2 Prozent zu, der Dax zog ebenfalls an. In den USA drehten die Branchengrößen ins Plus. Die Papiere von Ford und Fiat Chrysler notierten je rund ein Prozent fester.

Durch die Strafzölle auf Stahl und Aluminium ist die Industrie schon jetzt belastet, weitere Zölle hätten die Situation erheblich verschärft, vor allem für die exportstarke Branche in Deutschland.

Trump verschafft der EU und anderen Handelspartnern wie Japan nun offenbar eine Atempause – und gibt dem EU-Handelsabkommen zumindest eine Chance. Denn sofortige Autozölle hätten mit ziemlicher Sicherheit jegliche konstruktive Verhandlungsgrundlage zerstört.

Brüssel hat für den Ernstfall Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet. Die EU-Kommission hat eine Liste von US-Produkten im Wert von etwa 20 Milliarden Euro in der Schublade, die sie im Gegenzug mit höheren Einfuhrzöllen belegen würde. Darauf finden sich unter anderem Ketchup, Koffer und Traktoren aus den Vereinigten Staaten.

Bald ein Jahr ist es her, dass Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sich mit Trump in Washington über Verhandlungen über ein Industriezollabkommen verständigte. Doch die gehen schleppend voran, ein großer Knackpunkt ist der Streit über eine Öffnung des EU-Agrarmarkts. Brüssel lehnt eine Öffnung zu diesem Zeitpunkt ab, die USA bestehen darauf. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die US-Regierung Autozölle als Hebel im Agrarstreit einsetzen wird.

Juncker zeigte sich in den vergangenen Tagen zuversichtlich, dass Trump die im vergangenen Sommer geschlossene Vereinbarung achten werde, keine neuen Zölle zu verhängen, solange beide Seiten über engere Handelsbeziehungen sprechen. Sein Team sei nahezu täglich in Kontakt mit dem US-Präsidialamt, und er glaube, dass man Trump beim Thema Handel trauen könne, sagte Juncker am Dienstag.

Im Februar hatte das US-Handelsministerium einen Prüfbericht über die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Importe von Autos und Fahrzeugteilen an Trump übergeben. Zugrunde liegt die These, dass US-Autobauer durch die starke ausländische Konkurrenz behindert werden, in Zukunftstechnologie zu investieren. Eigentlich müsste Trump binnen 90 Tagen entscheiden, ob er auf dieser Grundlage tatsächlich wie angedroht Zölle verhängt, aber eine Fristverschiebung ist erlaubt. Trumps Pläne hatten im Kongress auf breiter Ebene Kritik ausgelöst, weil neue Strafzölle branchenweit auf Ablehnung stoßen.

Ausländischen Herstellern in den USA, von Daimler über BMW und Volkswagen bis hin zu Japans Toyota und Südkoreas Kia, würden die Zölle schaden, aber auch amerikanische Autohersteller haben sich dagegen ausgesprochen, weil ihre Lieferketten global verlaufen. Der US-Branchenverband Alliance of Automobile Manufacturers warnt, dass die Einführung von Zöllen auf importierte Fahrzeuge und Bauteile ein „Fehler mit erheblichen negativen Folgen für die Autoindustrie und ihre Mitarbeiter“ wäre.

Die Empfehlungen des Handelsministeriums an Trump, ob Autozölle erforderlich sind oder nicht, sind bis heute nicht öffentlich bekannt. Das Weiße Haus weigert sich bislang, den Bericht an den US-Kongress zu übergeben.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Autozölle - Trump deeskaliert im Handelsstreit mit der EU – für den Moment

0 Kommentare zu "Autozölle: Trump deeskaliert im Handelsstreit mit der EU – für den Moment"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.