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Balkan Bulgarien: Wachstumsmodell stößt an seine Grenzen

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Im November vergangenen Jahres hat Brüssel sogar erstmals Fördermittel für Bulgarien gestrichen. Sofia könne nicht garantieren, dass die Gelder korruptionsfrei eingesetzt würden, hieß es zur Begründung. Der Staat mit seinen 7,6 Millionen Einwohnern ist laut der jüngsten Studie von Transparency International das korrupteste EU-Mitgliedsland. Zu Bestechungen oder Verflechtungen der Politik mit organisierten Kriminellen kommen nach Angaben von in Bulgaren ansässigen Firmen erhebliche bürokratische Hürden und Rechtsunsicherheit.

Aber das Land mit seiner Schwarzmeerküste, den Rosentälern und Donauauen bietet laut Weltbank auch viele Vorteile: Makroökonomisch stehe es besser da als viele Nachbarn: Das Steuersystem sei sehr vorteilhaft, das Arbeitsrecht vernünftig und die schlechteste Produktivität aller Länder biete der Region auch erhebliche Aufholpotenziale für die Zeit nach der Krise. Doch die trifft Bulgarien inzwischen mit voller Härte: Die Industrieproduktion breche ebenso ein wie die früher hohen Kapitalzuflüsse, sagt Bas Bakker, Chef der IWF-Delegation für Bulgarien.

Dabei ist vor allem der Rückgang der ausländischen Investitionen nicht allein der aktuellen Krise geschuldet: Schon im vergangenen Jahr flossen nach Angaben des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) nur noch 6,2 Mrd. Euro ausländischer Direktinvestitionen ans Schwarze Meer. Im Vorjahr waren es noch 8,5 Mrd. Euro. Dennoch hatte Bulgarien mit 25,3 Prozent das höchste Leistungsbilanzdefizit aller EU-Staaten. Zudem sind die Immobilienpreise erheblich ins Rutschen geraten, die Exporte brechen weg, viele Kredite werden notleidend. 52 Prozent der privaten Kreditnehmer in Bulgarien müssen bereits ein Fünftel ihres Gesamteinkommens zur Bedienung der Verbindlichkeiten einsetzen. Nur die Rumänen stehen noch schlechter da.

Doch trotz aller Probleme setzen die 1 200 in Bulgarien aktiven deutschen Unternehmen weiter auf das Land: Die deutschen Investoren seien mit ihrer Standortentscheidung zufrieden, berichtet die deutsch-bulgarische Industrie- und Handelskammer in Sofia nach ihrer jüngsten Konjunktur-Umfrage. Demnach wählten die befragten Firmen den Standort Bulgarien mit der Note 2,5 auf den ersten Platz vor Deutschland und Tschechien (Note 2,6). Vier von fünf Firmen würden sich wieder für Bulgarien entscheiden, heißt es.

Dem Balkanland komme die vorsichtige Fiskalpolitik und der niedrige Schuldenstand zugute, sagt Kenneth Orchard von der Ratingagentur Moody’s. Und zehn Jahre rasanten Wirtschaftswachstums, gekrönt durch die Mitgliedschaft in EU und Nato, haben viele ausländische Firmen neugierig auf Bulgarien gemacht. Vor allem im Agrarsektor, in der Metallverarbeitung, der Holzindustrie und Medizintechnik sieht Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Lindner noch erhebliches Wachstumspotenzial in der Zeit nach der Krise. Denn dank der dringend notwendigen Infrastrukturprogramme dürften deutsche Unternehmen sogar inmitten der Krisenphase profitieren.

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