Banken bis Mittwoch geschlossen Zyperns Hilfspaket wird neu gepackt

Der Tabu-Bruch der Euro-Gruppe führt in die Sackgasse: Die Teil-Enteignung der Sparer ist in Zypern nicht durchzusetzen, das Hilfspaket wird neu verhandelt. Um die Kapitalflucht zu verhindern, bleiben die Banken zu.
Update: 18.03.2013 - 16:21 Uhr 124 Kommentare
Bankfiliale in Nikosia. Quelle: dpa

Bankfiliale in Nikosia.

(Foto: dpa)

Brüssel/AthenDie Parlamentsentscheidung über das Hilfspaket wird erneut vertagt, die zyprischen Banken sollen bis Mittwoch einschließlich geschlossen bleiben. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und AP mit Bezug auf die Zentralbank des Landes. Der Grund: Die Regierung will verhindern, dass bei der Öffnung Milliarden ins Ausland fließen. Gleichzeitig benötigt sie mehr Zeit, weil das mit der Euro-Gruppe ausgehandelte Paket nachverhandelt werden muss.

Nach Einschätzung der zyprischen Regierung wird sich das Parlament weigern das Paket in der vorliegenden Form abzusegnen. Daher wurde die für heute angesetzte Abstimmung in Nikosia ein zweites Mal verschoben. Die Vermögensabgabe auf zyprische Sparkonten war in allen Parteien in Zypern auf Widerstand gestoßen. Sogar einige Abgeordnete aus der Regierungskoalition wollten dagegen stimmen, hieß es in Brüssel. Am Mittag wurde die Vertagung der Parlamentsdebatte auch offiziell bestätigt: sie soll nun am Dienstag um 18 Uhr beginnen.

Die Euro-Zone erwäge deshalb jetzt, die an das Kreditpaket geknüpften Bedingungen noch einmal zu modifizieren. Die EU-Kommission, die EZB und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hätten darüber bereits Verhandlungen aufgenommen, hieß es in Brüssel. Am Montagabend wollen die Euro-Finanzminister bei einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten und womöglich ein modifiziertes Kreditpaket für Zypern beschließen.

Offenbar will es die Eurogruppe Zypern freistellen, die geplanten Einnahmen von 5,8 Milliarden Euro aus der Vermögensabgabe anderweitig zusammenzubekommen. Es werde nun insbesondere darüber geredet, Ersparnisse bis zu 100.000 Euro in Zypern doch nicht mit der Abgabe zu belasten. Bankkonten bis zu 100.000 Euro genießen der EU eigentlich gesetzlichen Schutz.

Nach Angaben aus Parlamentskreisen will die Regierung in Nikosia einen Freibetrag von 20.000 Euro vorschlagen. Für darüber hinaus gehende Einlagen bis zu einer Summe von 100.000 Euro solle die Abgabe 6,7 Prozent betragen, Einlagen über 100.000 Euro würden wie auch bisher vorgesehen mit 9,9 Prozent belastet, erfuhr Reuters aus Regierungskreisen.

Die Bundesregierung will sich an der neuen Ausgestaltung der Bankenabgabe nicht beteiligen. „Wie das Land den Beitrag aufbringt, wie es das staffelt, das war und ist Sache der zyprischen Regierung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Deutschland habe sich auch eine andere Staffelung vorstellen können, „aber es ist nicht unsere Entscheidung“.

Entsetzen, Ratlosigkeit, Schock und Wut
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124 Kommentare zu "Banken bis Mittwoch geschlossen: Zyperns Hilfspaket wird neu gepackt"

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  • Der Euro ist der größte Spaltpilz in der europäischen Geschichte, sagt unlängst ein Anlagenberater im Handelsblatt: Er ist vor allem das Ergebnis einer Währungsunion, auf der Agenda 2000 der EU beschlossen nach politischen Albträumen über Großmannssucht einer Reihe von EU-Politikern, immer voran die idiotischen Germans Kohl, Schmidt, Schröder. Mitterrand hat damals seine Ansicht, daß die deutsche Hegemonie in Europa nicht durch Verlust ihrer Waffen, sondern nur durch Verlust ihrer Währung zu beseitigen ist, wohlweislich nicht dem tumben Kohl, obwohl der das auch nicht verstanden hätte, sondern nur engen politischen Freunden mitgeteilt. Es stimmt aber auch nicht, denn die Deutschen beherrschen heute Europa mit ihren dümmlichen Sparvorschlägen, nach der mitgetragenen Entscheidung für die Währungsunion in jedem Falle kontraproduktiv.
    Das Volk büßt, was die Könige tun, sagt 100 v.Chr. der römische Satiriker Horaz. Und heute ist Zypern dran, nach Griechenland, wo bereits Kinder verhungern, das zweite Land an der Wiege der europäischen Kultur. Heute lese ich in meinem Infobroker: Die Eurokrise ist für das angeschlagene Mitgliedsland Zypern wieder im Fokus; und es wird nicht das Letzte sein, daß an diesem kryptischen Währungskonzept, geboren aus politischen Albträumen, zu leiden hat.
    Da wird es doch Zeit, daß man endlich mal die Frage nach der wirklichen Verantwortung stellt und nicht immer andere Nationen grundlos in die Pfanne haut. Die Deutschen sind schon dabei – Sie wählen mit erstaunlichen Mehrheiten die Alternative für Deutschland, um die verschlafene, völlig alternativlose Merkel in den Orkus zu stoßen. Wann ziehen die Völker Europas mal nach und stürzen sich auf ihre wahren Peiniger.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Wenn es dabei bleibt, dass die Kleinsparer teilenteignet werden, dann ist das nichts anderes als die perfekte Umkehr der Oktoberrevolution von 1917: Die Kapitalisten enteignen die "Arbeiterklasse". Das nenne ich Rache. Herrlich. Wahnsinn.

  • Guten Morgen,
    es ist Egal wie nun die Bevölkerung beruhigt wird, auch das "zurück rudern" hilft nicht. Fakt ist, das Vertrauen in Politik und Banken ist gebrochen. Das zyprische Volk wird einen Banken Run vorzeigen, der den Bänkern und Politikern das Blut in den Augen treibt. Rein rechtlich wäre dieses Szenario auch in Deutschland möglich. Schauen wir mal wie lange die Banken in Zypern geschlossen bleiben, jedenfalls ist derzeit nicht soviel Cashgeld auf der Insel wie Sie dann brauchen werden, wenn die Banken öffnen. Nun Schäuble und Goldman &Sachs Marionetten...warm anziehen

  • @netshadow - das Problem ist, die gewählte Lösung sieht schon wieder de Sozialisierung der Verluste zugünsten der Banken vor. Lieber sollten die Anlagen der Kleinanleger gesichert werden während die betroffenen Banken Pleite gehen und abgewickelt werden.

  • Ja natürlich will die Bank "Sicherheiten" haben. Die Sciherheit ist ein reales Vermögen z.B. ein Haus oder eben der Lohn den man Pfänden kann. Die Gegenleistung der Bank ist ein Knopfdruck auf der Tastatur, eben Geldschöpfung aus dem Nichts. Und dafür bekommt sie Zinsen und wenn der Kreditnehmer ausfällt auch die Sicherheiten.

  • @Rechner

    Ihr Kommentar war ungewohnt schwach.

    "-----------------
    Banken erzeugen Geld aus dem nichts und nicht wie viele glauben dass Banken das Geld der Sparer weiterverleihen.
    -----------------

    Blödsinn.

    Eine Bank die das versucht, ist ihre Lizenz sofort los."

    Dann erklären Sie mal wie Geld erzeugt wird. Sie kennen die Antwort. Meistens durch einen Bankkredit.

    "Leider wissen Schäuble & Co. davon nichts.

    Sonst könnte man die ganzen Finanzkrisen ja mit einem Federstrich lösen, ohne sich in Brüssel die Nächte um die Ohren zu schlagen und die Wähler mit Krisenängsten zu beunruhigen.

    Und auch die Banken in Zypern haben von Ihrem tollen Trick noch nichts gehört.

    Einfach ein bißchen mehr Geld aus dem Nichts erzeugen, und schon ist das Problem gelöst."

    Sie halten "Schäuble & Co." für Dümmer als sie sind. ich denke sogar entgegen den meisten Kommentatoren das "Schäuble & Co." sehr wohl wissen was läuft.

    Es gibt keine "Finazkrisen" sondern nur Erschneinungen der Gledsystemkrise die sich in "Verschuldungskrisen" äußert welche durch politische Fehlentscheidungen verstärkt hat.

    "Und auch die Banken in Zypern haben von Ihrem tollen Trick noch nichts gehört."

    Die Isländer schon. Die haben die Schulden nicht mehr bezahlt.

    "Einfach ein bißchen mehr Geld aus dem Nichts erzeugen, und schon ist das Problem gelöst."

    Das habe ich nicht gesagt.
    Die Arbeit beginnt dann wenn mehr Länder anfangen zu sagen wir Zahlen keine Schulden mehr für aus dem nicht geschöpftes Geld und schon gar nicht die darauf anfallenden Zinsen. Dann bricht das Finanzsystem zusammen was ohne künstliche Hilfe schon lange passiert wäre.

  • 'hasstnicht' sagt
    -------------------
    Banken erzeugen Geld aus dem nichts und nicht wie viele glauben dass Banken das Geld der Sparer weiterverleihen.
    -------------------

    Falsch.

    Banken verleihen tatsächlich das Geld von Sparern (und sonstigen Einlegern) weiter.

    Diese "Gelderzeugung aus dem Nichts" von der Sie reden ist etwas anderes: Banken monetarisieren zukünftige Zahlungsversprechen gegen Sicherheiten.

    Das ist keine Gelderzeugung "aus dem Nichts". Sondern Gelderzeugung aus den Sicherheiten - dem Haus, oder auch nur der Arbeitskraft eines Kleinkreditnehmers.

    Das so erzeugte Geld ist weder eine Banknote, noch ein (damit gleichwertiges) Guthaben bei der Zentralbank. Sondern eine Forderung gegen das Institut selber - sogenanntes Giralgeld.

    Dieses Giralgeld wird im bargeldlosen Zahlungsverkehr als Zahlung angenommen - es läuft genauso um wie Bargeld. Und die beiden "Geldsorten" sind de fakto jederzeit konvertibel.

    Eine Bank kann Giralgeld aber nur erzeugen, wenn sie einen Kreditnehmer hat, der verspricht es in einem gewissen Zeitraum mit Zinsen zurückzuzahlen, und wenn dieser Kreditnehmer über angemessene Sicherheiten verfügt und diese auch verpfändet.

    Im Falle eine Kleinkredits wird zwar die Arbeitskraft nicht verpfändet - aber die Kreditauskunft weiß natürlich daß Meier bei der Deutschen Bank 20 Mille in der Kreide steht - also wird die Commerzbank nicht nochmal 20 Mille draufpacken.

    Und wenn Meier bei Laufzeitende nicht löhnt, dann kommt die Lohnpfändung.

  • @Rechner

    Zitat:"Allerdings sind Wahlplakate der CDU nicht Bestandteil der europäischen Verträge :)"

    Kann man sich diese "europäischen Verträge" auch als Klopapierrollen bestellen oder kann man sich bald direkt mit Euro-Scheinen den Arsch abwischen, weil billiger?

  • 'hasstnicht' sagt
    -----------------
    Banken erzeugen Geld aus dem nichts und nicht wie viele glauben dass Banken das Geld der Sparer weiterverleihen.
    -----------------

    Blödsinn.

    Eine Bank die das versucht, ist ihre Lizenz sofort los.

    +++

    'hasstnicht' sagt
    -----------------
    Erweisen sich aus dem nichts erzeugte Kredite der Bank als "Verlustbringer" und können nicht mehr in der Höhe eingebracht werden wie Geld ausgegeben wurde rutscht die Bank ins Minus und kann ihre Mindestreserve nicht mehr erfüllen. Das nennt man dann eine Bankenpleite.
    -----------------

    Blödsinn.

    Eine Bank die nicht mehr dass regulatorisch erforderlich Eigenkapital hat wird geschlossen (es sei denn, sie ist in Zypern). Und das hat sie dann nicht mehr, wenn sie zuviele Abschreibungen auf Forderungen aus Krediten oder Wertpapieren hatte.

    Normalerweise müßte sie dann aber noch Eigenkapital haben - also nicht insolvent sein.

    Die Mindestreservepflicht bezieht sich nur auf auf das Verhältnis zwischen Sichteinlagen einerseits und Bargeld und Notenbankguthaben andrerseits.

    Sie ist eine Pflicht die unabhängig ist von der Pflicht, eine regulatorisch ausreichende Eigenkapitalausstattung zu haben.

    +++

    'hasstnicht' sagt
    -----------------
    De Facto ist das nur ein Zahlenspiel. Man könnte ganz einfach die uneinbringbaren Forderungen bzw. den Wertverlust von Anlagen streichen und niemand hätte einen Schaden da das Geld was erzeugt wurde so oder so im Kreislauf ist.
    -----------------

    Zum Totlachen!

    Leider wissen Schäuble & Co. davon nichts.

    Sonst könnte man die ganzen Finanzkrisen ja mit einem Federstrich lösen, ohne sich in Brüssel die Nächte um die Ohren zu schlagen und die Wähler mit Krisenängsten zu beunruhigen.

    Und auch die Banken in Zypern haben von Ihrem tollen Trick noch nichts gehört.

    Einfach ein bißchen mehr Geld aus dem Nichts erzeugen, und schon ist das Problem gelöst.

  • 'Rettungswahnsinn' sagt
    -------------------------
    @Rechner

    Und die Wahlwerbung der CDU war sicher auch ganz anders gemeint? Tarnen und täuschen!

    http://www.cdu-fdp-ade.de/images/CDU-Plakat-Was-kostet-uns-der-Euro.jpg
    -------------------------

    Diese Wahlwerbung der CDU (1999) war teilweise irreführend.

    Allerdings sind Wahlplakate der CDU nicht Bestandteil der europäischen Verträge :)

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