Bankrott erklärt Detroit liegt am Boden

Lange schon dauert das Elend Detroits, jetzt hat der Gouverneur von Michigan die Notbremse gezogen: Die einst blühende Auto-Metropole hat Bankrott erklärt. Es ist die größte Pleite einer Stadt in der US-Geschichte.
Update: 19.07.2013 - 05:10 Uhr 23 Kommentare

Eine Metropole ist bankrott

New YorkDie hoch verschuldete US-Autometropole Detroit ist pleite. Der Gouverneur des Bundesstaates Michigan, Rick Snyder, genehmigte am Donnerstag den Vorschlag des von ihm eingesetzten Finanz-Notfallmanagers Kevyn Orr, bei einem Gericht Gläubigerschutz zu beantragen. Die Bankrotterklärung sei "der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit", teilte Snyder in einem Begleitschreiben mit. Es ist die größte amerikanischen Stadt, die jemals Insolvenz angemeldet hat.

Er habe gehofft, dieser Schritt könne vermieden werden, so Snyder. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: "Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent".

Der Gläubigerschutz nach Kapitel 9 des US-Insolvenzrechts würde es der Stadtverwaltung ermöglichen, einmal durchzuatmen: Unter Aufsicht eines Insolvenzrichters könnte Detroit die fast 18,5 Milliarden Dollar schweren Verbindlichkeiten neu strukturieren, wäre vorübergehend geschützt gegen Klagen und könnte Zahlungen an Gläubiger aussetzen. Auch bestehende Verträge könnten aufgebrochen werden. Kapitel 9 ist das Pendant für US-Kommunen zum Kapitel 11, bei dem überschuldete Unternehmen Zuflucht suchen.

Vor dem drastischen Schritt waren Verhandlungen zwischen Finanzmanager Orr und den Gläubigern, darunter Anleihen-Besitzer und Pensionsfonds, gescheitert. Der Rechtsanwalt aus Washington war im März eingesetzt worden, um die ausufernden Finanzen der Stadt in den Griff zu bekommen.

Detroit, einst blühende Metropole und Sitz der US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen einzigartigen Niedergang erlebt. Noch in den 50er Jahren war es mit 1,8 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der USA.

Doch als die Autoindustrie Probleme bekam, spürte auch "Motor City" die Folgen: Fabriken schlossen oder wurden in die umliegenden Städte verlagert, Tausende verloren ihre Jobs, ganze Wirtschaftszweige wanderten ab - und mit ihnen die Steuergelder. In der Folge zogen immer mehr gut Ausgebildete fort und setzten einen Teufelskreis in Gang.

Die Finanzkrise und die darauf folgende Rezession gaben der Dynamik dann den Rest. Dazu kam jahrelanges Missmanagement und Korruption in der Stadtverwaltung.

Detroit gleicht einer Geisterstadt
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23 Kommentare zu "Bankrott erklärt: Detroit liegt am Boden"

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  • Jetzt? 2013? melden die Pleite an?....Sorry aber ich war vor 8 Jahren ca. dort und dachte ich bin im Irak gelandet. Ganze Viertel, kompleet menschenleer und verrottet, hier und da brennt mal ein Haus welches man einfach brennen lässt weil sich das löschen nicht lohnt. Drogenfuzzies an jeder Ecke, Schiessereien alltäglich....

    Sorry aber die waren seit x JAhren schon mehr als nur pleite...dass das jetzt 2013 kommt, gleicht einem Witz.

  • Ach ich denke nicht dass man das in den USA so tragisch sieht - Altes geht und zerfällt, und irgendwo entsteht Neues.

    Es gibt dort auch Nostalgie, aber Pragmatismus ist dann doch beherrschender.

  • Was sind denn schon 18,5 Milliarden Dollar Schulden...,
    Berlin hat 62 Milliarden EURO davon!!!
    Die Berliner werden aber nicht verhungern, denn diese (...)Mischpoke wird vom Rest der BRD durchgefüttert!!!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Der Bericht erzeugt Wehmut. Wehmut, weil ein Symbol, ein Leuchtturm für viele strebsame Menschen in aller Welt gestürzt ist. Selbst die technischen Hochschulen der DDR mussten immer wieder auf die bahnbrechenden Entwicklungen aus dieser Stadt hinweisen. Die historische Größe bleibt, auch wenn die Zukunft düster ist. Sie ist düster, weil die unvergleichlichen Rahmenbedingungen der aufstrebenden USA heute fehlen. Während die politischen Väter des Aufstiegs zur führenden Wirtschaftsmacht die Ressourcen des Landes einsetzten, um damit Fleiß und Strebsamkeit der Bevölkerung erfolgreich zu höchster Effizienz zu führen, vergeuden die Administrationen den Reichtum des Landes durch Ausgaben, die sich nicht rechnen. Dazu gehörten die substanzauszehrenden Kriegslasten durch Cheney und wohl auch die Datenmüllsammlungswut des Obama. Freunde aus der USA beklagen den dadurch bedingten Niedergang der Infrastruktur. In den beiden Parteien gibt es kaum noch öffentlich wahrnehmbare Stimmen, die die Rückbesinnung auf die einst vom know how getrieben Handelsnation als wichtigstes Ziel vermitteln. Der Kern des einstigen Patriotismus wurde preis gegeben. Die Besinnung auf den Wettbewerb kann nicht durch Abgreifen fremder Unternehmensdaten ersetzt werden. Wir Europäer sollten diese Selbstzerlegung nicht mit Häme aus kurzfristigen Wettbewerbsinteressen sehen, sondern mit Besorgnis die Folgen für den globalen Handel sehen. Handelspartner müssen über Guthaben, statt über erdrückende Schulden verfügen. Während der letzten Wahlen konnten sich leider jene Kräfte nicht durchsetzen, die eine Rückkehr zur realwirtschaftsgetriebenen Leistungsgesellschaft forderten und die Ressourcen des Landes für diesen vitalen Zweck einsetzen wollten. Die Zukunft der USA wird nicht mit Drohnen und Datenmüllsammlungen entschieden, sondern mit volkswirtschaftlichem Fortschritt. Das Umsteuern muss die Politik durchsetzen; viel Zeit hat sie dafür aber nicht.

  • Wenn es Ihnen in Deutschland nicht gefällt, steht es Ihnen frei, in das Paradies China auszuwandern! Dass asiatische Produkte per se besser sind, halte ich für ein Gerücht. Unser Land wird durch die Politik schon genug heruntergerwirtschaftet, umso schlimmer ist es, dass sich zu viele Antifa-Möchtegerns dies auch noch herbeisehnen, und dabei zu 90% aber von eben diesen Staat durchgefüttert werden.

  • Ach kommen Sie, Bevölkerungsschwund in Detroit gibt es seit 60 Jahren. Das Problem von Detroit ist nicht die Autoindustrie, sondern die Politik. Wenn über Jahrzehnte hinweg mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird, dann steht am Ende eine Pleite. Zwangsweise und unvermeidbar.

    Der sozialistische Traum ist es ja, dass jemand anders die Rechnung zahlt. In Detroit haben halt die anderen 'nö' gesagt.

    Das ganze ist kein Vorgeschmack auf WOB, H, BS oder sonstwo, sondern ein Vorgeschmack auf Hamburg, Berlin dem Ruhrpott oder generell den europäischen Wohlfahrtsstaaten. Irgendwann wird die arbeitende Bevölkerung der nicht arbeitenden Bevölkerung mitteilen, dass die "Solidar"leistungen nicht mehr kommen.

    Der Fehler ist nicht die Autoindustrie, sondern das viel zu lange "solidarisch" gehandelt wurde und so die Politik weiterhin sozialistisch träumen durfte.

  • Das ist (leider!) kein rechts-liberaler Müll. Der Konkurs stammt um großen Teil aus der Bedienung der Zinsen für frühere Verschuldung- und die wurde nötig warum? Wegen der Forderungen der Gewerkschaften des öff. Dienstes. Hohe Personal- Kosten mit Ineffizienz... Vergleichen SIe doch mal HIER in D die Vemögenssituation eines Beamten Pensionärsd mit einem Rentner: ca. € 435.000 vs. 75.000 hat der öff. Dienst nur ein Privileg- oder nicht?

  • Detroit, die große, alte Autostadt, hat Konkurs angemeldet. Überraschung?! Das hat nicht viel mit PRISM, aber viel mit verschlafener, linker Sozial- und Technologiepolitik zu tun. Einer der Gründe für den Konkurs: Die Stadt muss mehr als 20% ihres Budgets für die Zinsen an Banken für ihre Schulden aufwenden. Am anderen Ende der Welt gibt es die Städte Hiroshima und Nagasaki. Wer meint, es stünden dort nur schwarz verkohlte Trümmer des atomaren Holocaust, irrt. Im Gegenteil: Google Maps/Earth erlauben den Blick auf blühende Wirtschaftsmetropolen. Die haben allerdings keine Sozialpolitik, wie Detroit.
    Ach, Sie meinen - das ist alles weit weg? Ich weiß ja nicht, ob sie es schon wussten: 2014 wird das Opel- Werk in Bochum schließen. (BOCHUM?! War das nicht diese wohlhabende Stadt, die dem Wirtschaftskriminellen Steinbrück 25.000 € für seinen Vortrag zahlte?! Na, die scheinen es ja zu haben!) Bochum wird sich für die zukünftigen Hartz IV Empfänger weiter verschulden müssen. Detroit, here we go!
    Den technologischen Anschluss ans 21. Jahrhundert habe ich dort allerdings noch nicht verorten können. Möchte vielleicht jemand ein IT- Unternehmen dort gründen? Arbeitsplätze gibt´s dort ja... Duisburg hatte immerhin die Love- Parade, und Oberhausen das Warner- Brothers- Zentrum. Tja, die Kultur...
    Was läuft schief in diesem Land?
    Und was kann ICH dagegen tun?

  • Nanana, Berlin ist doch ein ganz anderer Fall.
    Das hat ca. 100 Mrd. Schulden, und seinen Schwulen, und das ist gut so. Da zahlen wir doch gerne für, und schenken ihnen auch noch den 8., 9., und den 10. Flughafen. Macht auch nix, wenn einer davon nicht fertig wird, es sind ja genug da!

  • Ja, das sehe ich auch so. Man darf Politikern kein Geld mehr in die Hand geben. Weder gegeben (über Steuern) noch geborgt (über Kredite). Es ist völlig egal um wieviel Geld es geht. Politiker und Beamte bringen jedes Geld durch.

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