Bauern blockieren deutsche Grenze Randale statt Reform

Frankreichs Landwirte sind auf den Barrikaden. Sie blockieren Grenzübergänge, kippen Lastzüge um, legen Straßen lahm. Paris lässt sie gewähren. Mehr noch: Der Landwirtschaftsminister macht ein folgenschweres Versprechen.
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Landwirte blockieren sieben Grenzübergänge und lassen deutsche Laster nicht mehr durch. Quelle: AFP
Feuer und Randale

Landwirte blockieren sieben Grenzübergänge und lassen deutsche Laster nicht mehr durch.

(Foto: AFP)

ParisFrankreichs Landwirte nehmen das Recht – oder das, was sie dafür halten – weiter in die eigene Hand. Seit Montagnacht blockieren sie nach eigenen Angaben sieben Grenzübergänge nach Deutschland: „Wir halten alle Lastwagen aus Deutschland auf, die Agrarprodukte nach Frankreich transportieren, alle anderen lassen wir durch, französische Laster in die Gegenrichtung auch“, sagte sachlich ein Vertreter der Bauern im französischen Nachrichtensender BFM TV. Man protestiere mit dieser Aktion gegen den zu niedrigen Milchpreis und deutsches Preisdumping.

Seit über einer Woche machen die französischen Bauern nun schon die Straßen unsicher. Anfang vergangener Woche erreichten ihre Aktionen den Höhepunkt, fast das gesamte Autobahnnetz war zeitweilig stillgelegt. Ende vergangener Woche ging es weiter mit Blockaden im Südwesten. Lastzüge aus Spanien wurden umgekippt, ein Fahrer, der frecherweise Einwände hatte, wurde zusammengeschlagen. Auch einzelne Supermärkte erhalten Besuch: Randalierende Landwirte treiben Schweine in die Geschäfte und kippen Marmelade aus den Regalen, die Aktionen haben das Motto: „Konfitüre für die Schweine.“

Die Regierung protestiert pflichtschuldigst gegen die Randale, lässt die Bauern aber in den allermeisten Fällen gewähren. Die Polizei, die obdachlose Flüchtlinge mit Reizgas aus den Innenstädten vertreibt, selbst wenn sie völlig harmlos sind, schaut ruhig zu, wenn die „zornigen Landwirte“ zuschlagen. Staatspräsident François Hollande will keinen Ärger, schon gar keine Blockaden zur Hauptreisezeit. Deshalb versucht er, die gewalttätigen Protestler heraus zu kaufen. Mehr als eine Milliarde Euro musste sein Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll vergangene Woche als Soforthilfe zusagen, als vor allem die Rindermäster ihre Traktoren in Bewegung setzten.

Kein Wunder, dass das andere auf die Straße lockt: Nun sind es die Milchbauern, die sich über zu niedrige Preise beklagen. Auch ihnen ist Le Foll schon entgegengekommen. Die Milcherzeuger beklagen, dass der durchschnittliche Auszahlungspreis im Vergleich zum vergangenen Jahr um 17 Prozent auf rund 30 Cent pro Liter gesunken sei. Le Foll rief am Freitag alle Beteiligten zusammen, um die zu höheren Preisen für die Milchbauern zu verpflichten.

Betriebsausflug auf Chinesisch
Zur Mega-Sause nach Frankreich
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Eine Mega-Sause nach Frankreich hat rund 6400 Beschäftigten eines chinesischen Mischkonzerns wohl eine Menge Spaß gemacht.

Blaues Meer
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„Der Trip ist ein großer Erfolg für uns“, sagte eine Angestellte des Mischkonzerns Tiens über den wahrscheinlich größten Betriebsausflug der Welt. Gut die Hälfte der etwa 12 000 Angestellten sei zu dem Ausflug eingeladen worden.

Das andere Strandvergnügen
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Zu den Kosten für die Reise wollte sich die Mitarbeiterin auf Anfrage nicht äußern. Chinesische Medien schätzten die Ausgaben für den mehrtägigen Ausflug auf 13 Millionen Euro.

Begeisterte Gruppe
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In Paris belegte die Gruppe etwa 140 Hotels und Tausende Zimmer in Cannes und Monaco. Die Reisegruppe bekam eine private Führung durch den Louvre.

Geliebte Côte d’Azur
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Tiens ist in der Biotechnologie und Logistik aktiv, hat aber auch eine Immobilien-, Handels- und Tourismus-Sparte.

Winken fürs Foto
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Frankreich wurde vergangenes Jahr von chinesischen Besuchern zum freundlichsten Reiseland gewählt. Bis zum Jahr 2018 soll die Zahl der Besucher aus der Volksrepublik in Frankreich von derzeit rund zwei Millionen auf 3,4 Millionen steigen.

Begeisterte Besucherinnen
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Frankreich hat angekündigt, Visaanträge von chinesischen Besuchern besonders zügig zu bearbeiten, um mehr Besucher anzulocken.

Die Runde, an der Industrie und Handel beteiligt waren, sagte angesichts des politischen Drucks eine Preiserhöhung von vier Cent pro Liter zu. Vor allem verpflichtete sie sich, keine frische Milch mehr aus dem Ausland zu importieren. Im Kommuniqué des Landwirtschaftsministerium wird das verbrämt: „Allen Beteiligten ist in dieser schwierigen Lage die Bedeutung des französischen Ursprungs (der Milch) bewusst.“

Das ist eine offene Verletzung des freien Warenverkehrs in der EU, ein Verstoß gegen eine der Grundfreiheiten des vereinten Europas. Die EU-Kommission müsste sofort dagegen vorgehen. Auf Nachfrage will das Ministerium sich nicht zu der Selbstverpflichtung der von Le Foll zusammen getrommelten Runde äußern: „Ich weiß das nicht genau, ich bitte lieber einen technischen Berater, Sie anzurufen“, windet Le Folls Sprecher sich aus der Affäre.

Branche hat die Modernisierung verschlafen
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36 Kommentare zu "Bauern blockieren deutsche Grenze: Randale statt Reform"

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  • 0,50 €-Cent beträgt glaube ich der Materialwert von einem 100 € Schein.
    Schon mal auf dem 100,00 € Schuldschein nach einer Seriennumer Ausschau gehalten und sich gefragt, warum da keine draufgedruckt ist? Auch auf der Gioralgeldbuchung auf dem Kontoauszug sind keine Seriennummern mitvergeben, warum wohl?
    Weil dem „Geld“ keinerlei Wert gegenübersteht! Ein verzinster Schuldschein, bleibt eben ein verzinster Schuldschein, der bei Tilgung wieder vernichtet wird.

  • Herr Ben Zinka-Nister@
    Wenn wir jetzt weiterschreiben kommt der Zensor.

  • Eigentlich eine Frage "wie schnell kann man Geld drucken". Bekommen werden
    die Leute für das Papier nur den Heizwert. Sozusagen den inneren Wert der "Kohle".

  • Eine „Habenbuchung auf dem eigenen Kontoauszug“ ist immer ein zinsbelasterter Schuldschein des Bankkunden gegenüber seiner Bank, für die Bank somit eine zinsbelastete Verbindlichkeit.

  • Herr Ben Zinka-Nister@
    Pervers ist ein guter Ausdruck für das System. Kriminell sind die Leute die es
    wissentlich betreiben.

  • Ich wette mit Ihnen, wenn morgen früh gleichzeitig alle Bürger zu ihren Banken gehen würden und sich ihr „Giralgeld-Guthaben“ laut Kontoauszug von den Banken auszahlen lassen wollten, wäre es dass dann mit dem Bankensystem gewesen. Die Banken haben nämlich die Kohle gar nicht, können Sie gar nicht haben, geschweige denn, jemals bar ausbezahlen. Deshalb fand ich es damals von Merkel und Steinbrück sehr ambitioniert und bemerkenswert, den Deutschen zu versprechen, dass „ihre Spareinlagen sicher seien“,. was natürlich nicht stimmt!

  • Marc Hoffmann
    das ist doc klar.
    Merkel ist doch die späte Rache von Honecker.
    War vielleicht die Einheit auch getürkt? Um ganz Deutschland platt zu machen?

  • Der Zins und Zinseszins kann eh niemals bezahlt werden, da er ja erst bei der Geldschöpfung durch Kreditvergabe miterzeugt wurde. Durch einen Kreditvertrag entsteht erst Geld, welches dann zinsbelastet wird. Dieser Zins wird aber nicht mit geschöpft. Deshalb haben wir ja das Problem, dass jeder gegen jeden konkurriert, um dem anderen den Zins abzujagen, den er bei der Tilgung des Kredits zusätzlich zurückzahlen muss. Das Fatale daran ist, dass die Privatbank, dass Geld, das sie bucht, gar nicht besitzt. Sie gibt sozusagen nur einen verzinsten Schuldschein ab, dem kein Wert gegenübersteht. Sie sehen wie pervers und menschenverachtend dieses zinsbasierte Schuldgeldsystem ist, die Privatbanken handeln nur zinsbelastete Schuldscheine, Geld haben die keines! Und den Zins für diese Schuldscheine müssen wir uns im täglichen Hamsterrad gegenseitig abjagen und gegeneinander konkurrieren, anstatt produktiv und sinnvoll zusammenzuarbeiten. Unser Geldsystem ist auf Zerstörung ausgerichtet, es zählt nicht das produktive Miteinander und die Fülle, sondern es geht um das Gegeneinander und um den Mangel.


  • Herr Ben Zinka-Nister@
    Und bei der Tilgung, bei der Zurückzahlung der Kredite wird das Geld wieder vernichtet dann verschwindet es."
    Sie haben den Zins und Zinseszins vergessen und der wird auf die Dauer immer
    größer, so daß die Wirtschaft den Zinseszins nicht mehr erbringen kann, das System kollabiert. Nur Pleiten können das System bremsen und das verhindert
    zum Beispiel bei Griechenland Frau Merkel. Die Schulden wachsen hierbei immer
    schneller, die Frau ist also völlig inkompetent oder ein Bankenbüttel.

  • @ Marc Hofmann
    Was wollen Sie eigentlich noch, Herr Hofmann?
    Ich kann es nicht mehr hören mit dem „Sozialismus“ Vorwurf und dem Linkenbashing.
    Seit Jahren wurden/werden hier in Deutschland die richtig Reichen, Vermögenden und Wohlhabenden mit neoliberaler Lobbyisten-Wirtschaftspolitik durch Steuersenkungen entlastet.
    Das ist reiner „Klientel-Wohlstands-Sozialismus“, wenn kontinuierlich von -unten nach oben- umverteilt wurde und weiterhin wird.
    Wir sollten uns politisch endlich mal der Kapital- und Vermögenseinkunftsseite zuwenden, anstatt ständig über Strukturreformen und Sozialkürzungen bei der Mittel- und Unterschicht zu debattieren.
    Nicht die Unter- und Mittelschichten müssen weiter bluten, sondern jetzt geht es mal den Damen und Herren aus den reichen und vermögenden Oberschichten an den Kragen. Massive Besteuerung der Vermögenszuwächse, Einführung einer hohen Vermögens -und Erbschaftssteuer, Erhöhung des Spitzensteuersatzes und Einzahlung in die umlagefinanzierten Kranken. und Rentensysteme. Man muss endlich an diese Klientel ran, die einen Großteil des Volksvermögens bunkert und dem Wirtschaftskreislauf durch Nichtausgabe entzieht.

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