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Beji Caid Essebsi Präsident Tunesiens gestorben

Für Tunesien bedeutete der erste frei gewählte Präsident Beji Caid Essebsi einen demokratischen Wandel. Sein Tod kommt zu einem kritischen Zeitpunkt.
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Tunesien: Präsident Beji Caid Essebsi ist gestorben Quelle: AP
Beji Caid Essebsi

Zuletzt hatte sich Essebsi für gleichen Rechte von Männer und Frauen eingesetzt.

(Foto: AP)

Tunis Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte das Präsidialamt des nordafrikanischen Landes am Donnerstag mit. Details zu seiner Beerdigung würden bald bekanntgegeben, hieß es in der Mitteilung auf Facebook. Essebsi war erst vor drei Wochen aus einer Klinik entlassen worden und Berichten zufolge am Donnerstag erneut ins Krankenhaus gebracht worden.

Gemäß der Verfassung übernimmt der Parlamentspräsident nun für 45 bis 90 Tage die Rolle des Staatsoberhaupts, bis eine Präsidentenwahl organisiert ist. Für den 6. Oktober ist eine Parlamentswahl geplant, die nächste Präsidentenwahl soll am 17. November stattfinden.

Beji Caid Essebsi war der erste demokratisch gewählte Präsident Tunesiens und ein Politikveteran. Bei den ersten freien Wahlen nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Zine el-Abidine Ben Ali wurde Caid Essebsi Ende 2014 an die Spitze des tunesischen Staates gewählt. Er hatte sich bereits 1942 dem Kampf um die Unabhängigkeit Tunesiens von den Franzosen angeschlossen und wurde ein enger Vertrauter des ersten tunesischen Präsidenten Habib Bourguiba.

In dieser Zeit war Caid Essebsi unter anderem auch Innen- und Außenminister. Als Bourguiba Ende der 1980er Jahre aus dem Amt geputscht wurde, zog sich Caid Essebsi aus der Politik zurück und arbeitete wieder als Anwalt. Nach dem Sturz des langjährigen Diktators Ben Ali im Januar 2011 wurde er zunächst zum vorläufigen Ministerpräsidenten ernannt. Bei den Parlamentswahlen 2014 punktete seine zuvor neu gegründete säkulare Partei Nidaa Tounes (dt. Tunesiens Appell) und Essebsi wurde anschließend in freier Wahl zum Präsidenten Tunesiens gewählt.

In seiner Amtszeit versuchte Essebsi vor allen Dingen, die unterschiedlichen politischen Akteure an einen Tisch zu bringen und die teils tiefen Gräben zwischen Liberalen, Konservativen, Islamisten und Gewerkschaften zu überbrücken. Zuletzt hatte er sich verstärkt für die gleichen Rechte von Frauen und Männern in dem muslimischen Land eingesetzt. Zuletzt führten Streitigkeiten in seiner Partei allerdings zur Spaltung der Regierungspartei und zum Bruch mit Regierungschef Youssef Chahed.

Tunesien ist das einzige Land der Region, das nach dem sogenannten Arabischen Frühling weitgehende demokratische Reformen umgesetzt hat. Allerdings kämpft das Land mit großen wirtschaftlichen Problemen. Am Donnerstag heizten zudem mehrere Anschläge auf Sicherheitskräfte die Diskussion um die Sicherheit in dem nordafrikanischen Urlaubsland an.

Mehr: Die Abschiebung des Islamisten bleibt bestehen. Die tunesische Botschaft hat dem Gericht zugesagt ihn nicht zu foltern. Sami A. wurde 2018 abgeschoben.

  • dpa
  • ap
  • rtr
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