Beobachter in Syrien Arabische Liga tut sich mit Uno zusammen

Es ist der verzweifelte Versuch, das Morden in Syrien zu beenden: Die Arabische Liga schlägt eine neue Beobachtermission vor - und stößt damit bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf offene Ohren.
Update: 09.02.2012 - 07:03 Uhr 10 Kommentare
Ein syrischer Rebell flieht am 8. Februar in Idlib vor Armeebeschuss. Quelle: dapd

Ein syrischer Rebell flieht am 8. Februar in Idlib vor Armeebeschuss.

(Foto: dapd)

New YorkDie Arabische Liga hat ihre Bereitschaft für die Wiederaufnahme ihrer Beobachtermission in Syrien signalisiert. Wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch mitteilte, will die Liga die Mission zudem in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen fortführen.

Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi habe die Vereinten Nationen „um Hilfe“ gebeten und eine gemeinsame Mission mit einem gemeinsamen Sondergesandten vorgeschlagen, sagte Ban. Darüber werde in den kommenden Tagen mit den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates beraten. Die Arabische Liga hatte ihre erste Mission Ende Januar nach internationaler Kritik an ihrer Professionalität ausgesetzt.

Ban bezeichnete die gescheiterte Resolution im UN-Sicherheitsrat zu Syrien als „katastrophal“ für die Menschen in dem Land. Ban hatte zuvor im Sicherheitsrat eigentlich über seine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete berichten wollen, hatte sich aber nach Angaben von Teilnehmern ungewohnt deutlich über die von Russland und China blockierte Syrien-Resolution geäußert.

Er sei zutiefst enttäuscht über die Abstimmung, damit sei das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu neuer Gewalt ermuntert worden. Er appellierte dringend an die internationale Gemeinschaft, alles für eine Beendigung der Gewalt zu unternehmen. „So viele sind getötet worden. Wie viele müssen noch sterben, bevor es eine politische Lösung gibt“, sagte der Koreaner nach der Sitzung. „Wir müssen dringender denn je eine Einigung finden. Wir haben zu viele gebrochene Versprechen gehört, sogar noch in den letzten 24 Stunden.“

Der deutsche Botschafter Peter Wittig hatte Ban zuvor in der geschlossenen Sitzung für die klaren Worte gedankt. Nach dem beklagenswerten Scheitern der Resolution am Samstag käme es jetzt darauf an, die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft weiter zu verstärken und insbesondere die Arabische Liga zu unterstützen. Ein denkbarer Weg sei dabei die vom Generalsekretär angesprochene gemeinsame Beobachtermission. Westliche Diplomaten wollen aber vor konkreten Schritten das Treffen der Arabischen Liga am Wochenende in Kairo abwarten.

Die US-Regierung bekräftigte am Mittwoch, dass sie zusammen mit ihren internationalen Partnern eine politische Lösung im Syrien-Konflikt anstrebt. Das sei der richtige Weg, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Er kündigte für die kommenden Tage weitere, sehr aktive Gespräche mit Freunden und Verbündeten über die nächsten Schritte an. Ziel bleibe ein friedlicher politischer Übergang in Syrien.

Gewalt in Syrien hält an

Russland und China hatten am Samstag mit ihrem Veto eine Resolution des Sicherheitsrats verhindert. Darin war unter anderem die Unterstützung eines Friedensplans der Arabischen Liga vorgesehen, der einen Amtsverzicht des syrischen Präsidenten Baschar Assad forderte.

Bei den seit elf Monaten anhaltenden Protesten gegen die syrische Regierung sind nach Schätzungen der Uno bislang über 5.400 Menschen ums Leben gekommen.

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10 Kommentare zu "Beobachter in Syrien: Arabische Liga tut sich mit Uno zusammen"

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  • @Michel
    Wie wärs mit "Stuttgart 21"? Schon verdrängt? Die gewaltsamen Bilder?

  • rzi: Die Regierung von Syrien war bis dato nicht unliebsam. Und das Wort Regime haben Sie gesagt: http://de.wikipedia.org/wiki/Regime

  • @ kuac
    Sie tun mir leid. Sie haben sich offensichtlich seit 1967 nicht weiterentwickelt.

  • Der ehemalige CDU Abgeordneter Jürgen Todenhöfer war neulich in Syrien. In einem Interview mit der "Welt" sagt er:
    Todenhöfer: In der Weltpresse wurde während meines Aufenthaltes in Damaskus gemeldet, dass das Hauptquartier der Baath-Partei angegriffen und schwer beschädigt worden sei. Es habe einen Toten gegeben. Mich hat das sehr beeindruckt. Bis dahin war für mich Damaskus eine sichere Stadt, in der es sogar noch einige Touristen gab.

    Ich bin daher am nächsten Tag zu dem Gebäude hingefahren. Zwei freundliche Polizisten standen vor dem unversehrten Gebäude. Als ich fragte, wo denn die schweren Beschädigungen seien, haben sie mir zwei zerstörte Glasscheiben in der Eingangshalle gezeigt, in die jemand einen Knallkörper geworfen hatte. Bei meinem Besuch in Homs habe ich gesehen, dass die Marktstände mit Essen und Gemüse gefüllt waren. Auch ich habe da eingekauft. Ein paar Tage später las ich in der Weltpresse: „Humanitäre Katastrophe in Homs“.
    Ganze Interview unter:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13829324/Auslaendische-Kraefte-unterstuetzen-den-Aufstand.html

  • Erstens: Zwar kann ein Buerger in Deutschland demonstrieren, aber interessieren wird das die politische Klasse ohnehin nicht. Die Parteiendiktatur macht, was sie will (siehe EU-Politik)
    Zweitens: Natuerlich ist Assad ein autoritaerer Herrscher. Aber glauben Sie ernsthaft, was danach kaeme, waere Puderzuckermusterdemokratie?! Nichts aus Afghanistan oder Irka gelernt? In Syrien kann wenigstens jede religioese Minderheit ihre Religion praktizieren. Wie sieht es damit beim westlichen Musterverbuendeten Saudi-Arabien aus?! Ach, da duerfen Frauen noch nicht einmal Auto fahren oder das Haus ohne Begleitung des Ehemannes oder Bruders verlassen. Wahrlich ehrenwerte Demokraten, die sich da um Syrien Sorgen machen!

  • @elly:"Er muss in Deutschland nicht befürchten, dass er niedergeschossen wird..."
    Dazu fällt mir spontan "Benno Ohnesorg" ein.

  • @rzi
    Leider könnten Sie recht haben. In anderen Ländern werden sogar Demonstranten der Occupy Bewegung gewaltsam beseitigt! Dennoch bleibt festzuhalten, dass auch die Syrische Regierung eigenes Volk tötet. Warum hat der Assad nicht längst schon auf Dialog eingelassen? Dazu gab es am Anfang sehr viele Gelegenheiten.

  • @rizi
    Wenn in Deutschland so ein Rebell auftauchen würde....

    Das muss er hier nicht, denn hier kann in den meisten Fällen der Bürger seinen Unmut kundtun! D.h. er kann schlicht und ergreifend demonstrieren, wenn er mit Entscheidungen nicht einverstanden ist!!!!!
    Er muss in Deutschland nicht befürchten, dass er niedergeschossen wird, dass er gefoltert wird.....

    Dies trifft in Syrien nicht zu! Wenn ich ein Bürger in Syren wäre, dann würde ich mich ebenfalls wehren!

    Es ist unerträglich hier noch die Russen zu loben!
    Soll sich das Regime doch endlich in Damaskus an die Aussagen halten und mit den Oppositionellen reden!
    Nein, es wird geschossen und das flimmert uns täglich ins Haus!
    Hoffentlich gibt es bald eine Lösung, eine friedliche!!!!!!

  • Was in Syrien wirklich ist:
    http://www.goldseiten-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=18446&highlight=syrien

  • Sehen so friedlich protestierende Zivilisten aus? Wenn ein solcher Rebell in Deutschland auftauchen würde, wäre die GSG9 schon längst im Einsatz! Hier wird doch vom Westen das gleiche Spiel wie in Afghanistan und Libyen gespielt. Sogenannte Rebellen werden geschult und mit Waffen ausgestattet um gegen ein unliebsames Regime zu kämpfen. Dann wird die Weltöffentlichkeit belogen und die UNO vor den Karren gespannt. Ich will nur hoffen, dass die Russen diesmal nicht wieder einknicken.

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