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Berat Albayrak Wie der türkische Finanzminister Politik am Volk vorbei macht

Berat Albayrak kämpft gegen den Verfall der Lira, erntet mit seinen Durchhalteparolen jedoch vor allem Spott. Wie jetzt wieder in einem Interview.
15.08.2020 - 16:03 Uhr Kommentieren
Der türkische Finanzminister tritt immer wieder in Fettnäpfchen. Quelle: Anadolu Agency/Getty Images
Berat Albayrak

Der türkische Finanzminister tritt immer wieder in Fettnäpfchen.

(Foto: Anadolu Agency/Getty Images)

Istanbul Von Berat Albayrak kann man nicht behaupten, dass er einen leichten Job hat. Der türkische Finanzminister muss gegen den Verfall der türkischen Lira angehen. Die Währung hat seit Jahresbeginn 20 Prozent an Wert verloren und befindet sich derzeit in einem Rekordtief. Aus Angst vor einem weiteren Verfall kaufen Türkinnen und Türken Devisen, was die Lira weiter schwächt. Die İnflation steigt wieder an.

Albayrak, der außerdem Schwiegersohn von Staatschef Erdogan ist, muss diesen Teufelskreis aufhalten und das Gefühl vermitteln, dass er die Situation unter Kontrolle hat. Genau bei diesem Versuch hat er sich jetzt zum Gespött gemacht. In einem Interview mit dem türkischen Fernsehsender CNN Türk antwortete Albayrak auf die Frage, ob die Bürgerinnen und Bürger angesichts der Liraschwäche zum Dollar besorgt sein sollten, lapidar, dass der Dollar in der türkischen Volkswirtschaft doch gar keine Rolle spiele.

Statt Antworten zu geben stellte Albayrak ironische Gegenfragen: „Verdienen Sie in Dollar? Sind Sie in Dollar verschuldet? Haben Sie Geschäfte in Dollar?“ Dabei bewegte er sich auf dem Stuhl hin und her, zuckte mit den Augen und wirkte eher hilflos als überzeugend. „Bösartige Aktionen aus dem Ausland gegen unsere Währung funktionieren nicht mehr, weil wir uns davon unabhängig gemacht haben“, erklärte der 42-jährige Minister seine Sicht der Dinge.

Das dürfte ihm niemand glauben. Die Regierung arbeitet hart daran, Importe zu substituieren, um den Preisdruck zu dämpfen. Trotzdem: Alles wird teurer, wenn die Lira an Wert verliert. Jeder im Land weiß das und kennt den aktuellen Wechselkurs. Die Regierung hat das Problem erkannt, aber noch lange nicht behoben. „Gibt es irgendetwas, außer unseren Löhnen, das nicht mit dem Dollar steigt?“, fragt ein Abgeordneter der Oppositionspartei HDP an Albayrak gerichtet.

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    Albayrak tritt nicht das erste Mal in solche Fettnäpfchen. Das dürfte auch an den vielen Privilegien liegen, die er seit Beginn seiner Karriere erfahren hat. Bei weiten Teilen der Gesellschaft war Albayrak unten durch, noch bevor er sich behaupten konnte.
    1978 geboren, besuchte er ein privates Gymnasium und studierte anschließend Betriebswirtschaft. Mit 24 Jahren wurde er Leiter des US-Geschäfts des türkischen Stahlkonzerns Çalık – da hatte Albayrak noch nicht einmal den Masterabschluss errungen.

    Hochzeit mit Emine Erdoğan

    Zwei Jahre später heiratete er Emine Erdoğan, die Tochter des türkischen Präsidenten. Im Jahr 2007 wurde Albayrak CEO der Çalık Holdıng, zu der auch ein Medienimperium gehört. Seit 2015 sitzt er im türkischen Parlament, ohne je Wahlkampf betrieben zu haben. Kurz darauf wurde er Energieminister.

    Den steilen Aufstieg gönnt ihm im Land kaum jemand. Als im Dezember 2016 eine türkische Hackergruppe E-Mails aus Albayraks Posteingang veröffentlichte, drohte ihm ein Skandal. Die E-Mails legten nahe, dass der damalige Energieminister in illegale Ölgeschäfte verwickelt gewesen sein könnte. Der deutsch-türkische Welt-Korrespondent Deniz Yücel war einer der Ersten, die darüber berichteten. Wenige Wochen später wurde er verhaftet.

    Albayraks Karriere hat der E-Mail-Skandal nicht geschadet. Im Juli 2018 wurde er mit 38 Jahren Finanzminister. Doch auch hier hatte der Betriebswirt es schwer. Der vorletzte Währungsschock geschah kurz nach seinem Amtsantritt. Die Teuerungsrate ist seitdem zweistellig. Beim jährlichen Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank im April 2019 wollte der unerfahrene Politiker um Investoren werben. „Eine absolute Mist-Show“ habe Albayrak abgeliefert, hieß es. Die Lira verlor nach seinem Auftritt zwei Prozent.

    Kurz darauf wollte Albayrak türkische Finanzmanager umwerben. Was von diesem Auftritt übrig blieb, war Albayraks in Schweiß gebadetes Gesicht, in Verbindung mit seinem Satz: „Bakın, burası çok önemli!“, auf Deutsch: „Schauen Sie, das ist sehr wichtig!“ Beobachtern galt dies als Offenbarungseid. Albayrak schaffe es nicht, mit der Finanzwelt warm zu werden. Und die Banker hören ihm nicht zu, solange er sie nicht darum bittet.

    Backpfeife vom Innenminister

    Selbst im eigenen Kabinett hat Albayrak trotz seines Schwiegervaters nicht nur Freunde. Albayrak und Innenminister Soylu können sich nicht ausstehen. Bei einer Zusammenkunft im vergangenen Jahr rammte Soylu im Vorbeigehen absichtlich seine Schulter in Albayraks Brust. Als Gerüchte um eine angebliche Affäre Albayraks mit einer Fernsehmoderatorin aufkamen, soll Soylu dem Erdogan-Schwiegersohn eine Backpfeife verpasst haben.

    Rein beruflich hat Albayrak kaum Spielraum für eigene Ideen. Letztlich muss er das tun, was sein Schwiegervater und Regierungschef, Staatspräsident Erdogan, will. Und der will die Leitzinsen niedrig halten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Nebeneffekte – Inflation und Wertverlust der Lira – blendet Erdogan gerne aus. Albayraks Job könnte man auch so beschreiben: Er muss Erdogans Politik verantworten, ohne es sich anmerken zu lassen.

    Mehr: Die Türkei fordert Griechenland und das Seerecht heraus

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