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Im Ausland Geld anlegen

Weltsparen ist in mehr als 30 Ländern aktiv. (Symbolfoto: Imago)

(Foto: dpa)

Berliner Start-up Weltsparen im Test: Lohnt sich das Konto im Ausland?

Du bekommst in Deutschland kaum Zinsen? Dann spar‘ dein Geld doch im Ausland! Das Berliner Start-up Weltsparen bietet genau das an. Unsere Autorin testet, wie es funktioniert und was es bringt.
  • Lea Nischelwitzer
17.07.2019 - 09:22 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 17. Juli 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Ich sitze vor meinem Laptop und schaue gebannt auf die höchste von drei Kurven einer Grafik. Sie zeigt mir an: Wenn ich die Funktion „Weltinvest50“ wähle und meine Ersparnisse von 2.000 Euro für zehn Jahre anlege, kann sich laut bester Prognose mein Geld auf 4.500 Euro mehr als verdoppeln. Das klingt erstmal sehr verlockend. Doch wer steckt dahinter?

Prognosekurven bei Weltsparen
Prognosekurven bei Weltsparen

„Wenn ich Pech habe, wird das Geld weniger.“ (Screenshot: weltsparen.de)

Das Start-up Weltsparen, das international unter dem Namen Raisin bekannt ist, wurde 2013 von dem ehemaligen McKinsey-Unternehmensberater Tamaz Georgadze mitgegründet. Heute ist er der Geschäftsführer des Unternehmens. Georgadzes Idee: eine Plattform, auf der Kunden ihr Geld bei verschiedenen europäischen Partnerbanken anlegen können.

Weltsparen im Test: Lohnt sich das Tagesgeld-Konto?

In Deutschland geben die Banken zurzeit nur sehr niedrige Zinsen. Auf dem Girokonto meiner Sparkasse bekomme ich aktuell genau 0,0 Prozent Zinsen. Beim Tagesgeld sind es 0,01 Prozent.

Weltsparen schlägt eine Lösung vor, damit sich Sparen auch weiterhin lohnt: Du eröffnest ein Konto bei ihnen und sie bieten dir verschiedenen Partnerbanken an, die meist wesentlich höhere Zinsen vergeben als deine Hausbank.

Die meisten dieser Partnerbanken kommen aus skandinavischen Ländern und aus Osteuropa. Aber auch die Länder Italien, Frankreich und Portugal sind stark vertreten. Nach eigenen Angaben bedient Weltsparen mehr als 160.000 Kunden mit Angeboten von mehr als 60 Banken in über 30 Ländern.

Zwar kannst du auch auf eigene Faust ein Konto im Ausland eröffnen, doch das ist mit hohem Aufwand verbunden und meist gibt es alle Informationen nur in der jeweiligen Landessprache. Das will Weltsparen ändern. Hier erhält man alle Informationen auf Deutsch und wird auch darüber informiert, wie die Zinseinnahmen richtig zu versteuern sind. Für die Vermittlung des deutschen Geldes an ausländische Konten kassiert die Plattform eine Provision von den Banken.

Dass diese Geschäftsidee in Zeiten von Mini-Zinsen Maxi-Potenzial hat, zeigen die jüngsten Finanzierungsrunden. Anfang Februar 2019 hat das Start-up von verschiedenen Geldgebern 100 Millionen Euro Wagniskapital erhalten. „Mit nur einem Konto können Kunden aus hunderten Spar- und Investmentprodukten aus verschiedenen Ländern wählen und mit nur wenigen Klicks direkt investieren“, begründet einer der Investoren seine Entscheidung in einer Pressemitteilung.

Mitte Juli legte die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs noch 25 Millionen Euro oben drauf und sicherte sich Anteile im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Insgesamt komme Raisin jetzt auf ein Finanzierungsvolumen von 195 Millionen Euro. Damit sei Raisin „eines der am besten finanzierten Tech-Start-ups rund um das Sparen und Investieren in Europa“, schreibt das Unternehmen. Das Investment von Goldman Sachs solle für den amerikanischen Markteintritt genutzt werden.

Doch wie genau funktioniert Weltsparen? Lohnt es sich am Ende auch und wie sieht es mit Risiken aus? Ich mache den Test und eröffne selbst ein Konto bei Weltsparen.

Weltsparen: Kontoeröffnung in wenigen Minuten

Schritt 1: Auf der Internetseite von Weltsparen klicke ich auf den Button „Kunde werden“. Ich muss meine Kontakt- und Adressdaten angeben, lege ein Passwort an und innerhalb weniger Minuten habe ich den ersten Schritt geschafft.

Schritt 2: Nun ist es Zeit für die Identifizierung. Dafür habe ich drei Möglichkeiten: Für das Postident-Verfahren drucke ich ein vorgefertigtes Schreiben aus, mache mich mit meinem Personalausweis auf den Weg zu einer Postfiliale, dort wird meine Identität bestätigt und ich erhalte eine Mail, mit der ich mich einloggen kann. Alternativ dazu kann ich auf meinem Handy die App IDnow installieren, eine Vorgangs-ID angeben, die mir auf der Weltsparen-Website angezeigt wird und mich per Videochat am Handy identifizieren.

Ich entscheide mich für die dritte Möglichkeit und identifiziere mich per Videochat über die Webcam an meinem Laptop. Genauso wie bei der App ist das täglich von 8 bis 24 Uhr möglich.

In einem kleinen Bildschirmfenster sehe ich einen Mitarbeiter, der mir genau erklärt, wie ich meinen Personalausweis vor meine Webcam halten muss. Dann macht er von mir und meinem Ausweis jeweils Bilder, kontrolliert die Wasserzeichen und weitere Sicherheitsmerkmale meines Ausweises. Zehn Minuten später hat Weltsparen meine Identität erfolgreich überprüft.

Schritt 3: Jetzt heißt es warten. Laut Weltsparen dauert es zwei bis drei Bankarbeitstage, bis ich mein Konto in vollem Umfang nutzen kann. Dann soll ich Geld auf mein Konto überweisen und Anlagen eröffnen können. Bereits am nächsten Tag erhalte ich eine Mail mit meinen Kontodaten, logge mich bei Weltsparen ein, gebe die IBAN meiner Hausbank an und kann loslegen.

Weltsparen wirbt mit drei verschiedenen Angeboten, bei denen man sein Geld anlegen kann: Fest- und Flexgelder, Tagesgelder und Weltinvest.

Weltsparen-Festgeld: Angebote ab 1,25 Prozent Zinsen

Bei Festgeldern legt man einen bestimmten Geldbetrag für eine festgelegte Laufzeit an. Diese kann zwischen drei Monaten und zehn Jahren liegen. Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen. Der Nachteil: Bis zum Ende der Laufzeit kommst du nicht an das Geld ran. Die Flexgelder bieten diese Möglichkeit hingegen an.

Bei Flexgeldern gibt es zwei verschiedene Zinssätze: Zum einen den Festgeldzins. Den bekommt man, wenn man das Geld die gesamte Laufzeit über zur Verfügung stellt. Zum anderen den niedrigeren Basiszins. Den gibt’s, wenn man das Angebot vor dem festgelegten Ende der Laufzeit frühzeitig kündigt.

Der Nachteil bei Flexgeldern ist die hohe Mindesteinlage, also der Geldbetrag, den man mindestens aufbringen muss, um einen Vertrag mit einer Partnerbank abschließen zu können. Dieser liegt bei den allermeisten Angeboten bei 10.000 Euro. Eine Ausnahme bietet die italienische Banca Sistema. Auf eine Mindesteinlage von 5.000 Euro gibt sie für eine Laufzeit von fünf Jahren 1,85 Prozent Zinsen, bei einer Laufzeit von einem Jahr sind es 1,25 Prozent Zinsen.

Bei den Festgeldern liegt die Mindesteinlage bei 500 Euro. Dafür bekommt man zum Beispiel bei der schwedischen Resurs Bank bei einer Laufzeit von einem Jahr 1,12 Prozent Zinsen. Zusätzlich gibt es bei den Festgeldern auch die Möglichkeit, Geld bei Banken mit einer fremden Währung anzulegen. Dann wird das Geld am Anfang und Ende der Laufzeit in die entsprechende Währung getauscht. Doch aufgepasst: Die tägliche Änderung des Wechselkurses kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Verlust höher ist als die Zinsen, die man bekommen sollte.

Weltsparen-Tagesgeld: 0,62 Prozent Zinsen bei der Resurs Bank

Die Zinssätze bei Tagesgeldern sind meist nicht so hoch wie bei den Festgeldern. Dafür sind Tagesgelder jederzeit verfügbar und die Kunden können den Vertrag sofort kündigen. Die Mindesteinlage liegt bei 500 Euro. Bei der schwedischen Resurs Bank erhält man dafür einen Zinssatz von 0,62 Prozent. Während der Laufzeit kann man jederzeit Geld aus- oder einzahlen, solange die Geldsumme auf dem Konto zwischen 500 und 100.000 Euro bleibt. Das Angebot versichert, dass das Geld innerhalb von zwei Bankarbeitstagen verfügbar ist.

Ein kurzer Vergleich auf dem Portal Check24 zeigt: Weltsparen bietet einen Bruchteil mehr Zinsen als das beste vergleichbare Angebot in den Suchergebnissen. Und Check24 warnt bei diesem Ergebnis vor der „aufwendigen Eröffnung“:

Ein alternatives Angebot bietet Weltsparen mit der schwedischen Bank Hoist Finance. Hier liegt die Mindesteinlage bei 1.000 Euro, man erhält 0,6 Prozent Zinsen. Bei beiden Angeboten sind die Zinssätze variabel, das heißt: Der Zinssatz muss nicht über die gesamte Laufzeit gleich bleiben. Die Bank kann die Zinsen jederzeit erhöhen oder senken. Die Hoist Finance Bank verspricht dabei, die Kunden mindestens sieben Tage vor einer Veränderung zu informieren.

Weltsparen-Konto Risiko
Weltsparen-Konto unserer Autorin Lea

„Ganz ohne Risiko ist es nicht.“ (Screenshot: weltsparen.de)

Ich entscheide mich für das Angebot bei der schwedischen Resurs Bank mit dem Zinssatz von 0,62 Prozent pro Jahr. Ich gebe meine Steueridentifikationsnummer an, wähle aus, wie häufig ich im Monat vorhabe, Geld ein- und auszuzahlen, setze vier Häkchen bei den rechtlichen Hinweisen und bestätige den Prozess per SmsTan.

Jetzt wird mein Antrag an die Resurs Bank in Schweden weitergeleitet und ich muss auf die Bestätigungsmail warten. Diese trifft bereits am nächsten Tag ein, mein Tagesgeldkonto ist eröffnet. Die Zinsen dafür bekomme ich nun vierteljährlich überwiesen. Nach den ersten drei Monaten warten also für meine 500 Euro insgesamt 78 Cent Zinsen auf mich.

Weltsparen-Nachteile: Ist das Angebot unsicher?

Bei den Tages-, Flex- und Festgeldern beruft sich Weltsparen auf die europäisch einheitliche Regel, dass Einlagen bis 100.000 Euro immer geschützt sind. Tamaz Georgadze sagte dazu dem Magazin Stern: „Wir schauen uns die Banken, mit denen wir Geschäfte machen, schon genau an.“

Doch Verbraucherschützer sehen das kritisch. Die Stiftung Warentest empfiehlt nach eigenen Untersuchungen nur acht der Produkte von Weltsparen. Noch kritischer sieht es die Seite Finanztip. Sie empfiehlt keine der Angebote von Weltsparen. Prädikat: zu unsicher.

Weltsparen lohnt sich, wenn du Ersparnisse hast, die du in naher Zukunft nicht ausgeben möchtest. Um Risiken möglichst gering zu halten, ist das Tagesgeld am meisten zu empfehlen. Hier kannst du jederzeit dein Geld abheben und den Vertrag kündigen, somit bleibst du flexibel.

Die Internetseite von Weltsparen ist einfach und verständlich aufgebaut, sie bietet dir auf einen Blick die wichtigsten Informationen. Es lohnt sich aber, wenn du dich darüber hinaus noch intensiver damit auseinandersetzt. Zum Beispiel, indem du die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Partnerbank, bei der du Geld anlegen möchtest, genau durchliest. Denn auch Weltsparen selbst schreibt, dass ihre Produktinformationsblätter keine Anlageberatung darstellen.

Ohne Risiko ist es also nicht möglich, dein Geld durch ausländische Zinsen zu vermehren.

Mein Fazit: Den Gewinn, den ich bei meiner Anlegesumme von 500 Euro bekomme, ist mir im Verhältnis zum Aufwand zu gering und ich überlege mir, am Ende des Tests von meinem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Hätte ich allerdings einen Betrag von 5.000 Euro oder noch mehr Geld unberührt auf meinem Girokonto rumliegen, dann würde ich ein Tagesgeldangebot von Weltsparen nutzen, um das Geld durch die Zinsen zu vermehren. Bei meinem Angebot bei der Resurs Bank würde ich dann am Anfang auch eine einmalige Prämie von zehn Euro erhalten, wenn meine Laufzeit mindestens sechs Monate beträgt.

Mehr: Zwei aktuelle Studien, die Finanzberater kennen sollten

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