Berlusconi-Schelte Der blaue Brief aus Frankfurt

Eigentlich sollte der Brief geheim bleiben. Nun hat ihn die Zeitung „Corriere della Sera“ veröffentlicht. Die „Botschaft“ von EZB-Chef Trichet und seinem Nachfolger Draghi an die Regierung Berlusconi ist eindringlich.
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Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Quelle: dpa

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi.

(Foto: dpa)

RomDer Brief sollte geheim bleiben, aber schon Anfang August, als er geschrieben wurde, kamen Einzelheiten an die Öffentlichkeit. Heute hat die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ das ganze Schreiben veröffentlicht, das EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  und sein Nachfolger, der italienische Notenbank-Präsident Mario Draghi, am 5. August an die Regierung Berlusconi geschrieben haben. „Es ist ein geheimes Dokument“, schreibt der Corriere, „und sollte nicht an die Öffentlichkeit dringen. Wir haben es gesucht und schließlich gefunden, auf Umwegen, das versteht sich.“

Der Brief ist aus zwei Gründen brisant: nicht nur wegen der präzisen Vorgaben an die italienische Regierung, was sie zu tun habe, sondern als Schreiben überhaupt. Normalerweise gehört es nicht zum guten Ton der Zentralbank, einem souveränen Staat die Leviten zu lesen. „Die Sprache des Schreibens ist sicher jenseits des klassischen Schemas der Liturgie der Europäischen Zentralbank“, schreibt der Corriere. Die dramatische Situation der Finanzmärkte in den ersten August-Tagen, der immer größer werdende Spread zwischen italienischen Staatspapieren und deutschen Bundesanleihen, hätten die Absender gewungen, direkt und deutlich auf den Punkt zu kommen.

„Lieber Premierminister“, beginnt der Brief, „die EZB hat am 4. August über die Situation des italienischen Bond-Markts diskutiert. Der Rat der Bank ist davon überzeugt, dass schnelle Maßnahmen der italienischen Autoritäten essentiell sind, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.“

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4 Kommentare zu "Berlusconi-Schelte: Der blaue Brief aus Frankfurt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nicht mal Polen und geschweige denn Länder wie Schweden oder Dänemark, die als Geberländer die Stimmengewichtung in allen EUdSSR-Gremien etwas verbessern könnten.

    The game is up!

    Wer in Brüssel sitzt und 10000 Euro monatlich für nichts tun bekommt + Bestechungsgelder der Lobbyisten, ist wohl noch für den Euro. Aber alle rational denkenden Menschen in Deutschland sind für die Abschaffung dieser Fehlkonstruktion.

  • @ Stubi
    Leider nichts - Polen hat doch schon angekündigt, dass es sich mit dem Beitritt Zeit lassen will.
    Tja, unsere Polit-Clowns haben die DM gegen eine Währung getauscht, die "nicht einmal" Polen haben will.
    Das ist Fakt, leider.

  • Wie politisch unäbhängig ist die EZB eigentlich, wenn sie den Kauf von italienischen Staatsanleihen anbietet als Gegenleistung für politische Veränderungen?

    Welche demokratische Legitimation hat der Franzose Trichet dafür, sich massiv mit dem Geld es deutschen Steuerzahlers in die Politik einzumischen?

    Die französische Fehlkonstruktion "Eurozone" ist gescheitert und einfach nur noch illegal in allen Bereichen.

  • Griechenland war gestern, Italien ist morgen. Portugal, Spanien und Belgien stehen schon in der Warteschlange. Ja, und die neuen Euro-Kanditaten wie Polen und Ungarn. Hoffentlich treten die bald bei...

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