Berlusconis Erbe Der italienische Patient mit den sieben Leiden

Italien ist der kranke Mann Europas. Berlusconis Nachfolger wird es schwer haben. Die neue Regierung muss sofort einen Haufen ökonomischer Probleme angehen. Handelsblatt Online diagnostiziert die sieben Krankheiten.
Update: 10.11.2011 - 01:17 Uhr 13 Kommentare
Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss. Quelle: Reuters

Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss.

(Foto: Reuters)

Die Schwäche des wirtschaftlichen Wachstums ist der größte Negativposten in Silvio Berlusconis Bilanz. In ihr drücken sich alle seine Versäumnisse und Fehler aus. Italien ist der kranke Mann Europas, seit Berlusconi regiert. Seit seinem ersten vollständigen Amtsjahr 2002 ist die italienische Volkswirtschaft Jahr für Jahr weniger gewachsen als der Durchschnitt der Euro-Zone oder auch der G7-Gruppe der größten Industriestaaten.

Dieses Schicksal teilte Italien bis zum Jahr 2005 mit Deutschland, doch dann zogen die Deutschen nach den Reformen der „Agenda 2010“ davon. Italien unterließ die nötigen Strukturreformen und fiel Jahr für Jahr weiter zurück. Das Land müsse dringend entbürokratisiert, der Kündigungsschutz gelockert und vieles privatisiert werden, was bislang in staatlicher Hand sei, fordert der italienische Ökonom Alberto Alesina. Das würde die Märkte beruhigen.

Als Italien 1999 als Gründungsmitglied der Europäischen Währungsunion beitrat, war seine Ausgangsposition als klassisches Industrieland nicht schlechter als die deutsche. Doch während sich Deutschland eine harte Anpassungskur verordnete und die Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung und Strukturreformen steigerte, ging Italien den Weg der anderen Südeuropäer und verkonsumierte den Vorteil, den die Währungsunion in Form sinkender Zinsen brachte. Die Folge waren steigende Defizite in der Leistungsbilanz. Heute importiert das Land vor allem Energie und Rohstoffe, aber auch Transportmittel und Chemie, Synthetikfasern und Elektronik. Früher hätte Italien die Probleme durch eine Abwertung der Lira beseitigt. Dieser Weg ist dem Land als Mitglied der Währungsunion versperrt.

Basisdaten Italien

Quelle: Information Research
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13 Kommentare zu "Berlusconis Erbe: Der italienische Patient mit den sieben Leiden"

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  • Ähnlichkeit vorhanden?

    http://en.wikipedia.org/wiki/File:Mussolini_biografia.jpg

    http://www.kreiszeitung.de/bilder/2009/10/31/508027/627524602-silvio-berlusconi.9.jpg

  • Konsequenter als Berlusconi kann man das Vertrauen nicht verspielen: das seines eigenen Volkes, das der Politik, das der Märkte. Zu behaupten er sei sicherlich nicht der perfekte Regierungschef gewesen, ist wohl wahr.

    Skurril ist, dass er immer noch an der Macht ist. Daran, dass Berlusconi wirklich verschwindet, glaube ich erst, wenn ich es schwarz auf weiss lese. Und einen möchte ich ganz sicher nicht als seinen Nachfolger sehen: denjenigen, den Berlusconi als seinen Nachfolger vorschlägt.

    Bezüglich Berlusconis Abgang werde ich das Gefühl nicht los, dass er erst geht, wenn Italien definitiv pleite ist. Einen besseren Garanten als ihn gibt es nicht.

    Mich wundert, dass die Italiener sich das bieten lassen.

  • Berlusconi war/ ist sicher nicht der perfekte Regierungschef. Trotzdem kann man die oben beschriebenen Probleme nicht allein ihm anlasten. Anlasten kann man ihm nur, dass er in seiner doch langen Regierungszeit wenig bis nichts unternommen hat, um sie zu beseitigen. Auch da befindet er sich in guter Gesellschaft, nicht zuletzt unter seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen.

    Es haben alle europäischen Staaten in den letzten 40 Jahren über ihre Verhältnisse gelebt, Schulden gemacht, Wahlgeschenke verteilt und ihre Klientel bedient, nicht nur der Cavaliere. Genau das ist das Hauptproblem, in dem wir uns befinden. Berlusconi ist da lediglich das Extrem.

  • Selten so schwache und realitätsfremde Kommentare gelesen.

  • Laut einer aktuellen Studie der Allianz übersteigt das Pro-Kopf-Vermögen in Italien das der deutschen Bevölkerung. Desweiteren gilt, dass Italien schon seit 1995 mit geringen Schwankungen eine Schuldenquote von 120% BIP ausweist. 1995 betrugen allerdings die Zinsen für 10jährige Lira-Staatsanleihen dort rd. 13%...
    Deutschland steigerte in der Zeit seit 1995 seine Staatsverschuldung um die Hälfte. Die Zins für 10-jährige Bundesanleihen stand 1995 einen Schnapps unter 8% . ( um 1982 sogar bei 11% für DM-Bundesanleihen.)
    Italiens Problem ist, dass das Land nach Gutsherrenart geführt
    wird. So wie der Wohstand der Plünderer wächst, so arm bleibt der Staat. Es ist geradezu ein Dienst an der Demokratie, wenn der Markt Berlusconis Bokassa-Staat die Ressourcen entzieht.

  • .
    Und die Drittländer zur Herausgabe ihrer Erdölreserven zu zwingen, damit ihr Europäer über günstiges Erdöl verfügen könnt, dazu sind die USA gezwungen, ganz kostenlos für euch Europäer versteht sich.

    Verstehe ich das richtig?

    Also daß die Amerikaner verkommen sind, das wissen sie mittlerweile selbst. Aber was soll man von Induviduen (Europäern) halten, die noch nicht mal in der Lage sind für ihre eigene Verkommenheit zu sorgen.

    Überlassen die Drecksarbeit den Amis, übersehen gerne diese Raubzüge um über Umwege daran zu profitieren. Und Wahrnehmungsresistente (Hellmeyer) können, da sie ihren eigenen Geisteshorizont nicht überwinden, nicht mit US Bashing hinterm Berg halten.


    Wer sagt dem Hellmeyer endlich, wer wirklich für sein Wohlergehen verantwortlich ist?
    .


  • Das sind ja keine sieben Leiden.
    Das sind Unaufmerksamkeiten!

  • Italien war im Vergleich noch nie wettbewerbsfähig im klassisch deutschem Sinne. Bevor das Land dem Euro beitrat, bekam man für eine DM über 1000 Lire - Ergebnis von Jahrzehnten periodisch sich wiederholender Abwertungen. Wettbewerbsfähigkeit sieht anders aus

  • Die Eurobombs helfen dann wenigstens, dass das ganze Kapitel sehr schnell seinem Ende zugeht. Inklusive deutschem Staatsbankrott. Ich freue mich schon auf die langen Gesichter der Verantwortlichen.

  • Selten so gelacht...
    vor allem den Hellmeyer von der hochwertigen Bremer Landesbank vorzuschicken... das ist schon ziemlich frivol.
    Den Euro und die Schulden haben sich die Europäer selbst eingebrockt. Dass jetzt die Angloamerikaner Interesse daran haben, dass der Euro von den Währungen als erste krepiert, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Flanke haben die europäischen Politiker mit diesem dümmlichen "politischen GROSSProjekt" Euro geöffnet. Selbst schuld!
    Jetzt wird das Spiel so lange gehen, bis der deutsche Wohlstand verteilt ist. Dann ist Ruhe im Karton. Und alle sind zufrieden. Denn die Deutschen haben ja am meisten vom Euro gehabt...

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