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Berufsausbildung Beliebteste Ausbildungsberufe: Männer werden Autoschrauber, Frauen gehen ins Büro

Die Liste des Statistischen Bundesamtes zeigt: Geschlechterstereotypen bestimmen weiterhin die Berufswahl. Das wirkt sich auch auf das Einkommen aus.
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Der Job des Kraftfahrzeugmechatronikers ist der beliebteste bei männlichen Auszubildenden. Quelle: dpa
Auszubildende in einer Werkstatt in Köln

Der Job des Kraftfahrzeugmechatronikers ist der beliebteste bei männlichen Auszubildenden.

(Foto: dpa)

Berlin Alle reden über die digitale Arbeitswelt, aber die Berufsausbildung folgt noch ganz klassischen Mustern. Bei den Ausbildungsberufen für Männer steht weiter der Kraftfahrzeugmechatroniker ganz oben, bei den weiblichen Lehrlingen ist es die Kauffrau für Büromanagement. Das zeigt die Aufstellung über die im Jahr 2017 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die das Statistische Bundesamt jetzt vorgelegt hat.

Bei den Männern folgen auf den weiteren Plätzen der Einzelhandelskaufmann, der Elektroniker, der Fachinformatiker und der Industriemechaniker, bei den Frauen die Medizinische Fachangestellte, die Einzelhandelskauffrau, die Verkäuferin und die Zahnmedizinische Fachangestellte. Während aber bei den männlichen Lehrlingen nur rund 22 Prozent der neuen Ausbildungsverträge auf die Top-Fünf-Berufe entfallen, sind es bei den Frauen fast 38 Prozent.

„Die Berufswahl der einzelnen Jahrgänge ändert sich nur sehr allmählich, noch immer dominieren bei den beliebtesten Ausbildungsberufen Geschlechterstereotype und Vorlieben“, kommentierte Dirk Werner, Ausbildungsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die Daten.

Dass sich für viele Berufe zum weit überwiegenden Teil nur Männer und für andere nur Frauen interessierten, verschärfe den Fachkräftemangel, betonte Werner. „Gut wäre es, wenn diese Geschlechterunterschiede abschmelzen würden. Das hätte zudem den Vorteil, dass sich dann gerade für junge Frauen bessere Verdienstmöglichkeiten ergeben würden.“ Denn oft wird in den meist im Dienstleistungsbereich angesiedelten traditionellen „Frauenberufen“ weniger gezahlt als in den technischen Männerdomänen.

So weist auch das Statistische Bundesamt deutliche Verdienstunterschiede zwischen den Top-Berufen aus. So verdiente ein Industriekaufmann – auf Platz fünf der geschlechtsunabhängigen Favoritenliste – nach der letzten Verdienststrukturerhebung aus dem Jahr 2014 durchschnittlich 3.420 Euro brutto im Monat. Eine Verkäuferin kam dagegen nur auf 2.358 Euro.

Während sich an den beruflichen Vorlieben wenig geändert hat, sei neu, „dass immer mehr Ausbildungsanfänger das Abitur in der Tasche haben“, scheibt IW-Experte Werner. So hatten 29 Prozent der insgesamt 516.000 angehenden Azubis die Fachhochschul- oder Hochschulreife. 42 Prozent verfügten über einen mittleren, 24 Prozent über einen Hauptschulabschluss.

Den Abiturienten stehen dabei naturgemäß andere Möglichkeiten offen als den weniger Qualifizierten. Zu ihren Top Fünf der Ausbildungsberufe zählen der Industriekaufmann, der Fachinformatiker, der Kaufmann im Groß- und Außenhandel und der Bankkaufmann – alles Berufe, die bei Real- und Hauptschülern nicht zu den Favoriten gehören.

Jeder sechste Lehrling erhält weniger als 515 Euro

Mit der Mitte Mai vom Bundeskabinett verabschiedeten Mindestausbildungsvergütung dürfte die Lehre für zahlreiche Betriebe Mehrkosten bedeuten. Ab 2020 sollen Auszubildende im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro im Monat bekommen. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erhielten im Jahr 2015 noch 16,3 Prozent aller neuen Lehrlinge weniger. In Westdeutschland galt das für gut 13 Prozent der Ausbildungsanfänger, im Osten für fast 36 Prozent.

Noch deutlich sind die Unterschiede auf Ebene der Bundesländer: Den niedrigsten Wert markiert Bayern mit 8,8 Prozent, den höchsten Mecklenburg-Vorpommern mit 46 Prozent. Vor allem für ostdeutsche Betriebe würde die Ausbildung damit nach Inkrafttreten des Gesetzes deutlich teurer. Unterschiede gibt es aber auch beim Qualifikationsniveau. Während nur 6,6 Prozent der Auszubildenden mit Abitur 2015 weniger als 515 Euro verdienten, waren es von ihren Lehrlingskollegen mit geringerer Qualifikation fast 20 Prozent.

Frauen sind etwas häufiger unter den Azubis mit geringer Vergütung zu finden als Männer, Ausländer häufiger als deutsche Staatsangehörige. Außerdem wächst die Vergütungshöhe mit der Betriebsgröße. In Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten erhielten 2015 nur 3,6 Prozent der Auszubildenden im ersten Lehrjahr weniger als 515 Euro im Monat.

Mehr: Der Azubi-Mindestlohn soll kommen, sorgt aber vor allem im Handwerk nicht für Begeisterung. Lesen Sie hier mehr.

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