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Best Practice Apps, Drohnen und Geschlechtertrennung: Wie andere Länder gegen Corona vorgehen

Auf ganz unterschiedliche Weise versuchen Regierungen, das Coronavirus zu stoppen. Ein Überblick über gute Ideen und wirkungslose Showeffekte.
07.04.2020 - 13:52 Uhr Kommentieren
Desinfektionen von Straßen und Plätzen sind bei Experten umstritten. Quelle: dpa
Mann desinfiziert Bushaltestelle in St.Petersburg

Desinfektionen von Straßen und Plätzen sind bei Experten umstritten.

(Foto: dpa)

Zürich In Deutschland soll nun eine App bei der Erforschung des Coronavirus helfen. Das Robert Koch-Institut will damit Daten von Fitnessarmbändern und Smartwachses abgreifen und der Forschung zur Verfügung stellen. Eine weitere App ist in Vorbereitung. Sie soll Nutzer warnen, die sich länger in direkter Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Die Bundesregierung strebt hier eine europaweite Lösung an.

Auf der ganzen Welt gibt es derzeit Projekte von Firmen, Regierungen und Organisationen, die auf unterschiedlichste Weise zur Eindämmung beitragen sollen.

Die Maskenpflicht in Österreich ist dabei noch kein gutes Beispiel: Es gibt schlicht nicht genug Masken, um sie durchzusetzen. In anderen Ländern, etwa in Japan, gehören Masken schon seit Jahrzehnten zur Grippe- und Heuschnupfensaison. Dass sich Gewohnheiten ändern können, zeigt ein Blick nach China.

Dort galt das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit lange als unüblich. Seit dem Ausbruch des Coronavirus wird aber schief angeschaut, wer ohne Maske auf die Straße geht. Und in chinesischen sozialen Medien wird immer wieder angeprangert, dass im Ausland das Tragen dieses Schutzes nicht üblich ist. 

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    „Ein Mundschutz hilft auf jeden Fall, um andere Menschen zu schützen“, sagt Timo Ulrichs, Epidemiologe am Lehrstuhl für Globale Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit der Akkon-Hochschule Berlin. „Schon ein einfacher Schutz aus Baumwolle kann helfen, damit man das Virus nicht mehr ganz so einfach weitergibt“, erklärt der Experte. Aber Achtung: „Professionelle Schutzmasken mit Atemfilter werden dringend von Profis benötigt und sind nicht für den Alltag gedacht. Hier sollte man die Knappheit nicht zusätzlich verschärfen.“

    Handy-Tracking

    Dass sich Seuchen auch per Smartphone bekämpfen lassen, hat Singapur vorgemacht: Das Land setzte bei der Corona-Bekämpfung auf eine App namens „TraceTogether“.

    Nutzer geben zur Registrierung ihre Mobilfunknummer an, erlauben den Zugriff auf Bluetooth und die Speicherung der Daten. Wer positiv auf das Coronavirus getestet ist, muss die gesammelten Daten an das Gesundheitsministerium von Singapur weitergeben.

    So werden Kontaktpersonen identifiziert. Auch in Südkorea werten Behörden die Mobilfunkdaten von nachweislich erkrankten Personen aus, um Infektionsketten zu identifizieren. Und Bürger können mit Apps sehen, wenn sie sich einer infizierten Person genähert haben. Eine datenschutzrechtliche Gratwanderung.

    Europäische Behörden, auch in Deutschland, setzen dagegen auf eine datenschutzkonforme Plattform namens Pepp-PT. Das Ziel: Kontaktpersonen sollen mit der App identifiziert werden, der Datenschutz soll aber gewahrt bleiben. Dass die Ausbreitung einer Krankheit per Smartphone verfolgt werden kann, ist auch für Forscher eine Premiere. „Beim Handytracking betreten wir Neuland“, sagt Epidemiologe Ulrichs. Die Möglichkeiten der Technik seien enorm, aus Datenschutzsicht drohten aber auch Risiken.

    Großangelegte Desinfektionen

    Arbeiter, die mit Sprühpistolen ganze Straßen, Plätze und Hauswände desinfizieren, sah man zuerst in China. Inzwischen gibt es Desinfektionskolonnen auch in Spanien oder Italien. In Rom desinfiziert die stadteigene Umweltfirma AMA Straßen und vor allem Müllcontainer. 700.000 Liter Flüssigkeit wurden versprüht.

    Als Nächstes kommen Bahnhöfe, Metrostationen und Haltestellen dran. Die lokale Polizei hilft mit Wasserwerfern. Auf Hightech beim Desinfizieren setzen die Vereinigten Arabischen Emirate: Dort werden die Desinfektionsmittel nachts aus Drohnen versprüht. Auch deshalb herrscht totale Ausgangssperre – damit Bürger nicht in den Desinfektionsnebel geraten.

    Der Experte ist kritisch: „Großangelegte Desinfektionsmaßnahmen im öffentlichen Raum haben in erster Linie einen Showeffekt“, sagt Epidemiologe Ulrichs. Denn: „Der Hauptübertragungsweg für das Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch“. Zwar werde das Virus auch per Schmierinfektion über Oberflächen übertragen, doch das sei deutlich seltener.

    „Niemand läuft herum und leckt den Bordstein oder Bäume ab“, sagt der Umweltforscher Juan Leon von der amerikanischen Emory Universität. Immerhin: Die Putzkolonnen verwenden zumeist Oxidationsmittel wie verdünntes Wasserstoffperoxid – sie tragen also nicht zur Knappheit von Handdesinfektionsmitteln bei.

    Zentrale Quarantänestationen

    Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, soll sich in Quarantäne begeben – darf diese aber in den eigenen vier Wänden verbringen. Anders in China: Wer dort in sein Heimatland zurückkehrt, muss zwei Wochen in einer zentralen Quarantänestation leben. Meist handelt es sich dabei um umfunktionierte Hotels.

    Zentrale Quarantänestationen gibt es auch in Israel und in Italien. In Italien werden manche asymptomatische Patienten in großen Hotels untergebracht, um dort die vierzehntägige Quarantäne zu verbringen. Es geht hauptsächlich um Sicherheitskräfte und Krankenhauspersonal. Das „Modell Mailand“ gibt es mittlerweile in allen großen Städten. Auch Sporthallen und Kasernen wurden umgerüstet, um Menschen aufzunehmen.

    Die Weltgesundheitsorganisation rät in ihren Richtlinien allerdings in erster Linie zur Heimquarantäne. Wo das nicht möglich ist, sollen zentrale Quarantäneeinrichtungen eingerichtet werden, in denen Mindeststandards gewahrt werden sollen. Epidemie-Experte Ulrichs plädiert dafür, zentrale Quarantäneeinrichtungen möglichst zu vermeiden.

    Denn: „Das große Risiko dabei ist, dass sich in solchen Masseneinrichtungen auch viele Menschen anstecken, die vielleicht noch gar nicht infiziert sind.“

    Fiebermessungen als Eingangskontrolle

    In China gehören Fiebermessungen zum Alltag: An den Eingängen zu Shopping Malls, Restaurants, Parks und Wohnsiedlungen stehen Sicherheitsmitarbeiter und zücken das Thermometer, halten es an das Handgelenk der Person und notieren akribisch Namen, Telefonnummer und Temperatur.

    Auch in Europa gibt es das mittlerweile. So kontrollieren etwa polnische Grenzer die Körpertemperatur von Einreisenden aus Deutschland. In Deutschland lassen manche Unternehmen die Körpertemperatur ihrer Mitarbeiter am Fabrikeingang prüfen. 

    Die Erfolgsbilanz dieser Temperaturscreenings ist durchwachsen. Fieber tritt nicht bei allen Erkrankten auf. Und nicht jeder, der Fieber hat, trägt das Coronavirus. Darüber hinaus ist die Messmethode ungenau.

    „Fiebermessen an den Flughäfen macht keinen Sinn“, sagte auch Gesundheitsminister Jens Spahn. „Das erweckt zwar den Eindruck, dass Maßnahmen ergriffen werden und dass irgendwas getan wird. Aber es macht keinen Unterschied.“

    SMS hilft bei Social Distancing

    Kontaktbeschränkungen sind bisher das Wirksamste Mittel. Doch wie lässt sich überwachen, ob Ausgangsbeschränkungen tatsächlich eingehalten werden? Eine kreative Lösung gibt es in Griechenland: Wer dort das Haus verlassen will, schickt eine SMS an eine Hotline-Nummer. Binnen weniger Minuten folgt eine Bestätigung per SMS, die man bei einer Kontrolle vorzeigen kann. Täglich wird diese Lösung rund 1,3 Millionen Mal benutzt.

    Bei Verstößen wird ein Bußgeld fällig, das in den Gesundheitssektor fließt. Freigang per SMS gibt es auch in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Dort bekommt man einen QR-Code zurück, der laut den Behörden eine Stunde Gültigkeit besitzt. Das System soll demnächst auch in Moskau eingesetzt werden.

    In Tunesien lässt die Regierung die Ausgangssperren sogar mit Robotern überwachen. Die kleinen schwarzen Vehikel suchen mit einer Rundum-Kamera nach Quarantänebrechern: „Wissen Sie, dass Ausgangssperre herrscht?“, fragen die Robocops Passanten. Das wirkt dystopisch – aber die Straßen in der Hauptstadt Tunis sind weitgehend leer. 

    Einfallsreichtum beweist auch der Bürgermeister von Los Angeles: Weil dort mache Geschäfts- oder Firmeninhaber unbeeindruckt der öffentlichen Verordnungen weiter geöffnet hatten, werden bei Verstößen nun Strom und Wasser abgestellt. Zu einer noch ungewöhnlicheren Lösung greift Panama: Weil sich dort viele Menschen nicht an die verhängten Ausgangssperren hielten, gelten diese nun getrennt nach Geschlechtern: Frauen dürfen nur noch montags, mittwochs und freitags das Haus verlassen, Männer dienstags, donnerstags und samstags. Sonntags müssen alle zu Hause bleiben.

    Social Distancing gilt als entscheidendes Mittel, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, solange es keine Gegenmittel und keinen Impfstoff gibt. Doch die Kosten für die Gesellschaft sind enorm: Das liegt nicht nur am wirtschaftlichen Stillstand, sondern auch an ungewollten Nebeneffekten wie häuslicher Gewalt oder psychischen Erkrankungen.

    Mitarbeit: André Ballin, Mathias Brüggmann, Dana Heide, Pierre Heumann, Gerd Höhler Martin Kölling, Regina Krieger, Sandra Louven, Axel Postinett, Hans-Peter Siebenhaar

    Mehr: Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog.

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