Besuch in Jordanien Steinmeier dankt für Aufnahme syrischer Flüchtlinge

Syrische Flüchtlinge sind in Deutschland ein großes Thema - in Jordanien ist die Herausforderung noch viel gewaltiger. Der Bundespräsident begegnet auf seiner Nahost-Reise aber auch anderen Krisen und Problemen.
Update: 28.01.2018 - 16:40 Uhr Kommentieren
Abdullah begrüßte den Bundespräsidenten vor seinem Palast mit militärischen Ehren. Quelle: Reuters
Frank-Walter Steinmeier in Jordanien

Abdullah begrüßte den Bundespräsidenten vor seinem Palast mit militärischen Ehren.

(Foto: Reuters)

Amman Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Jordanien für die Aufnahme Hunderttausender syrischer Flüchtlinge gedankt und dem Land weitere deutsche Unterstützung zugesichert. Deutschland sehe das Engagement Jordaniens mit „großem Respekt und mit Bewunderung“, sagte er im Gespräch mit König Abdullah am Sonntag in der Hauptstadt Amman. Ungeachtet der riesigen Belastung sei Jordanien weiterhin „ein Anker der Stabilität“ in der Region.

„Es ist bewundernswert, was Jordanien leistet unter diesen schwierigen Bedingungen“, sagte Steinmeier weiter. Deshalb müsse das Land auch weiterhin Hilfe erhalten. „Wir brauchen noch mehr Geber weltweit.“ Deutschland sei nach den USA die zweitgrößte Gebernation in Jordanien, sagte Steinmeier.

In Jordanien leben nach offiziellen Angaben mehr als 600.000 Flüchtlinge aus Syrien. Noch einmal so viele sind nach Schätzungen unregistriert in dem Land mit nur knapp zehn Millionen Einwohnern. Vordringlich sei deshalb die Schaffung von Arbeitsplätzen, betonte der Bundespräsident.

Steinmeier äußerte sich auch zur deutschen Flüchtlingspolitik. In einem Interview der jordanischen Zeitung „Al Ghad“ (Sonntag) mahnte er eine klare Unterscheidung zwischen Flucht vor Krieg und Verfolgung einerseits und der Migration aus wirtschaftlichen Gründen andererseits an. „Um den politisch Verfolgten auch in Zukunft gerecht werden zu können, müssen wir diese Unterscheidung wieder ernst nehmen“, sagte der Bundespräsident.

König Abdullah begrüßte Steinmeier vor seinem Palast mit militärischen Ehren. Danach trafen sich die beiden Staatsoberhäupter sowie Königin Rania und Steinmeiers Frau Elke Büdenbender zu einem Gespräch. Bei einem Mittagessen waren der Nahost-Konflikt und der Status Jerusalems ebenso Thema wie die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Am Montag besucht Steinmeier ein Flüchtlingslager mit rund 30.000 Syrien-Flüchtlingen und den jordanischen Stützpunkt Al-Asrak, wo rund 300 Bundeswehrsoldaten mit vier Tornado-Aufklärern und einem Tankflugzeug den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützen. Danach reist er in den Libanon weiter.

Beim Besuch einer sogenannten Doppelschicht-Schule in Amman informierte sich der Bundespräsident über das Unterrichtsangebot für syrische Flüchtlingskinder. Dort werden am Vormittag jordanische Schüler, am Nachmittag junge Syrer unterrichtet. Die Entwicklungsbank KfW finanziert mit 20 Millionen Euro pro Jahr syrische Lehrer an dieser und mehr als 200 ähnlichen Schulen, die derzeit rund 130.000 syrische Schüler besuchen.

In dem Interview wurde Steinmeier auch nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump gefragt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Man könne „mit guten Gründen bezweifeln“, dass dies ein Beitrag für einen friedlicheren Nahen Osten sei, sagte er. Daraus dürfe aber nicht die Rechtfertigung für Gewalt und Hass gegen Israel abgeleitet werden - „weder in meinem eigenen Land noch anderswo“, betonte er mit Blick auf die anti-israelischen Demonstration Ende letzten Jahres in Deutschland.

  • dpa
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