Beziehungen zu Deutschland Katar verlangt Steuerabkommen

Ob Hochtief, Porsche oder Volkswagen - Katar hilft deutschen Unternehmen in schwierigen Lagen. Die Investitionen in Deutschland sind massiv gestiegen. Nun fordern die Scheichs Entgegenkommen. Auch deutsche Konzerne haben Interesse an einem Abkommen mit dem Emirat.
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Engere Beziehungen: Angela Merkel mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani und seiner Frau, Scheicha Mozah Bint Nasser Al Missned. Quelle: DAPD

Engere Beziehungen: Angela Merkel mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani und seiner Frau, Scheicha Mozah Bint Nasser Al Missned.

DÜSSELDORF. Wenn Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani wieder einmal bei einer deutschen Firma zuschlägt, kommt er stets mit großem Gefolge. Minister, Firmenchefs und immer auch seine Frau, Scheicha Mozah bint Nasser Al Missned, begleiten den Emir von Katar. Die Scheicha ist die treibende Kraft hinter der Modernisierung des gasreichen Emirats auf der Wüsten-Halbinsel am Golf - und sie fördert auch die starke Annäherung an Deutschland.

Zuletzt waren der Emir und seine Frau Ende September bei Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, Bahnchef Rüdiger Grube und dem Nah- und Mittelost-Verein um Exkanzler Gerhard Schröder in Berlin zu Gast. Kurz darauf stieg die Qatar Holding, die Investmentgesellschaft des Emirs, beim Bauriesen Hochtief ein.

Dohas Finanzminister bei Schäuble

Wenn, wie jetzt, zähe und kaum für die Öffentlichkeit bestimmte Verhandlungen anstehen, entsendet Scheich Al Thani seinen Wirtschafts- und Finanzminister Yousef Hussain Kamal. Denn die massiv gestiegenen Investitionen von Katar in Deutschland - ob zuletzt der Einstieg mit 9,1 Prozent bei Hochtief oder zuvor der mit 17 Prozent bei Volkswagen - wecken die Begehrlichkeiten der Scheichs: Katar drängt auf ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Berlin. Das soll regeln, welches Land welche Steueranteile bekommt.

Das Abkommen hatte Al Thani bereits bei Merkel eingefordert. Jetzt haben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Katars Ressortchef Kamal erstmals bei ihrem Treffen in Berlin ausgelotet, an welchen Punkten es bei der Anwendung des Steuerrechts beider Länder zu einer Doppelbesteuerung kommt. Man habe vereinbart, die Gespräche Anfang 2011 fortzusetzen, sagte Schäubles Sprecher.

Hintergrund sind die stark steigenden Investitionen Katars in Deutschland und das Interesse deutscher Konzerne, an Infrastruktur-Projekten beim weltgrößten Produzenten von Flüssiggas beteiligt zu werden: Hochtief hat in dem Emirat seinen weltweit größten Auftrag an Land gezogen - die Errichtung des mehr als acht Kilometer langen Einkaufszentrums Barwa Commercial Avenue. Auch der Rivale Bilfinger Berger sowie Siemens verfolgen Großprojekte im Wüstensand. Die Deutsche Bahn hat dort ein Joint Venture zum Bau eines Bahnnetzes ins benachbarte Bahrain sowie einer Metro und Straßenbahn für die Hauptstadt Doha gegründet mit einem Volumen von 17 Milliarden Euro.

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