Bilanz der Staatsfinanzen Wie es Griechenland wirklich geht

Immer neue Gerüchte von riesigen Löcher im Haushalt von Griechenland schrecken Europa auf. Dabei ist Athen auf einem guten Weg, seine Sparziele zu erfüllen. Für eine Rettung des Landes reicht das aber nicht aus.
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Euromünze im Souvenirtempel: Der Staat lässt Rechnungen unbezahlt. Quelle: dpa

Euromünze im Souvenirtempel: Der Staat lässt Rechnungen unbezahlt.

(Foto: dpa)

AthenEinige Wochen lang schien es ruhig geworden zu sein um Griechenland. Die Krise schien beherrschbar, der drohende Staatsbankrott abgewendet, der Verbleib in der Eurozone gesichert. Mit einem neuen Sparpaket soll das Land seine Finanzplanung für die kommenden Jahre auf die Reihe bringen. Ziel ist, das Haushaltsdefizit von rund neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr bis 2014 unter drei Prozent drücken. Doch nun jagt eine Hiobsbotschaft die nächste: von neuen, riesigen Löchern im griechischen Haushalt berichten die Medien, mal ist von 20 Milliarden Euro die Rede, mal sogar von 30 Milliarden, die angeblich in der Kasse fehlen.

Wie steht es wirklich um Athens Staatsfinanzen und das Reformprogramm?

Entgegen den Berichten über angebliche neue Milliardenlöcher liegt der griechische Finanzminister bei der Umsetzung des diesjährigen Haushalts sogar vor dem Plan. In den ersten acht Monaten belief sich das Defizit auf 12,5 Milliarden Euro – angesetzt waren im Budget 15,2 Milliarden. Gegenüber dem Vorjahr wurde der Fehlbetrag um ein Drittel reduziert.

Das Primärdefizit (ohne Schuldendienst) betrug Ende August sogar nur noch 1,4 Milliarden Euro, gegenüber einem Etatansatz von 4,2 Milliarden. Zwar lagen die Steuereinnahmen wegen der unerwartet schwachen Konjunktur um rund zwei Milliarden Euro niedriger als im Budget angesetzt. Die Mindereinnahmen wurden aber durch zusätzliche Einsparungen von 4,8 Milliarden Euro mehr als ausgeglichen.

Griechenland ist also auf gutem Weg, seine diesjährigen Sparziele zu erreichen – mit zwei wichtigen Einschränkungen: Um die Ausgaben zu drücken, lässt der Staat immer mehr Rechnungen unbezahlt. Lieferanten, Handwerker und Baufirmen können ein Lied davon singen: Wer in Griechenland Staatsaufträge abwickelt, wartet viele Monate, mitunter Jahre auf sein Geld.

Nach Angaben des Finanzministeriums saß der Staat Ende Juli auf unbezahlten Rechnungen von 6,67 Milliarden Euro. Die Summe entspricht immerhin knapp 3,3 Prozent vom BIP. Mit der für den Herbst erwarteten nächsten Kreditrate von 31,2 Milliarden Euro sollen diese Schulden allerdings beglichen werden.

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23 Kommentare zu "Bilanz der Staatsfinanzen: Wie es Griechenland wirklich geht"

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  • Gäbe Griechenland relativ zur Wirtschaftskraft nur ähnlich viel für sein Militär aus wie der EU-Durchschnitt, wäre seine Finanzlage heute tragfähig, teure Rettungsprogramme nicht nötig. Die griechische Regierung und die EU-Kommission streiten sich über die tatsächliche Höhe der Ausgaben für Waffensysteme. Schwarzgeld scheint in Massen zu fließen. Ein ehemaliger Verteidigungsminister sitzt im Gefängnis, weil er sich von Ferrostaal hat bestechen lassen. Solche Ausgabenfreudigkeit eines bankrotten Landes und solche Intransparenz wie in Griechenland sollten eigentlich Anlass zu etwas mehr als zwei, drei wolkigen Sätzen sein. Aber daran hat scheinbar niemand ein Interesse. Immerhin ist Griechenland der fünftgrößte Waffenimporteur der Welt und bezieht ein Drittel seiner Waffen aus Deutschland. Auch Frankreich liefert eifrig. Größter Lieferant sind die USA.

  • Politiker sind Feiglinge! Und Banken drücken sich um ihre Verpflichtungen!
    Es gibt nur eine Lösung: Insolvenz! Die Banken tragen ihr Risiko selbst - notabene OHNE Unterstützung des Steuerzahlers - und die Politiker gehen alle in Hartz IV und putzen Klos.

  • Griechischer Wein
    ==============
    Erst fehlten Griechenland 11,5Mrd, vorgestern waren es 20Mrd, gestern 30Mrd, und wieviel Mrd sind es heute?
    Und sie wollen NATÜRLICH nichts davon zurückzahlen.
    Deshalb rufen die Gewerkschaften heute auch die Beamten zum Generalstreik auf. Die wollen natürlich nicht sparen!

    "Welche skurrilen Prämien die Griechen kassieren"
    Zitat:
    Für Hand-Hygiene erhalten Bahnmitarbeiter 420 Euro extra im Monat. Angestellte, die rechtzeitig zum Dienst erscheinen, kassieren bislang eine Prämie. Die Welt schüttelt den Kopf über absurde Zuschüsse in Griechenland.
    Zitat Ende:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/staatsbetriebe-und-behoerden-welche-skurrilen-praemien-die-griechen-kassieren/4332060.html

    Auch in Spanien und Portugal gibt es Demos gegen die diversen Sparprogramme, aber Griechenland ist ein besonderer Fall.
    Und was sagen die "sogenannte" Troika und Merkel/Schäuble dazu? "Griechenland ist auf einen „guten Weg“!

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
    =======================
    ... Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket". Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt. Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jählichen Zuwachsrate von 10%.

    Die Deutschen arbeiten dann bis zu 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").

    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

  • Griechenland ist eines der reichsten Länder Europas. Oh Wunder, wie das? GR sitzt auf Milliarden Barrel Öl, und das seit Jahzehnten. Warum die Griechen sich weigern diese auszubeuten? Ich weiss nicht. Nun dürfen aber die Anglo-Amerikanischen Heuschrecken per Papandreos Handschlag diese Reichtüber für'n Appel&Ei ausbeuten. Die Griechen sehen davon natürlich nix. Dabei haben die Griechen sogar Angebote aus der EU für bessere Konditionen ausgeschlagen. Wer da an Zufälle glaubt ist selber schuld. LOL


  • "Ihr könnt ja mal die gleiche Debatte auf der Ebene unserer Bundesländer und dem Strukturausgleich führen (Was geht den Bayern die Schulden von Berlin an...)"

    Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem Staat wie Deutschland und einem Währungsraum wie der Eurozone. Transferleistungen innerhalb Deutschlands sind vom Souverän (also Ihnen, mir und noch ein paar anderen) gewollt und akzeptiert. Bei der Einführung des Euro wurde den Bürgern dagegen explizit versprochen, es werde keine Transferleistungen geben, die Übernahme fremder Schulden sei verboten, die EZB werde unabhängig agieren und dem vorrangigen Ziel der Geldwertstabilität verpflichtet sein, und die Überschuldung von Euromitgliedern sei aufgrund der Maastricht-Regeln unmöglich.

    Heute erkennen diese Bürger, dass sie in jedem einzelnen dieser Punkte belogen und betrogen worden sind, dass ihre Ersparnisse entwertet werden, dass sie und ihre Kinder für diesen Betrug noch bis an ihr Lebensende bluten werden, und dass ihre eigene Regierung sich weigert, ihre Interessen zu vertreten und Vertragstreue einzufordern. Diese Erkenntnis führt zu Wut und Empörung, die sich wiederum in einer Entfremdung von dem Staat, der sie betrogen hat, äußern und die sich gelegentlich in nicht unbedingt salonfähigen Äußerungen ihren Weg brechen. Man mag das bedauern, verständlich ist es allemal.

    Das wirklich Unglaubliche sind nicht die Äußerungen, sondern die Vorgänge, die sie hervorrufen. Dass mitten in Europa Verträge heute nur noch den Stellenwert von Klopapier besitzen - DAS ist unglaublich.

  • "Dabei ist Athen auf einem guten Weg, seine Sparziele zu erfüllen." Ist wohl ein ironisches Spiel mit dem Schäuble-Mantra...;-) Guter Artikel mit leider teils erbärmlichen Kommentaren.

  • Der Autor ist Teil der "Wie-Es-Wirklich-Gilde". Das sind V-Männer der Elite, die, eingeschleust in mittlerweile sämtliche deutsche Redaktionen, uns erzählen, "wie es wirklich ist": Die Teuerung beim Euro ist nur gefühlt, Bankiersleute sind eigentlich ehrbare Mitbürger, Griechenland strotzt vor Prosperität, das schlechte Wetter in Deutschland hat viele gute Seiten, Benzin könnte noch viel teurer sein, Schäuble und Merkel sind auch nur Menschen, die beide herzlich gerne über Loriot lachen, der ja in Wirklichkeit gar keinen Humor hatte, sondern ein bierernster Pedant war, gelle? Zur Wie-Es-Wirklich-Ist Gilde meiner schreibenden "aufklärenden" Kollegen fällt mir nicht wirklich viel ein, außer der Buchtitel von Herbert Riehl Heyse (Süddeutsche Zeitung): "Bestellte Wahrheiten", den Herbie so heute aber nicht wirklich mehr verfassen würde - geschweige denn, absetzen könnte.

  • Unabhängig von der "Richtigkeit" der Darstellung oder den Zahlen in dem Artikel finde ich es echt traurig mit was für Sch...hausparolen sich hier der scheinbar durschnittliche Leser verewigt. Weder nationalistische Ignoranz noch die Pauschalisierung "Die Griechen" oder "die Südländer" bringt jemanden weiter. Ihr könnt ja mal die gleiche Debatte auf der Ebene unserer Bundesländer und dem Strukturausgleich führen (Was geht den Bayern die Schulden von Berlin an...) Schlimm ist doch, dass hier eine ganze Generation an jungen Menschen in der Perspektivlosigkeit versinkt und damit in eine völlig falsche Richtung treibt. In diesem Atemzug zu Kommentieren, dass die guten Wein, schönes Wetter und ne gute Familienstruktur haben ist doch unglaublich und dass es vorallem zuerst die Unterschichten und nicht jeder Grieche arbeits- und mittellos ist ist auch nicht gerade geistreich und fundiert. Wenn Ihr also schon Inhalte kritisiert dann wendet den Anspruch doch mal an Eure Texte an oder haltet halt einfach mal den Mund.

  • Dann bekommt Griechenland keinen Kredit mehr.
    Außerdem: Bei der Kreditaufnahme hat Griechenland die Verpflichtung übernommen, pünktlich Kredit und Zinsen zu zahlen.
    Aber wenn ein Teil der griechischen Bevölkerung keinen Bock hat Steuern zu zahlen, wenn ein großer Teil der Bevölkerung (Taxiunternehmen, Ärzte,...) verbissen um ihre Privilegien kämpft und das Land kaputt streikt, dann kommt es zu der jetzigen wirtschaftlichen Katastrophe. Die Griechen haben sich selbst in diese Lage herein manövriert. Sie sollten dankbar sein für unsere Hilfe. Sie erhalten Kredite zu verbilligten Zinsen und 107 Mrd. € an Schulden wurden Griechenland erlassen. Auf den deutschen Steuerzahler entfallen 17 €.

  • Die griechischen Schulden gehen den deutschen Staat einen Scheißdreck an. Noch weniger hat der deutsche Dummmichel das Recht, in das Hoheitsgebiet anderer Völker reinzuquatschen. gar keines hat eine Troika.

    Schließlich hat der Morast aus Wirtschaft und Politik und Medien eine kollektive Verantwortung entworfen für Verantwortungslosigkeit und unersättliche Gier unfähiger Banker und Glücksspieler, die Aktiengewinne über die Menschenrechtscharta stellen - Europa AG, Deutschland AG, Ich AG!
    Ich kann ja auch keine Forderungen an die Gesellschaft stellen, wenn ein Spanier mir die 500 Euro nicht wieder gibt.
    Sollen doch die ihre offenen Rechnungen in Griechenland einklagen, die dem Staat das Geld geliehen haben!

    Die Verbreiung von Staat und Wirtschaft und Spargroschen und Banken ist von der Struktur mafiös.
    Aber das interessiert die Medien auch einen Scheißdreck. Sie übertreten das Völkerrecht mit ihren Nazistiefeln, als sei das Unrecht ihr gutes Recht und suhlen sich darin wie die Schweine.
    Alle Diktaturen übertreten das Recht, um aus Unrecht Recht zu machen!

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